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Auf neuen Dürener Teppichen durch die Weltgeschichte fliegen

Von: inla
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Geschäftsführer Gerd Hoffe (r.) und Marketingleiter Thomas Riesmeier. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Für die einen sind Teppiche einfach nur profane Bodenbeläge, für andere das Ergebnis kreativer Prozesse, die bares Geld sparen können. Ein Beispiel für letztere Sicht ist derzeit in einem Container vor dem Verwaltungsgebäude des Birkesdorfer Traditionsunternehmens Anker zu besichtigen.

Zu sehen ist ein Teppich, der möglichst leicht und dennoch strapazierfähig und haltbar ist. Fluggesellschaften sind an solchen Teppichen interessiert. Anker hat bisher mehr als 100 Airlines ausgestattet.

Nun geht es darum, mit einem Material, das nur 1000 oder weniger Gramm pro Quadratmeter wiegt, Kosten zu reduzieren. In Flugzeugen bringt eine Gewichtsverringerung von einem Kilogramm 160 Dollar pro Jahr, sagt Alexander von Fuchs-Nordhoff.

In einem kleinen Flugzeug wie der Boing 737 werden rund 100 Quadratmeter Teppich verlegt. Das macht 60 Kilo aus. Der Anker-Vertriebsleiter stellt beim Jahresgespräch des Unternehmens einen Teppich vor, der nur noch 800 Gramm pro Quadratmeter wiegt. Das Material wird momentan getestet und soll Mitte kommenden Jahres ausgeliefert werden.

Diese Entwicklung zeigt, dass bei Anker nicht nur an 35 Webstühlen produziert (die Menge ist geheim), sondern auch entwickelt wird. Deshalb wird der Besucher unweit des Firmeneingangs auch mit dem Transparent empfangen: „Achtung, Sie betreten kreatives Gelände.“

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 51,8 Millionen Euro umgesetzt. Das sind 5,2 Prozent weniger als 2015. Geschäftsführer Gerd Hoffe begründet den Rückgang mit einmaligen Sondereffekten und einem schwieriger werdenden Marktumfeld. Der Gewinn liegt „unter dem Vorjahr in einem unteren sechsstelligen Bereich“. Die Geschäftsführung will die Zahlen verbessern.

Hochwertiges Material

Aurel Schoeller, Gesellschafter und Beiratsvorsitzender (entspricht einem Aufsichtsrat) sagt, das Unternehmen sei ein „anerkannter und gut aufgestellter Player“. Aber: „Wir wünschen uns mehr Wachstum.“

Anker sei ein Premiumanbieter und produziere keine Massenware, sondern hochwertiges Material. Teppiche made in Birkesdorf liegen nicht nur in Hunderten Flugzeugen, sondern auch im Kanzleramt, in Ministerien und zahlreichen Hotels, Banken und Versicherungen.

Dass es in diesem niveauvollen Segment um Einfallsreichtum geht, bekräftigt Thomas Riesmeier. Im vergangenen Jahr stellte der Marketingleiter vor, wie Teppiche zu Cocktailbars passen können, am Montag präsentierte er, wie der Begriff „Zeit“ über den Tag ausgedehnt in Teppichmustern und -materialien umgesetzt werden kann.

Es geht um Themen wie Ruhe, Hektik und Feierabend. Entworfen werden diese Ideen am Computer. Die Digitalisierung schreitet auch bei Anker voran. Das Berufsbild des früheren Webers hat sich gewandelt und beinhaltet heute eine fünf- bis sechsjährige Ausbildung (inklusive Elektriker). Die hochtechnisierten Maschinen wollen bedient sein – damit demnächst besonders leichte Dürener Teppiche durch die Weltgeschichte fliegen.

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