Düren - Auf Jürgen Müller warten bei Neapco neue Herausforderungen

Auf Jürgen Müller warten bei Neapco neue Herausforderungen

Von: Burkhard Giesen
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Der bisherige Neapco-Betriebsratsvorsitzende Peter Nießen (rechts) geht, sein Nachfolger Jürgen Müller kommt. Foto: Burkhard Giesen

Düren. „Nein“, wiegelt Peter Nießen schnell ab, „so groß sind die Fußstapfen gar nicht.“ Immerhin habe man doch Jahre lang schon sehr eng und sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet. Nießen ist einer, den man mit Sicherheit als „Urgestein“ bezeichnen würde.

45 Jahre war er beim Autozulieferer Neapco beschäftigt, hatte dort angefangen, als der Betrieb noch zum Autobauer Ford gehörte, und hat insbesondere in seinen letzten Jahren als Betriebsratsvorsitzender alles mitgemacht, was man sich in diesem Job nur bedingt wünscht: Sozialpläne, Insolvenz, Verkauf, Entlassungen. Anfang des Jahres ist der 64-jährige Nießen in den Ruhestand gegangen, jetzt folgt ihm als Betriebsratsvorsitzender sein bisheriger Stellvertreter Jürgen Müller, der auch schon seit 20 Jahre im Betriebsrat tätig ist.

Müller steht vor ganz anderen Herausforderungen, als Nießen sie noch bewältigen musste. Nach schmerzlichen Einschnitten und überstandener Insolvenz folgte der so nicht wirklich zu erwartende Aufschwung. Die Auftragsbücher sind voll, Geschäftsführung und Betriebsrat konnten gemeinsam neue Aufträge gewinnen und die frühere Abhängigkeit von Ford verringern. Besonders zahlt sich dabei aus, dass langfristige Verträge mit so genannten Premiumherstellern abgeschlossen werden konnten, die auch in den immer noch schwierigen Zeiten für Autohersteller keine Einbußen verzeichnen.

„Geschäftsführer Dr. Traidl hat sehr viel bewirkt und macht mit seiner Mannschaft einen sehr guten Job“, sagt Peter Nießen, der in seiner Zeit als Betriebsratsvorsitzender immer den Spagat geschafft hat, auf der einen Seite die Interessen der Beschäftigten teils vehement einzufordern, aber auch vertrauensvoll mit der Geschäftsführung zusammenzuarbeiten. Ein Weg, den Jürgen Müller nicht verlassen will. „Wir stehen als Zulieferer unter enormen Konkurrenzdruck. Je mehr Aufträge wir erhalten, um so kostengünstiger können wir arbeiten. Aber wenn morgen eine Stahlpreiserhöhung kommt, müssen wir reagieren“, deutet er die vielschichtige Problemlage an, mit der er sich auseinandersetzen muss.

Ein ganz anderer Schwerpunkt seiner künftigen Arbeit wird der demografische Wandel werden, der auch an Unternehmen wie Neapco nicht spurlos vorbei geht. Müller: „Wir müssen stärker als bisher für die Zukunft ausbilden. 21 Prozent der jetzt knapp 740 Kollegen sind älter als 57 Jahre.“ Und viele dieser älteren Kollegen würden am liebsten schon mit 63 in Rente. Eile ist also geboten.

„Wir reagieren darauf mit neuen Ausbildungsangeboten, auch mit neuen Berufsbildern“, erklärt Müller. Immerhin wurden bisher alle Azubis übernommen, die Altersfluktuation konnte damit aber noch nicht aufgefangen werden. Hinzu kommt, dass Müller sich insbesondere auch im Bereich Gesundheitsfürsorge engagieren will: „Die Anforderungen in der Produktion sind schon sehr hart. Ich weiß nicht, wie man teilweise im Drei- bis Fünf-Schichten-System bis 67 arbeiten soll.“

Problematisch wird das dann, wenn ältere Arbeitnehmer zum Beispiel nicht mehr in der Nachtschicht arbeiten können. Müller: „Für diese Kollegen wird der Druck größer, weil es für sie immer weniger Arbeitsplätze gibt.“ Auch wenn die Herausforderungen für Müller andere sein mögen, der Wunsch, das Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen, eint den alten und neuen Betriebsratsvorsitzenden.

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