Heimbach - Auf heißen Kohlen in Heimbach

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Auf heißen Kohlen in Heimbach

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Auf heißen Kohlen: Die Arbeit
Auf heißen Kohlen: Die Arbeit am Kohlenmeiler ist für Gerd Linden und seine Männer Knochenarbeit. Beim Öffnen des Meilers sind die Männer starker Hitze und jeder Menge Staub ausgesetzt. Foto: Andreas Bongartz

Heimbach. Von dem stolzen Berg ist nur noch ein „kleiner Zuckerhut” übrig: Hatte der Kohlenmeiler im Waldstück am Rande von Düttling Anfang der vergangenen Woche noch einen Durchmesser von mehr als zehn Metern, so ist der Meiler mittlerweile doch deutlich geschrumpft.

Gerd Linden und seine Männer haben ganze Arbeit geleistet. Um genau zu sein, war es Knochenarbeit, die die Gruppe um den Landwirtschaftsmeister vom Freilichtmuseum Kommern seit Anfang der vergangenen Woche geleistet hat. Und die ist Linden auch fünf Tage später noch deutlich anzusehen: Ruß und Rauch haben den 57-Jährigen schwarz gefärbt, schließlich ist Linden beim Öffnen des Meilers, wenn die verschwelte Holzkohle heraus geholt wird, immer an erster Front zu finden.

Bis zu 700 Grad

„Das”, so sagt der Abteilungsleiter historische Landwirtschaft im Freilichtmuseum Kommern, „ist das Schlimmste.” Beim Rausholen der Kohle ist der Köhler einer unglaublichen Hitze und jeder Menge Staub ausgesetzt, im Inneren des Meilers herrschen Temperaturen von bis zu 700 Grad. Linden bewegt sich dabei auf heißen Kohlen, den linken Fuß hat er immer in der Hitze. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen: In einer Verschnaufpause zeigt der Landwirtschaftsmeister die Sohle seines Stiefels, die sich bereits in Auflösung befindet. Linden hat das historische Handwerk des Köhlers vor rund 26 Jahren, als er seine Arbeit beim Freilichtmuseum Kommern begann, noch von den letzten Köhlern der Eifel gelernt.

Seitdem hat er selbst 25 bis 30 Meiler gebaut, eine Arbeit, die gut drei Wochen in Anspruch nimmt, angefangen vom Aufbau über das Anzünden und Abbrennen bis zum Öffnen des Meilers. 2008 haben Linden und seine Helfer den ersten Meiler in Düttling errichtet, der Meilerbau findet seitdem regelmäßig alle zwei Jahre statt und ist zu einer wahren Attraktion geworden. So haben sich rund 1500 Besucher von Aachen bis Köln, aus Luxemburg und Belgien zum Meilerfest nach Düttling begeben. Zu sehen gab es für sie nicht nur den Holzmeiler, sondern auch Holzrückvorführungen mit Pferden, eine Flugschau der Greifvogelstation Hellenthal, Schmiedekunst, Bronzeguss und viele andere Attraktionen. „Wir können uns über eine sehr gute Resonanz freuen”, so Linden. „Sehr viele Leute kommen zu uns und nehmen 10 bis 15 Sack Kohle mit, weil sie wissen, dass es die nächste Kohle erst wieder in zwei Jahren gibt.”

Kohle mit Waffenschein

Da man beim Meiler ausschließlich Buchenholz verwende, sei die gewonnene Holzkohle besonders gut, habe eine besonders intensive Hitze. Linden: „Einer unserer Kunden hat mal gesagt, für unsere Kohle bräuchte man einen Waffenschein.” Der Mann hatte beim Grillen die Meilerkohle benutzt und die gleiche Menge wie sonst bei herkömmlicher Kohle verwendet - ratzfatz war das Fleisch auf dem Grill verbrannt. Die Arbeit auf und an dem Meiler bringt jede Menge Kohle: Zwischen acht und zehn Tonnen Holzkohle betrage der Ertrag.

Bis dahin ist es allerdings ein mühseliger Weg, einer der mit vielen Unwägbarkeiten verbunden ist. Etwa das Wetter: „Der Feind des Köhlers sind Wind beim Abbrand und Regen wenn man die Kohle herausholt”, so Gerd Linden. Der Trick ist eben den kontrollierten Schwelbrand nicht zum Feuer werden zu lassen und gleichzeitig die Glut nicht erlöschen zu lassen. Deshalb muss der Meiler beim Abbrand auch Tag und Nacht bewacht werden. Klar, dass die Männer um Gerd Linden nach drei Wochen solcher Intensivstarbeit auch froh sind, wenn sie es hinter sich haben. Linden: „Ich denke heute Abend haben uns ein Bier mehr verdient.”
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