Auch aus Düren wurden psychisch Kranke deportiert

Von: kin/jori
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Die Schülerinnen und Schüler
Die Schülerinnen und Schüler der Krankenpflegeschule der LVR-Klinik haben eine Gedenkfeier zur Pogromnacht vorbereitet. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Das Thema ist immer aktuell. Und unsere Verantwortung ist, dazu beizutragen, dass so etwas nicht mehr passiert.” Für Doris Inden (51) ist die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich und der Naziherrschaft in Deutschland selbstverständlich.

Inden ist Schülerin der „Schule für Gesundheits- und Krankenpflege” an der LVR-Klinik in Düren. Gemeinsam mit ihren 17 Mitschülern und Lehrer Thomas Hax-Schoppenhorst hat sie die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht heute um 19 Uhr an der Rückriem-Stele auf dem Klinikgelände vorbereitet.

„In der Reichspogromnacht”, erklärt Fabian Marx (23), „haben die Nazis viele jüdische Geschäfte zerstört, und es sind Juden abtransportiert worden. Und natürlich ist das ein Stück Geschichte, das uns sehr interessiert.” Sie alle, so Fabian Marx weiter, hätten natürlich im Geschichtsunterricht auch das Dritte Reich in Deutschland behandelt.

„Und wir haben ja auch alle Großeltern, die das zum Teil noch erlebt haben. Irgendwie besteht immer eine Verbindung zu diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.” Und Doris Inden ergänzt: „Und das ist auch wichtig. Dieses Thema darf einfach nicht in Vergessenheit geraten.”

Die jungen Leute haben für ihre Feierstunde Passagen aus den erst in diesem Jahr veröffentlichten Tagebüchern von Friedrich Kellner vorbereitet und szenisch umgesetzt. Kellner war zu Zeiten des Nazi-Regimes Justizinspektor im oberhessischen Laubach in der Nähe von Gießen und hat sich in seinen Tagebüchern Hass und Groll gegen das Nazi-Regimes vom Leib geschrieben. Erst nach Kellners Tod im Jahr 1970 wurden die Tagebücher veröffentlicht.

Jörn Greven (24): „Die Tagebücher sind ein erschreckendes Dokument gegen den damaligen Zeitgeist.” Und Natalie Schäfer (21) ergänzt: „Die Tagebücher zeigen, wie aktuell das Thema auch heute noch ist. Weil es wichtig ist, Missstände zu erkennen und das vor allen Dingen dann auch zu sagen.”

Dass die Schülerinnen und Schüler des Mittelkurses der Krankenpflegeschule an der LVR-Klinik die Feier zur Reichskristallnacht vorbereiten, hat eine lange Tradition und liegt vielleicht auch daran, dass die eine eigene, schreckliche Geschichte zur Nazi-Herrschaft in Deutschland hat.

Tausende Patientinnen und Patienten sind aus der Klinik deportiert worden, psychisch Kranke und auch psychisch kranke Rechtsbrecher. „Es waren aber auch Menschen mit einer geistigen Behinderung dabei”, sagt Natalie Schäfer. „Leute, die nach dem damaligen Menschenbild ein unwertes Leben hatten. Und das finde ich ganz fürchterlich.”

Auch vor diesem Hintergrund finden die Krankenpflegeschülerinnen und -schüler es enorm wichtig, sich mit der deutschen Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 intensiv auseinander zusetzen. Natalie Schäfer: „Wir müssen es uns als Pfleger in der Psychiatrie täglich vor Augen führen, dass psychisch Kranke ganz normale Menschen sind. Und das diese Krankheiten jeden Menschen treffen können. Es gibt kein unwertes Leben.” Die meisten Schüler des Mittelkurses haben im vergangenen Jahr schon einmal an einer Gedenkfeier an der Stele auf dem Klinikgelände zur Reichspogromnacht teilgenommen. „Das war gut”, sagt Jörn Schäfer. „Und wir hoffen natürlich, dass heute Abend an unserer Feier auch sehr viele Leute teilnehmen.”

Gedenken an zehn Stellen gleichzeitig

Zum 20. Mal werden am Mittwoch um 19 Uhr an zehn Orten Mahnstunden zur Erinnerung an die Reichspogromnacht stattfinden. An zehn Orten ließ die Stadt Düren von Künstler Ulrich Rückriem geschaffene Stelen aufstellen. Die Gestaltung der Feier übernehmen verschiedene Gruppen.

In der Schützenstraße ist das Büro der Regionaldekane aktiv, in der Oberstraße das Wirteltorgymnasium, am Amtsgericht das Stiftische Gymnasium; Wernersstraße: SPD-Ortsverband; Realschule Wernersstraße, Grundschule Martin Luther; Lendersdorf: Bürger; Arnoldsweiler: Bezirksausschuss, Pfadfinder; Gürzenich: Pfarre; Birkesdorf: SPD-Ortsverband; Mariaweiler: Anne-Frank-Gesamtschule.

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