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Archäologische Schätze bleiben sicher im Boden

Von: Ottmar Hansen
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Petra Tutlies vor Kästen, in
Petra Tutlies vor Kästen, in denen die jüngsten Fundstücke gelagert werden. Sie müssen noch gesäubert Foto: Ottmar Hansen

Nideggen-Wollersheim. Die außergewöhnlich tiefen Temperaturen draußen haben auch ihr Gutes: Endlich hat Hans Lüdtke in der Wollersheimer Außenstelle des rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege Zeit, die archäologischen Funde der vergangenen Wochen aufzubereiten.

Besonders vorsichtig wäscht Lüdtke die Fundstücke in einem großen Wasserbecken. Und siehe da: Aus unförmigen, lehmverschmierten Brocken werden kunstvoll verzierte Scherben, die vor Tausenden von Jahren vielleicht einmal einen Krug gebildet haben.

„Bei diesem Wetter sind Ausgrabungen draußen unmöglich”, betont Petra Tutlies, die Leiterin der Außenstelle. „Der Frost sitzt 30 Zentimeter tief im Boden. Da zerstört man bei Grabungen mehr als man bergen könnte.” Also nutzt das Team von 18 Spezialisten im ehemaligen Zehnthof des Stiftes St. Maria die Zeit, wertvolle Relikte aus unserer Vorzeit zu säubern und zu katalogisieren.

Die Funde reichen bis in die Steinzeit zurück. Wie unterscheidet der Archäologe den gewöhnlichen Kiesel auf dem Feld von einem 5000 Jahre alten Stück? Tutlies: „Man braucht neben dem Studium viel Erfahrung, den geübten Blick.” Anhand von Gefäßform, Warenart, Oberflächenbehandlung und Verzierung lasse sich das Alter oft ableiten. Hilfreich sei das 200 Jahre alte Archiv der Hauptstelle in Bonn.

Sensationellster Fund war zuletzt die Ausgrabung einer Siedlung aus der Steinzeit nahe Arnoldsweiler. Ein Skelett, auf den Namen Lillith getauft, konnte fast unversehrt geborgen werden. Der „drittälteste Fund eines Menschen im Rheinland” ist jetzt im Bonner Landesmuseum zu sehen. Doch die Ausgrabungen, wie sie im Zuge der Autobahnerweiterung erfolgten, seien nicht die Regel, so Petra Tutlies: „Unser oberstes Ziel ist der Erhalt der Fundstelle im Boden. Nur wenn die Bewahrung vor Ort nicht möglich ist, wird ausgegraben.”

Dafür, dass etliche Fundorte geschichtlicher Zeugnisse den Spezialisten zwar bekannt sind, aber nicht angetastet werden und als „ruhende Fundorte für spätere Generationen” weiter im Boden schlummern, hat Petra Tutlies eine Erklärung: „Jeder Eingriff des Menschen in den Boden erzeugt Spuren, die auch in 1000 Jahren noch sichtbar sind. Nach einer Ausgrabung ist alles weg. Hier geht es um unser aller kulturelles Erbe, für das wir alle Sorge tragen müssen.”

Beim Aufspüren archäologischer Fundstellen greift das Team aus Wollersheim auf moderne Technik mit Luftbildern, Geomagnetik, Geoelektrik und Bodenradar zurück. Zum Freilegen kommt meist erst der Bagger zum Einsatz. Je näher es an die Fundstücke geht, desto feiner wird das Werkzeug. Bis hin zu Kelle und Pinsel.

Das Verhältnis der Profis zu den vielen Hobbyarchäologen ist gespalten. „Wir arbeiten mit vielen Ehrenamtlern zusammen, auf deren Hilfe wir auch angewiesen sind”, sagt Petra Tutlies. Daneben gebe es aber „Sonden-Gänger”, die nur auf den Fund wertvoller Metallschätze im Boden aus sind und dabei vieles zerstören. Denn es gilt immer noch: Die Hälfte des Schatzes im Boden kann der Finder behalten, die andere Hälfte gehört dem Grundstückseigentümer.

Probleme für archäologische Relikte sieht Tutlies in der Landwirtschaft: „Zwar wälzen die Bauern die Erde nicht mehr mit Riesenpflügen um, dafür sind die Traktoren heute viel schwerer und verdichten den Boden. Hinzu kommen Dünger und Saurer Regen, die den Boden versalzen. Metallgegenstände in der Erde werden so bis zur Unkenntlichkeit „zerfressen.”
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