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Arbeit und Schule in Norddüren neu vereint

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Fit für den Beruf werden: Kunstprojekte können Jugendlichen dabei helfen. Foto: lowtec

Düren. Vor drei Jahren war es zum Beispiel Marcel M., der bei der gemeinnützigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Low-tec eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert hat. Zuvor hatte er der damals 22-jährige bei Low-tec in den Beruf reingeschnuppert und an einem Kunstprojekt teilgenommen, das die Gesellschaft zum Projektes „Talente im Quartier“ ausgerichtet hatte.

Das Ziel: Jugendliche zur Ausbildungsreife zu bringen. Bei Marcel ist das damals gelungen.

Drei Jahre lang konnte Low-tec mit Bundes- und EU-Mitteln gleich mehrere Projekte erfolgreich umsetzen. So hat sich zum Beispiel das niedrigschwellige Angebot, an dem auch Marcel zunächst teilgenommen hat: langzeitarbeitslose Jugendliche wieder an einen strukturierten Alltag zu gewöhnen. Anne Wimmers, die einer Großteil der Jugendlich betreut hat: „Viele dieser Jugendlichen haben keinen Schulabschluss, einige haben Drogenprobleme oder psychische Probleme. Unser Ziel war es, dass sie eine Bereitschaft entwickeln, mit dieser Situation nicht nur fertig zu werden, sondern ihr Leben zu verändern.“

Im Gegensatz zu anderen Fördermaßnahmen bot das „Talente im Quartier“-Projekt dazu auch den zeitlichen Rahmen. Anderthalb Jahre hatten die Jugendlichen Zeit, in Berufsangebote reinzuschnuppern und ein Bewerbungstraining zu absolvieren, das sie für die Ausbildung fit machen sollte. „Für viele Jugendliche war das der entscheidende Auslöser, danach erst mal eine weiterführende Schule zu besuchen oder überhaupt einen Abschluss zu machen“, berichtet Wimmers.

Die größten Erfolge konnte Low-tec laut Wimmers bei Jugendlichen mit einem Migranten-Hintergrund erzielen, oder aber zum Beispiel auch bei einem Projekt ausschließlich nur für Mädchen. Wimmers: „Bei diesen Mädchen haben sich anschließend alle entschlossen, eine weiterführende Schule zu besuchen.“

Ein Erfolg, der vielleicht auch ein bisschen mit Low-tec-Mitarbeiter Hakan Cay zusammenhängt, der in Düren-Nord das „Kompetenzzentrum“ betreut hat: „Wir haben da an vier Tagen in der Woche eine Beratung zur Berufsfindung und Berufsorientierung vorgenommen und ein Bewerbungstraining organisiert.“ Und er ist gezielt in Schulen marschiert, um zu informieren. Cay hatte, wie Low-tec-Geschäftsführer Jupp Macherey betont, allein dadurch, dass er Muttersprachler ist, nochmal einen besonderen Zugang zu den türkischen Jugendlichen. Cay: „Die Bedeutung einer Ausbildung ist in türkischen Elternhäusern nicht immer so stark verankert. Viele haben früher einfach in dem Betrieb angefangen, in dem ihr Vater gearbeitet hat. Das funktioniert aber heute nicht mehr.“

Cay hat eine ähnliche Erfahrung wie Anne Wimmers gemacht. Die sagt, dass für viele der Jugendlichen das Low-tec-Projekt „ein Stück zu Hause“ war, ihnen Sicherheit gab. Cay drückt es so aus: „Wenn die Jugendlichen merken, da ist jemand, der ihnen zur Seite steht, sind sie auch offen“ – und beteiligen sich an den entsprechenden Weiterqualifizierungsmaßnahmen. Denn: Eines der größten Probleme ist es, die Jugendlichen überhaupt zu erreichen. Jupp Macherey geht davon aus, dass es allein im Kreis Düren rund 480 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss gibt.

Noch dramatischer klingt eine andere Zahl: „600 bis 700 Jugendliche werden trotz Sanktionierung gar nicht mehr erreicht. Die wieder in die Systeme zu holen, muss unser Ziel sein“, betont Macherey. Genau das erfolgt jetzt mit einem neuen Projekt, das Anfang des Monats gestartet wurde. „Produktionsschule“ nennt sich die Maßnahme, bei der die Jobcom, die Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung, das Sozialwerk Dürener Christen und Low-tec 100 Jugendliche unter 25 Jahren in mehreren Klassen in der Nordschule zu einem Schulabschluss führen wollen.

Parallel dazu könnten die Teilnehmer berufspraktische Erfahrungen sammeln. Von den 190 angeschriebenen Jugendlichen haben sich 96 gemeldet. Für Macherey eine erfolgversprechende Quote.

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