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Arbeit mit Pferden als Chance für geistig Behinderte

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Die Arbeit mit den Pferden macht Sascha Sonnenberg (22, links) und Theo Ziffels (37) mächtig Spaß. Die Männer sind geistig behindert und versuchen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Theo Ziffels Arbeitstag auf dem Reiterhof beginnt morgens um 8. Siebeneinhalb Stunden später hat er Feierabend. Der 37-Jährige mistet Ställe aus, recht den Boden in der Reithalle, hilft beim Füttern der Tiere und beim Auskratzen der Hufe. Er liebt die Arbeit mit den Tieren und mag es, viel im Freien zu sein.

Theo Ziffels ist geistig behindert. Eigentlich ist er Mitarbeiter der Rurtalwerkstätten (RTW) in Huchem-Stammeln im Bereich Verpackung, bei Reitpädagogin Marie Maßmann-Theveßen und dem Reit- und Fahrverein „Hippophilos” hat er seit einem knappen Jahr einen so genannten betriebsintegrierten Arbeitsplatz gefunden. Sein Freund und Kollege Sascha Sonnenberg (22), der auch von den RTW kommt, macht hier ein Praktikum.

Derzeit gibt es bei den RTW drei betriebsintegrierte Arbeitsplätze, drei weitere sollen demnächst hinzu kommen. Ziel ist, dass mindestens drei Prozent aller Arbeitsplätze aus der geschützten Werkstatt ausgegliedert werden. Die Mitarbeiter arbeiten in ganz normalen Betrieben, bekommen aber ihre 350 Euro Lohn noch von den RTW. Außerdem werden sie regelmäßig von Roger Quast, Mitarbeiter des Sozialen Dienstes der RTW an ihrem neuen Arbeitsplatz besucht.

Darüber hinaus ist die Behindertenwerkstatt immer mehr bemüht, die behinderten Mitarbeiter auch auf den ersten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Im besten Fall klappt sogar der Sprung von einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz auf den ersten Arbeitsmarkt. Johannes Meylahn: „Geschäftsführer der RTW: „Unser Ziel ist, die Selbstbefähigung unserer behinderten Mitarbeiter zu stärken und zu fördern. Dazu gehört auch, dass wir immer mehr betreute Mitarbeiter auch außerhalb der Werkstatt unterbringen.”

Diese Tendenz hat auch Mechthild Heisinger, kommissarische Schulleiterin der Christophorus-Schule, beobachtet: „Es ist längst nicht mehr so, dass alle unsere Schüler automatisch in die RTW kommen. Manche sind nicht behindert genug, da müssen wir versuchen andere Möglichkeiten zu finden.”

Zwei ihrer Schüler, so Heisinger, hätten im letzten Jahr, einen festen Vertrag auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen. „Das ist aber natürlich eine Spitze. Die meisten unserer Schüler gehen schon in die Werkstatt. Trotzdem ist es eine Chance für unsere Leute, selbstständiger zu werden.” Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, sei sehr schwer, so Meylahn und Heisinger. Als Gründe nennen sie die Wirtschaftskrise, aber auch die Tatsache, dass die Menschen, die es zu vermitteln gilt, nur gering qualifiziert seien.

Für die Firmen gibt es Fördergelder von monatlich bis zu 500 Euro, wenn sie einen geistig behinderten Mitarbeiter einstellen. Und, so Heisinger, sie bekämen motivierte Leute, die sich durch Fröhlichkeit und Pünktlichkeit auszeichneten.

So wie Theo Ziffels. Er hat mit viel Fleiß den „Basispass Pferdekunde” gemacht und dafür eine schriftliche und eine mündliche Prüfung abgelegt.

Vielleicht, wenn alles gut geht und sich die finanziellen Probleme noch lösen lassen, kann er auf dem Reiterhof sogar eine richtige Ausbildung als Pferdepfleger machen. Wieder zurück nach Huchem-Stammeln zu müssen, würde ihm schwer fallen. „Das will ich nicht”, sagt er. „Die Tiere würden mir fehlen. Und die Arbeit auch.”
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