Annakirmes: Streit um Festwagen für Jubiläumsumzug geht weiter

Von: Ingo Latotzki
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Spricht von „sturer Bürokratie“: Schaustellerchef Hans Bert Cremer. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Für Hans Bert Cremer, den Vorsitzenden des Verbandes Reisender Schausteller (VRS) Düren, ist das Ganze „haarsträubend“. Helmut Göddertz, Vorsitzender der AG Dürener Historienfeste, gibt sich moderater und sagt: „Wir müssen versuchen, nun dennoch eine Veranstaltung mit Qualität auf die Beine zu stellen.“

Es geht um den historischen Festzug, der zum 375. Geburtstag der Dürener Annakirmes am Sonntag, 28. Juli, durch die Innenstadt ziehen soll.

Das Ordnungsamt der Stadt Düren untersagt, dass auf großen Wagen oder Zugmaschinen Menschen mitfahren dürfen – wie das etwa bei Karnevalsumzügen an der Tagesordnung ist. Das Ordnungsamt stützt sich auf Paragraf 21 der Straßenverkehrsordnung, wonach es grundsätzlich verboten ist, Menschen auf Flächen von größeren Wagen mitzunehmen. Ausnahmen bilden neben politisch motivierten Umzügen Brauchtumsveranstaltungen.

Und darum wird nun gestritten. Das ist es, was der Dürener Schaustellerchef Hans Bert Cremer als haarsträubend bezeichnet. „Wenn dieser Umzug kein Brauchtum ist, dann weiß ich es nicht“, sagt er. Die Annakirmes sei Brauchtum. Der Festumzug sei Bestandteil der Annakirmes, „also auch Brauchtum“. Demnach müsse der Jubiläumszug erlaubt werden. Cremer spricht nun von „Willkür“ und „sturer Bürokratie“.

So weit geht Organisator Helmut Göddertz nicht. Für ihn zählt der geplante Zug aber auch zum Brauchtum. Die Stadt Düren könne für sich in Anspruch nehmen, eine lange Tradition von Festumzügen zu haben. Der Dürener Historiker Dr. Achim Jäger etwa habe zu dem Thema in der Vergangenheit eine umfängliche Dokumentation erarbeitet. Danach hat es in Düren viele Festumzüge gegeben, „man kann als von Brauchtum sprechen“, so Göddertz.

Bürgermeister Paul Larue sieht keine Möglichkeit, die Dinge zu ändern. „Es gibt eine eindeutige Rechtsgrundlage“, sagt er, vor allem ginge es darum, dass die Stadt in der Verantwortung sei. „Was ist, wenn etwas passiert, und es stellt sich heraus, dass wir gegen ein Gesetz verstoßen haben?“ Dieser historische Umzug sei „nicht durch eine Verordnung gedeckt“. Ein Karnevalszug finde jedes Jahr statt, mithin kann von Brauchtum gesprochen werden. Der anlässlich des Kirmes-Geburtstages geplante Festumzug finde nicht regelmäßig statt, kein Brauchtum also.

Erste Konsequenzen sind bereits zu spüren. So haben einige Gruppen ihre Teilnahme am Zug abgesagt. Unter anderem hat die „AG Schnüss“, ein Zusammenschluss Dürener Mundartbands, signalisiert, nicht mehr teilnehmen zu wollen. Auch der Jazz-Club unter Führung von Rolf Delhougne winkt ebenso ab wie zwei Karnevalsgesellschaften. Zudem sollte ein Wagen mit ehemaligen Miss- Annakirmes-Siegerinnen auf die Strecke gehen – auch abgesagt.

„Wir werden nun die Reihenfolge umstellen“, sagt Organisator Helmut Göddertz. Insgesamt haben sich bislang 80 Gruppen mit 1000 Teilnehmern angemeldet. Zirca zehn Wagen mit Menschen darauf hatten sich bislang angemeldet.

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