Düren - Annakirmes: Hier brennen immer alle Lampen

Annakirmes: Hier brennen immer alle Lampen

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Der gruselige Dracula, der sich in einen Wolf verwandelt hat, besteht aus vier Einzelteilen, die mit einem Kran an die Fassade von Rudolf Schützes Geisterbahn gehieft werden. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Plötzlich kehrt Ruhe ein auf dem Annakirmesplatz in Düren. Die Ruhe vor dem Sturm. Es ist Freitag Mittag, hier und da wird zwar noch geputzt und geschrubbt, am Kinder-Autoscooter von Ralf Lentzen pinseln zwei Arbeiter die Umrandung der Fahrbahn in einem fröhlichen Türkis neu an. Aber im Prinzip ist alles fertig. Die Kirmes steht.

Die meisten der 1500 Kirmes-Mitarbeiter gönnen sich ein paar ruhige Stunden. „Der Aufbau war in diesem Jahr viel weniger hektisch als sonst. Es war eigentlich alles ganz entspannt.” Achim Greiff ist zufrieden.

Der Mann ist 45 Jahre alt und hat vor 26 Jahren bei der Stadt Düren seine Ausbildung als Vermessungstechniker angefangen. Damals noch unter Hans Zens als Amtsleiter. „Das war am Annakirmes-Montag”, erinnert sich Greiff.

„Um elf Uhr ging es auf den Kirmesplatz, damit ich die Kollegen kennen lernen konnte.” Heute ist Greiff nach Hans Zens und Max Röntz, der am 1. Juli in Ruhestand gegangen ist, kommissarischer Platzmeister der Annakirmes. Endgültig neu besetzt wird die Stelle erst nach der Kommunalwahl Ende August.

Angefangen hat der Kirmesaufbau an der Aachener Straße schon vor drei Wochen, Familie Kipp mit ihrem Riesenrad war eine der ersten, die in Düren angekommen ist. Aber auch Rudolf Barth mit seinem Fünfer-Looping ist schon verhältnismäßig lange auf dem Platz. 50 Lastwagen waren nötig, um die Schwindel erregende Achterbahn an die Rur zu bringen. 20 Männer waren mit dem Aufbau beschäftigt.

Rudolf Schütze ist da mit seiner Geisterbahn verhältnismäßig schnell fertig. In vier Tagen muss die Bahn stehen, vier Leute haben das Schreckenshaus von Graf Dracula aufgebaut. Schütze: „Eigentlich brauch ich fünf bis sechs Männer für den Aufbau. Aber es wird immer schwieriger, gutes Personal zu finden. Die Leute müssen klettern können, die Arbeit ist schon sehr hart.”

Angst, dass beim Aufbau etwas schief gehen könnte, hat Schütze nicht. „Wenn ich auch nur einen Moment lang hoffen müsste, dass meine Bahn hält, dann dürfte ich sie überhaupt nicht aufbauen. Da muss alles hundert Prozent stimmen, das sind wir dem Kirmesbesucher schuldig.”

Tausende Teile, so Schütze, gehören zu seiner Geisterbahn. Unendlich viele Schrauben, Glühbirnen, Bleche und Schienenteile müssten zusammen gesetzt werden. „Alles wird kontrolliert, da sitzt jeder Handgriff.”

Schütze liebt die Dürener Annakirmes und er kennt sie wie seine Westentasche. „Ich war vor genau 20 Jahren, nämlich 1979, das erste Mal mit meinen Eltern auf dem Kirmesplatz. Da wächst ganz einfach eine Verbindung.” Das besondere am Dürener Rummel? „Dass die Leute sich hier so mit der Kirmes identifizieren. Die Dürener lieben ihren Rummel, das finde ich toll.”

Auch für Peter Loosen aus Aachen, der mit seinem großen Autoscooter eigentlich ständiger Gast auf der Annakirmes ist, ist die Annakirmes etwas ganz Besonderes. „Ja, die Annakirmes ist schon so etwas wie ein Höhepunkt der Saison,” erzählt Loosen. „Ja, das kann man sagen.”

Gründe hat der Schausteller aus der alten Kaiserstadt jede Menge parat: „Die Annakirmes ist für uns genau die Mitte der Saison. Das heißt, die Hälfte haben wir mit diesem Rummel hinter uns.” Das bedeutet für den Autoscooter-Mann, dass an der Rur sein Fahrgeschäft besonders gründlich auf Vordermann gebracht und auf Hochglanz poliert wird. „Hier in Düren”, versichert Loosen, „brennen immer alle Lampen an meinem Geschäft.” Eine Besonderheit an der Annakirmes, sagt auch Loosen, sei die große Anteilnahme der Dürener Bevölkerung.

„Die Leute kommen mehrfach. Und ich kann immer wieder beobachten, wie Herrschaften ein bisschen müde und traurig auf die Kirmes kommen. Und deutlich fröhlicher und beschwingter wieder nach Hause gehen.”

Achim Greiff freut sich auch, dass die Kirmes heute endlich los geht. Die Spannung steigt langsam aber sicher. „Hans Zens ist früher vor der Annakirmes immer nach Heimbach gepilgert, damit alles gut geht. Ich habe eine Kerze in der Annakirche angezündet.”

Die Kirmes steht. Und der Sturm kann kommen!
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