Düren - Angeklagte „plötzlich alle ganz dumm”

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Angeklagte „plötzlich alle ganz dumm”

Von: kin
Letzte Aktualisierung:

Düren. Um einen Sozialversicherungsbetrug in Höhe von knapp 300.000 Euro ist es am Mittwoch vor dem Dürener Schöffengericht gegangen.

Angeklagt waren zwei Männer, die beide in der Türkei geboren sind und in Düren ein Speditions- und Transportunternehmen betrieben haben.

Die beiden 45 und 33 Jahre alten Angeklagten haben mit einer türkischen Firma aus Istanbul einen so genannten Agenturvertrag abgeschlossen.

Das Dürener Unternehmen stellte die Lastwagen, zum Teil bis zu 15 Fahrzeuge, zur Verfügung, aus der Türkei kamen die Fahrer, die sich auch um das Be- und Entladen der Kraftwagen und Formalitäten beim Zoll kümmerten.

Keiner Schuld bewusst

Für die Visa der türkischen Arbeiter war die Istanbuler Firma zuständig, die Fahrerlaubnis wurden beim Straßenverkehrsamt in Düren besorgt. Dass die Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt wurden, ist unstrittig, allerdings sind die Geschäftsführer des Dürener Unternehmens sich keiner Schuld bewusst.

„Wir haben uns auf die Firma in Istanbul verlassen”, so der 33-Jährige, der mittlerweile in Hasselt in Belgien lebt. „Die haben uns versichert, dass alles seine Ordnung hat und andere Firmen in Deutschland nach dem gleichen Modell arbeiten.”

Außerdem, so der Mann weiter, würde das türkische Generalkonsulat in Köln nur dann Jahresvisa, wie die Fahrer sie bekommen hätten, ausstellen, wenn in der Türkei mindestens drei Monate lang Sozialversicherungsbeiträge gezahlt worden seien.

Noch Vieles im Dunkeln

Amtsrichter Hans-Georg Wingen konnte nicht wirklich Licht ins Dunkel bringen. „Wir haben einen Umzugskarton voll mit Beweismittelordnern”, so der Jurist. Und im Übrigen sei es bei diesem Fall genau so wie bei den allermeisten Fällen: „Sie sind alle fix und wissen, wie man Geld verdienen kann. Und wenn Sie dann hier bei mir im Gerichtssaal sitzen, sind Sie plötzlich alle ganz dumm.”

Die Verhandlung wird am übernächsten Freitag, 27. November, 15 Uhr, im Dürener Amtsgericht fortgesetzt.
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