Düren - Altes Munitionsdepot: Ein Spielplatz für Natur und Stadtplaner

Altes Munitionsdepot: Ein Spielplatz für Natur und Stadtplaner

Von: Burkhard Giesen
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Seit dem Jahr 2009 wird das Gelände des ehemaligen Munitionsdepots der Bundeswehr in Gürzenich-Wald nicht mehr genutzt. Wie könnte man diese rund 150 Hektar sinnvoll nutzen? Kann man das Kasernengelände der Natür überlassen? Muss es zurückgebaut werden? Fragen, denen sich Stadtplaner Marcus Steffens gestellt hat. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Rehe kreuzen den Weg, Hasen hoppeln durchs Gelände, man steht mitten im Wald und außer Vogelgezwitscher hört man keine Geräusche. Dabei herrschte in der Dürener Kaserne Gürzenich-Wald, dem ehemaligen Munitionsdepot der Bundeswehr, bis 2009 reger Betrieb. Damals wurde der Standort aufgeben, seitdem erobert die Natur Stück für Stück Teile des 150 Hektar großen Geländes zurück.

Der Frage, ob und wie man das brach liegende Gelände nutzen könnte, hat Marcus Steffens gemeinsam mit Studienkollegin Sylvia Schwanke eine ganze Magisterarbeit gewidmet. Interessant ist das auch deshalb, weil Stadtplaner Steffens inzwischen bei der Dürener Stadtverwaltung beschäftigt ist und die Studienarbeit auch schon im Ausschuss für Stadtentwicklung vorgestellt hat.

Rund 150 Hektar ist das Gelände groß, dass derzeit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verwaltet wird. Warum also sollte die Stadt Düren und die Gemeinde Hürtgenwald, auf deren Gelände sich die frühere Kaserne befindet, die Liegenschaft freiwillig zurücknehmen? Immerhin ist eine weitere Nutzung oder der Rückbau mit Kosten verbunden. Die Antwort von Steffens klingt zunächst simpel: In Zeiten, in denen bundesweit immer mehr Flächen verbraucht würden, sei es gerade für die Stadtplanung wichtig, brach liegende Flächen einer neuen Nutzung zuzuführen.

Steffens sieht aber noch ein weiteres gewichtiges Argument: „Es gibt keine Verpflichtung für den Bund, das Gelände wieder zurück zu bauen.” Ergo drohe im schlimmsten Fall eine Verwahrlosung. Steffens: „Das wollen wir nicht. Unser Interesse muss es sein, diesen Prozess zu steuern.” Das grundsätzliche Ziel formuliert Steffens so: „Langfristig ist die Fläche der Natur zurück zu geben.” Und auch für die Bürger wieder zu öffnen.

Nur in Teilbereichen sei eine Nutzung der vorhandenen Infrastruktur denkbar. Zum Beispiel bei den 66 Bunkern. Hier liefern die Autoren überaus spannende Ideen. So könnten dort zum Beispiel besonders gefährliche Güter (Gefahrgut oder Feuerwerkskörper) oder besonders schützenswerte Güter (zum Beispiel Datenarchive) gelagert werden. Der Nutzung sind aber kaum Grenzen gesetzt: Ob als Holzhackschnitzel-Lager, als Garage für Rennwagen oder Oldtimer, als Proberaum für Musikbands, zur Zucht von Pilzen, als Lager für Käse oder schlicht als Rückzugsraum für Fledermäuse - hier ist nur Kreativität gefragt.

Geld ist damit aber noch nicht unbedingt zu machen. Ein Rückbau der anderen Flächen würde allerdings viel Geld verschlingen. Die sonstigen Gebäude sind zwar nicht unbedingt alle marode, lassen sich aber nur begrenzt nutzen. Steffens: „Es handelt sich zumeist um schlichte Zweckbauten. Da zu investieren lohnt sich nicht. Was man an Geld reinsteckt, kommt nicht mehr zurück.” Deshalb haben Steffens und Schwanke eine andere interessante Idee entwickelt.

Im Kreis Düren herrscht ein zunehmender Mangel an ökologischen Ausgleichsflächen. Kommunen, die zum Beispiel ein neues Baugebiet erschließen, müssen an anderer Stelle für einen Ausgleich sorgen. Das gilt auch für den Investor, der auf der Grünen Wiese einen Supermarkt baut. Nicht zuletzt bedingt durch den Tagebau werden Flächen aber immer knapper. Genau hier setzt Steffens an. „Wir könnten auf diesem Gelände einen Ökopool schaffen und die Flächen auch für andere Kommunen zur Verfügung stellen. Damit würden neue Ausgleichsflächen geschont und gingen nicht für die Landwirtschaft verloren.”

Interessant ist dieser Ansatz auch deshalb, weil Steffens glaubt, dass damit auch ein Rückbau der Kasernenanlage finanzierbar wäre. Steffens: „Bisher gibt es bei der Stadt Düren einen Konsens über die planerische Grundausrichtung aber noch keinen Beschluss, das Gelände zu übernehmen.” Das auch deshalb, weil die Gespräche mit der BIMA eher schleppend verlaufen. Die Natur stört das wenig, sie erobert sich das Gelände von selbst zurück.
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