Düren - Alter schützt vor großen Sprüngen nicht

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Alter schützt vor großen Sprüngen nicht

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Josef Kurth bei den Westdeutschen Senioren Hallenmeisterschaften in Düsseldorf Mitte Januar. Foto: W. Birkenstock

Düren. Was wäre gewesen, wenn? Die Frage hat sich Josef Kurth schon oft gestellt. Was wäre gewesen, wenn die Sportmedizin Ende der 60er Jahre besser gewesen wäre? Möglicherweise hätte es der Dürener dann zu einer Olympischen Karriere im Hochsprung gebracht.

„Ich hatte damals ein Patellaspitzensyndrom. Das hat niemand erkannt. Deswegen habe ich meine Hochsprung-Karriere beendet”, blickt der heute 60-Jährige auf eine bewegte Sportler-Laufbahn zurück, die schon vorbei war, bevor sie richtig angefangen hatte. Das war 1968. Josef Kurth, den Freunde und Verwandte eigentlich nur unter dem Namen Sepp oder Seppl kennen, überquerte in seinem ersten Senioren-Jahr die Höhe von 2,03 Metern. Zum Vergleich: Thomas Zacharias, der heute noch zu Kurths großen Vorbildern zählt und zwei Jähre älter ist, schied 1968 als 13. mit übersprungenen 2,09 Metern aus dem Olympischen Wettkampf aus. Genau bei dem Wettkampf, der den Hochsprung revolutionieren sollte: Olympiasieger wurde der US-Amerikaner Dick Fosbury, der als erster Spitzenspringer mit Rückenlage über die Latte sprang (Flop). Und Kurth, der damals bei Düren 99 von Willi Trocha betreut wurde, beendete seine Karriere.

„Das ist schon schade”, sagt der Mann, der heute als Rechtsanwalt und Berater arbeitet, über seine verhinderte Laufbahn. „Ich ärgere mich manchmal schon noch, dass ich mein Potenzial nicht ausspringen konnte.”

Schlaflose Nächte hat der 60-Jährige deswegen trotzdem nicht. Das Sportleben ging mit einer neuen Leidenschaft weiter. Denn die Verletzung hatte sich einige Jahre später als nicht so schwerwiegend herausgestellt.

So konnte Kurth einen Teil Dürener Sportgeschichte mitschreiben. Er gehörte dem Handball-Team der 99er an, das es bis in die Regionalliga gebracht hat. Kurths Sprungkraft hat ihn für Torwürfe aus dem Hinterfeld prädestiniert. „Das war eine tolle Zeit”, erinnert er sich an die großen Jahre des Handballs in Düren.

Vor einigen Jahren hat das ehemalige Hochsprung-Talent dann eine andere Sportart für sich entdeckt. „Ich habe schon immer eine Affinität zum Volleyball gehabt”, blickt Kurth zurück. Die brach endgültig durch, als die Senioren des DTV ihn 2004 ansprachen, bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Kanada mitzuspielen. Kurth hat sich damals mit Krafttraining auf die Wettkämpfe vorbereitet. Das bedeutete gleichzeitig den ersten Schritt zurück zu seiner alten, großen Leidenschaft. „Ich habe mir irgendwann gedacht: Wenn du wieder ernsthaft Krafttraining machen kannst, kannst du auch wieder zum Hochsprung.” Seit 2008 nimmt der Dürener regelmäßig an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil. Im selben Jahr wurde er Zweiter in der Alterklasse Herren 55. Im vergangenen Jahr bestätigte er das Ergebnis bei den Herren 60.

Mittlerweile ist er bei einer Höhe von 1,65 Metern angekommen. „Es gibt eine Umrechnungstabelle, die besagt, dass 1,65 Meter in meinem Alter 2,24 Meter bei einem Sportler in den besten Jahren bedeuten”, sagt Josef Kurth und winkt ab. Nicht aus Enttäuschung über die verpasste Karriere. „Ich bin sehr zufrieden damit, wie sich die Dinge entwickelt haben.” Vor allem, da sich der 60-Jährige weiterhin ehrgeizige Ziele setzen kann. Im Sommer will er wieder bei der deutschen Meisterschaft und der Europameisterschaft antreten. Da wird er wahrscheinlich auf sein Vorbild Thomas Zacharias treffen. Der springt im Moment drei Zentimeter höher. Noch. „Ich muss Ziele haben”, sagt Kurth und lächelt dabei entspannt.
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