Düren - Als Politess unterwegs: Immun gegen blöde Sprüche

Als Politess unterwegs: Immun gegen blöde Sprüche

Von: Maria Pakura
Letzte Aktualisierung:
24-polibu
Ticket oder Knöllchen - die Autofahrer in Düren haben die Wahl. Dietmar Kettner kontrolliert, ob die Autofahrer sich richtig entschieden haben - und drück dabei gerne schon einmal ein Auge zu. Foto: Maria Pakura

Düren. Gegen blöde Sprüche ist Dietmar Kettner längst immun. So oft, wie er sich Geschimpfe und manchmal sogar wüste Hasstiraden anhören muss, „geht das in ein Ohr rein und zum anderen wieder raus”, wie er schmunzelnd sagt.

Nur wenn´s allzu heftig wird, wenn sein Gegenüber ihm ernsthaft droht oder gar tätlich angreift, verzichtet der sympathische 58-Jährige nicht auf eine Anzeige. Das kommt nicht hochfrequent vor, aber in den mittlerweile 13 Jahren, die Kettner nun in seinem Beruf tätig ist, waren es doch schon einige Male, die er vor Gericht aussagen musste.

Gegen uneinsichtige Autofahrer, denn die sehen in ihm und seinen Kollegen ihren größten Feind: Dietmar Kettner ist „männliche Überwachungskraft des ruhenden Straßenverkehrs”, wie die korrekte Bezeichnung lautet. Die männliche Version einer Politesse also.

„Manche Leute behaupten, das hieße dann Politess”, sagt er, ist sich aber nicht sicher, ob das stimmt. Sicher ist dagegen, dass Kettner und Kollegen sich am frühen Nachmittag nach 14 Uhr auf ihrer zweiten großen Runde durch die Stadt befinden, um zu kontrollieren, ob der Verkehr so ruht, wie er soll.

Wie auch immer man ihn nennt: Wenn er - meist gemeinsam mit einem Kollegen unterwegs - mitsamt Gerätschaft um die Ecke kommt und beginnt, in der jeweiligen Dürener Straße mit scharfem Auge durch die Windschutzzscheiben zu spähen, ob ein Parkzettel vorhanden und noch nicht abgelaufen ist, bricht so manchem Autohalter der Schweiß aus. Oder auch nicht. „Es gibt auch Leute, die sagen, sie ziehen konsequent keinen Schein, denn: Wenn sie ein paar Mal nicht erwischt werden und dann eben mal doch, würde sich das immer noch rechnen”, weiß Kettner. Davon hält er nichts. Er ist ganz sicher kein verbissener Prinzipienreiter, aber wenn sich jemand stur und dreist seine eigenen Regeln macht, dann zögert er nicht, „Knöllchen” auszustellen.

Dagegen drückt er bei Autos, in denen er einen Parkschein findet, der gerade ein oder zwei Minuten abgelaufen ist, gern ein Auge zu und geht erstmal weiter. „Wenn ich dann aber eine halbe Stunde später wieder vorbei kommt, und es ist alles unverändert, gibt´s natürlich ein Bußgeld”, gibt er zu bedenken. Das ist schließlich der Job des Familienvaters. „Aber natürlich will ich, dass ich den Leuten auch nach Feierabend noch in die Augen sehen kann”, sagt er, daher lasse er bei guter Kooperation seines Gegenübers auch schonmal mit sich reden. Eine Frau, die in der nachmittäglichen Hitze um kurz nach halb drei Uhr „nur mal eben schnell” etwas aus der Apotheke holen wollte und ihren Wagen im absoluten Halteverbot stehen gelassen hat, verhält sich offenbar ganz richtig. Sie entschuldigt sich, als sie zum Auto zurückkehrt und Kettner bereits mit vorwurfsvollem Blick daneben steht, erläutert, sie habe nicht gewusst, dass dort jetzt absolutes Halteverbot sei, denn bislang wäre es nur eingeschränktes gewesen. Und sie würde es nie wieder tun.

Die Einsicht wirkt, zumal die Frau die Wahrheit sagt und erst kürzlich neue Schilder montiert wurden: Kettner zückt zwar seinen gefürchteten Apparat, aber es wird nur ein Bußgeld wegen Haltens, nicht wegen Parkens. Das macht einen Unterschied von stolzen 15 Euro aus. Die Frau ist glücklich, Kettner auch, denn er hat seine Pflicht getan, aber keine unnötige Härte gezeigt. Das sei seine Philosophie, und auch die von vielen seiner Kollegen.

Und die sind in Düren tatsächlich überwiegend männlich. Das kommt nicht von ungefähr, denn der Beruf birgt mitunter Risiken: „Die Leute werden immer aggressiver, die Aggressivität hat stark zugenommen”, weiß Kettner. Dass ein Autofahrer einer Überwachungskraft in die Beine fährt und dann türmt, ist zwar ein rarer Einzelfall, aber durchaus Realität. „Natürlich fragt meine Frau schonmal, ob das nicht gefährlich ist”, antwortet er auf die Frage, ob seine Familie sich nicht Sorgen um ihn macht.

Aber, so erzählt er, er trenne Berufliches und Privates strikt, würde nur sehr selten überhaupt von seinem Berufsalltag erzählen. Schade eigentlich, denn dann erfährt seine Gattin auch nichts von den vielen Menschen, die Kettner auf seinem Weg freundlich grüßen oder ihm sogar von der anderen Straßenseite lächelnd zuwinken. Die Beliebtheit ist eine positive Überraschung, hat indes einen guten Grund: „Wenn ich helfen kann, dann tue ich das auch”, verkündet der „Politess” voller Überzeugung.

So hat er beispielsweise immer ein Portemonnaie mit Kleingeld dabei, damit er Menschen in Münz-Nöten die Scheine wechseln kann. Das gehört nicht zu seinen Pflichten, das hat er sich selbst zur Aufgabe gemacht. Ebenso erklärt er gern geduldig den Weg und war sogar schon mal zwei jungen Damen beim Reifenwechsel behilflich. „Ich versuche halt, das Beste aus der Sache zu machen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert