Düren - Aikido: „Das Geheimnis liegt darin, wie du deinen Geist bewegst”

Aikido: „Das Geheimnis liegt darin, wie du deinen Geist bewegst”

Von: sas
Letzte Aktualisierung:
In ein Loch fallen lassen: Abt
In ein Loch fallen lassen: Abteilungsleiter Jörg Hamel zeigt seinen Schülern, wie man den Angreifer zur Ruhe kommen lassen Foto: Sarah Schmitz

Düren. Kein Gegner, kein Kampf. Im ersten Augenblick mag dies für Laien seltsam anmuten, vor allem da man Aikido geläufigerweise dem japanischen Kampfsport Judo zuordnen würde. Völlig falsch ist es nicht. Einen Angreifer und einen Verteidiger gibt es durchaus. Doch hinter den japanischen Schriftzeichen Ai Ki Do verbirgt sich kein „wildes Gerangel”, sondern eine Kunst, eine Kampfsportkunst.

Ai, die Harmonie, Ki, die Lebensenergie, und Do, der Weg, verkörpern dabei eine reine Verteidigungstechnik, bei der man den Angreifer „in eine Art Loch fallen lässt”, in dem dieser wieder zur Ruhe kommen kann. Dabei ist nicht das Gewinnen das höchste Ziel, sondern das „Nicht verlieren”. Man nutzt insofern die Energie des aggressiven Gegenübers aus, um diesen mit wenig Kraft auszuschalten. Aikido gilt daher als homöopathisches Mittel gegen Gewalt. Dies weiß auch Jörg Hamel, 4. Dan im Aikido. Vor rund 20 Jahren gründete er mit Unterstützung des 1. JC Dürens die Aikido-Abteilung. Das Training begonnen habe er mit nur wenigen, da viele Menschen kaum eine Vorstellung von dieser Kampfkunst haben.

Inzwischen konnte er einen festen Stamm an Mitgliedern, eine Kindergruppe ab acht Jahren und eine Jugendgruppe ab 14 Jahren aufbauen, die im Dojo, dem Übungszentrum unter dem Hallenbad Jesuitenhof, trainieren. Eigentlich wäre eine Alterstrennung kaum notwendig gewesen. Denn Aikido könne man, so Hamel, bis ins hohe Alter ausüben.

Schließlich stimmen sich die Partner ab, nehmen Rücksicht auf die Fähigkeiten des anderen. Es sei daher nicht ungewöhnlich, dass ein 70-Jähriger Trainingsteilnehmer mit einem 24-Jährigen übt. Die Wahl der Technik spielt dabei ähnlich wie im Tanz eine entscheidende Rolle. „Ich muss wissen, wie mein Zeh reagiert, wenn ich mit dem Finger eine Bewegung ausführe”, erklärt Jörg Hamel seinen jungen und alten Schülern. Denn an jeder noch so kleinen Bewegung ist der ganze Körper beteiligt. Umso wichtiger ist beim Aikido daher die Vielfalt der Techniken. Schnelligkeit und Perfektion beim „Katate-tori”, „kokyu-nage” und „kote-gaeshi” spielen erst später eine Rolle. Hektische Angriffe sind vollkommen fehlplatziert. Doch gerade diese Stresslosigkeit begeistert die meisten Aktiven.

Bastian Küppers hat bereits mit elf Jahren das Training im Dürener Dojo begonnen. „Mich begeistert es, dass man ohne Druck üben kann, seinen eigenen Körper einzuschätzen.”, so der 24-Jährige. Motivationsstütze ist dabei stets der „nette Haufen” an Trainingsteilnehmern. Zum 20-jährigen Jubiläum der Abteilung besuchen viele Gastvereine aus ganz NRW die angebotenen Lehrgänge. Mit dabei ist die 16-Jährige Anne Vorrenhagen aus Oberkassel. Sie ist seit fünf Jahren begeisterte Aikidoka. „In der Schule bin ich damals auf Aikido aufmerksam geworden, weil in unserer Turnhalle trainiert wurde”, erinnert sie sich. Bemerkenswert ist dabei, dass sie während des Trainings, welches neben dem Trainer auch ein freiberuflicher Künstler durchführt, abschalten und zur Ruhe kommen kann. Manchmal sei ihr Adrenalin sogar so hoch, dass sie erst nach Trainingsschluss die Anstrengung bemerke.

Aikido gilt als eine der kommunikativsten Sportarten. „Die beiden Partner wirken wie zwei Vektoren, die ihre Energie in dieselbe Richtung addieren und so den Sport harmonisieren”, erläutert Jörg Hamel. Dies trage maßgeblich zur Persönlichkeitsentwicklung bei, weshalb Aikido oftmals als Therapie eingesetzt werde. „Das Geheimnis von Aikido liegt nicht darin, wie du deine Füße bewegst, sondern wie du deinen Geist bewegst”, so Morihei Ueshiba, Begründer dieser modernen Kampfkunst. Als Zeichen der Gewaltlosigkeit, welche er zeitlebens unterrichtete, findet sein Portrait noch heute in jedem Dojo einen Platz. Seit zwanzig Jahren nun auch in Düren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert