Kreis Düren - Äste ab, auch wenn es in der Seele weh tut

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Äste ab, auch wenn es in der Seele weh tut

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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„Einen Obstbaum nicht zu beschneiden ist auf jeden Fall schlechter, als ihn falsch zu beschneiden“, sagt Dr. Karl-Wilhelm Zens, Obstbaum-Experte. Foto: stock/Horst Rudel

Kreis Düren. „Wenn ich das mit unseren Obstbäumen mache, dann bekomme ich von meiner Frau eine Woche lang nix mehr zu essen“, haben die Männer früher in den Obstbaum-Schnittkursen von Dr. Karl-Wilhelm Zens gescherzt. Aber auch wenn es dem Baumbesitzer in der Seele weh tue. „Gerade in den ersten Jahren muss am Kronenaufbau der Bäume gearbeitet werden“, betont Zens.

Und das bedeute nunmal auch, dass nach dem Pflanzen bis auf die Mitte des Baumes und drei bis vier Leitästen, die im 45-Grad-Winkel zur Baummitte stehen sollen, nichts stehen bleiben dürfe. Und von diesen Leitästen sollte man in den ersten Jahren im Frühjahr die Hälfte wegnehmen.

Ein irritiertes „Oh“ begegnet Karl-Wilhelm Zens oftmals, wenn er einen Baum fachmännisch beschnitten hat. „Ich weiß, wie sehr sich die Leute über schöne Äste freuen. Aber wer seinem Baum etwas Gutes tun möchte und später eine kräftige Krone haben will, der nimmt in den ersten Jahren besser die Ast-Schere zur Hand“, betont Zens.

Der Fachmann gibt regelmäßig Schnittkurse für die Biologische Station im Kreis Düren. Bäume sind seine Leidenschaft. Schon sein Großvater hat sich mit der Materie ausgekannt. Als im Zuge der Industrialisierung die Bevölkerung rasch anwuchs, spielten Obstbäume in der Ernährung eine wichtige Rolle. In der Landwirtschaftsschule war das Erlernen des Obstbaumschnittes Pflicht.

Im späteren Verlauf des vergangenen Jahrhunderts sind viele Obstbaumwiesen nicht mehr so gut umsorgt gewesen. „Als Kinder haben mein Bruder und ich den Opa begleitet, aber dann haben wir nur Unsinn gemacht.“ Als der Großvater starb, kümmerte sich eine Weile niemand recht um die Bäume. Als Jugendliche nahmen Karl-Wilhelm Zens und sein Bruder die alte Fachliteratur zur Hand und machten sich an die Arbeit.

„Die Krone eines Obstbaums sollte einer Pyramide ähneln. Oben spitz und unten breit. Außerdem sollten die Äste nicht zu dicht sein“, erklärt Zens. So können Sonne und Wind den Baum früh am Tage „abtrocknen“. Das ist wichtig, damit sich Krankheiten wie Pilzbefall, Schorf oder Baumkrebs gar nicht erst entwickeln. „Und die sogenannten Schattenfrüchte sind einfach nicht so lecker“, weiß der Experte.

Wer vor allem auf eine baldige Ernte aus ist, dem empfiehlt Zens, Büsche, Spindelobstbäumen oder Halbstämme zu pflanzen. „Natürlich können Sie auch bei einem Hochstamm nach wenigen Jahren ernten, wenn Sie ihn nicht beschneiden“, weiß Zens. Aber im Leben eines Hochstammes komme es nicht auf die Jahre an, und die Arbeit und das Warten würden sich lohnen.

Aber nicht nur die Krone braucht einen Schnitt. „Wenn Sie Bäume pflanzen, sollten Sie auch die Wurzel beschneiden.“ Wie bitte? Die Wurzeln? Irritation ist das Ergebnis, wenn Karl-Wilhelm Zens diesen Satz in seinen Kursen sagt. Weil er jeglicher Intuition widerspricht. „Aber wenn Sie die Wurzeln bis zum weißen Inneren beschneiden, bilden sich dort viele Haarwurzeln und die sind sehr wichtig für die Versorgung“, erklärt der Experte. Wurzeln, die beim Transport verletzt wurden, seien anfällig für Fäulnis. Übrigens sei jetzt noch eine gute Zeit, um Obstbäume zu pflanzen.

Ein guter Zeitpunkt, um die Bäume zu beschneiden, ist März/April, wenn es nicht mehr friert. „Außerdem treibt der Frühjahrsschnitt das Wachstum an“, erklärt Zens. Im Sommer sei es dann wichtig, den Baum auszulichten – bei alten wie bei jungen Bäumen. „Und bei den älteren Bäumen können Sie dann auch gut sehen, an welchen Stellen Totholz aus dem Baum entfernt werden kann.“ Und im Herbst heißt es dann: Ernten und Kuchen backen.

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