Abstruses und Absurdes aus der Juristerei

Von: Hannes Schnitz
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Gute Unterhaltung mit Gesetzestexten: Werner Koczwara bei seinem Gastspiel im Komm. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Die Schöpfungsgeschichte wurde im ausverkauften „Komm“ neu geschrieben. „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“, verkündete Werner Koczwara bei seinem Einzelgastspiel im Rahmen der „SWD-KOMMedy-Abende“.

Und dann startete der schwäbische Schnellredner einen Parforceritt durch den Paragrafendschungel, förderte Abstruses und Absurdes aus dem Juristenalltag zu Tage, knöpfte sich Gesetzestexte gnadenlos vor. Er ließ wenig Respekt vor den Robenträgern erkennen und traf sicherlich die Erfahrung so mancher im Saal mit: „Es gibt Termiten und Rechtsanwälte. Egal, welche Spezies einen befällt, hinterher ist das halbe Haus weg.“

Sein Auftritt war ein pointenreiches Plädoyer für oder gegen den Berufsstand, voller tiefschwarzer Seitenhiebe gegen die Juristensprache, die beinamputierte Menschen mit dem Wortungetüm „Ohnbeinern“ bezeichnet.

Feine Ironie durchzog seinen Vortrag, der sich zu Spott und Sarkasmus steigerte, um dann wieder in einen brillanten Satire-Abend über ein scheinbar trockenes Thema wie die Juristerei zu münden. Sein Blick fiel auf die Vielzahl von Gesetzen, die er „Bedienungsanleitungen für den Rechtsstaat“ nannte und die – wie alle Bedienungsanleitungen – unverständlich für Laien wären. Er witzelte über das meistverkaufte deutsche Buch, das Bürgerliche Gesetzbuch, das sich von einem anderen auflagenstarken Buch der Bibel darin unterscheide, das Letztgenannte ins Deutsche übersetzt wurde. Er verglich das BGB mit verschlüsseltem Pay-TV und folgerte daraus in satirischer Beweisführung: „Der Anwalt ist der Decoder“.

Das Publikum erfuhr durch den schwarz humorigen Spötter: „Wir leben in einem Land, in dem Gesetze gelten, auf die normale Völker gar nicht kommen würden.“ Koczwara sprach von „verrückt geworden Grenzsteinen“, erklärte das „Rüttelgesetz für Grabsteine“, die Eheschließung bei Bewusstlosigkeit (§ 1314 BGB) sowie das vorschriftsmäßige Anbringen von Warndreiecken bei Trauer-Prozessionen (§ 27 StVO) und recht eigenwillig eine Sprechstunde beim Arzt: „Fünfzig Minuten gewartet und zehn Minuten gewartet werden.“

Aber nicht nur die verzwickte der Welt der Paragrafen hatten es dem juristischen Sprachdeuter angetan, besonders gerne suhlte er sich in manchen Urteilen wie der Entscheidung eines österreichischen Bezirksgericht: „Der Schnee auf dem Autodach gehört dem Fahrzeughalter.“ Und er schätzte juristische Logik: „Stirbt ein Beamter während einer Dienstreise, so ist die Dienstreise beendet“ (Reisekostenrecht des Landes Niedersachsen) oder „Als U-Bahnen gelten auch Straßenbahnen, die nicht Seilbahnen sind“ (§ 4 Personenbeförderungsgesetz).

Besonders angetan hatte es dem Buchautor aber ein Ereignis aus Großbritannien. Dort habe ein Ehepaar sein Auto „versehentlich auf einer Fähre geparkt“, erzählte der Schwabe. „Zwei Stunden später hat das Paar dann der Polizei den Diebstahl des Parkhauses gemeldet.“

Positionen im Einzelbett

Aber er lobte auch die Schlagfertigkeit eines Richters aus Mönchengladbach, als es um eine Klage wegen eines „Reisemangels“ ging. Der Kläger sah sich am Urlaubsort an befriedigender Beischlaf-Ausübung gehindert, weil im Zimmer statt des gebuchten Doppelbetts zwei Einzelbetten standen, die immer wieder auf glattem Fußboden wegrutschten.

Der Richter stellte fest, dass dem Gericht Positionen bekannt seien, die auch in Einzelbetten zum Erfolg führten. Zum anderen hätte der Kläger seinen Hosengürtel dazu verwenden können, die beiden Betten miteinander zu verbinden, da dieser in solchen Momenten nicht benötigt würde.

Ein Abend, der Vergnügen bereitet mit einem Kabarettisten, der schon für Shows wie „Verstehen Sie Spaß“ und die Harald-Schmidt-Show als Chefautor tätig war. Und einen Tipp fürs Publikum hatte er auch angesichts der Schwere der Gesetzesbücher, die der Jurist ständig tragen müsse: „Je länger die Arme, desto würdiger der Jurist.“

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