Aachens Römer-Reste kommen alle nach Düren

Von: Margret Vallot
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Die römischen Fundstücke wandern vorerst alle nach Düren, wo sie von Archäologen aufbereitet werden. Foto: Margret Vallot

Düren. Bei den archäologischen Funden, die in den letzten Wochen mitten in Aachen gemacht wurden, spricht die Fachwelt von „Sensationen”. Maßgeblich beteiligt an der Freilegung der „Sensationen” sind, wie könnte es anders sein: Dürener.

Nach Lendersdorf wird jede Fundsache, jede noch so kleine Scherbe gebracht, die in Aachen aus dem Erdreich gekratzt wird.

Gut 50.000 Fundstücke allein aus Aachen stapeln sich in Tüten und Kisten in der alten Fabrik, die der Dürener Archäologe Frank Goldschmidt angemietet hat.

35 Mitarbeiter beschäftigt seine Firma. Und die kümmern sich nicht nur um die derzeit prominenteste Grabung (Aachen), sondern sind beispielsweise auch in Kaarst, in Siersdorf/Aldenhoven und demnächst in Birgel und Gey aktiv.

In Kaarst fand das Team Hinweise auf Römer und auf eisenzeitliche Gehöfte, in Siersdorf geht es um die Reste einer römischen Straße, die von Köln über Heerlen an die Nordsee führte und damals so bedeutend war wie heute die A4.

In der 300 Quadratmeter großen Halle in Lendersdorf werden die Fundstücke gewaschen, mit heißer Luft getrocknet, jedes Teil bekommt eine Beschriftung, einen Zahlencode, über den es für alle Zeiten identifizierbar ist.

Dann werden die Funde bestimmt: Stammt die Scherbe/Kanne/Säule aus dem Mittelalter oder aus dem 2. Jahrhundert vor Christus? Nach dem Sortieren und Zählen werden die Stücke in eine Datenbank eingetragen.

Wer denkt, die Archäologie sei eine brotlose Kunst, der irrt. 1995 hat Frank Goldschmidt in Köln sein Examen in Ur- und Frühgeschichte gemacht, danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni gearbeitet und sich 1998 selbstständig gemacht.

„Die Auftragslage ist gut”, freut sich sein Mitarbeiter, der Archäologe Hans Glasmacher aus Langerwehe. Von Wirtschaftskrise gebe es keine Spur, bestätigt auch Frank Goldschmidt.

Auftraggeber sind außer Privatleuten die Städte, Gemeinden, das Land NRW oder z. B. Wasserverbände. In NRW gilt Denkmalschutzgesetz: Wer immer in die Tiefe gehen will, muss dafür sorgen, das Bodendenkmäler geschützt oder ausgegraben werden. Den Bauherren steht es frei, wen sie mit Ausgrabungen betrauen.

Über Aachen weiß man neuerdings, dass die Römer die Stadt einst systematisch ausgebaut haben. Es gab große Bauten mit Säulen. Ende diesen Monats wird man in Aachen fertig sein. Bis dahin werden noch Keramikfunde sorgfältig gewaschen, so dass man z. B. Schmauchspuren, die auf ein offenes Feuer schließen lassen, nicht vernichtet. Holzfunde werden in Wasser gelegt, Lederfunde kommen in den Kühlschrank, Münzen aus Bronze fixiert der Restaurator.

„In der Geschichte schlummern Antworten auf Fragen, die sich uns heute stellen”, sagt Goldschmidt. Und sein Kollege nennt als Beispiel die Heizungen der Römer, „die effektiver arbeiteten als unsere heutigen Heizungen heute”.
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