90 Minuten zu unbequemen Denkmälern

Von: Hendrik Buch
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Gebannt folgen die Teilnehmer den Worten Ludger Dowes zu Dürens ‚unbequemen‘ Denkmälern. Foto: Buch

Düren. Geht man mit wachen Augen durch Dürens Innenstadt, gibt es einige Stellen, an denen die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachgehalten wird. Ob es die zahlreichen Stolpersteine sind, die auf den Gehwegen vor den Häusern an die Opfer der Nazi-Zeit erinnern, die dort einmal ihre Heimat hatten, ob es die zehn Stelen von Ulrich Rückriem sind oder aber der Flammenengel am Rathaus.

Alle Denkmäler sollen zum „Erinnern und Wachbleiben“ in Düren beitragen. Sie erzählen aber auch ihre eigenen Geschichten, waren nicht immer unumstritten und sind es bis heute nicht.

Ein spannendes Thema, welches die Geschichtswerkstatt und das Stadtmuseum anlässlich des diesjährigen „Tags des offenen Denkmals“ innerhalb einer Stadtführung aufgriffen haben. Ludger Dowe erzählte auf dem Stadtrundgang „Rückriem – Wamper - Deming“ die Geschichte von Dürens NS-Denkmäler.

Der Rundgang zu den unbequemen Denkmälern startete an der Rückriem-Stele am Amtsgericht. Dort erfuhren die Teilnehmer von der lebhaften Debatte rund um die Errichtung der Stelen Ende der 80er Jahre.

Vor allem die Idee des dezentralen Denkmales an zehn Stellen und das puristische künstlerische Konzept Rückriems sorgen bis heute für geteilte Meinungen über diese Art der Erinnerung, bei dem jede Stele an einen verschiedenen Aspekt des NS-Unrechtsregimes erinnert. Die Debatte über eine Beschriftung der Stelen dauert bis heute an. Ulrich Rückriem selbst sprach sich dagegen aus, mit Rücksicht auf den Künstler ist es bisher nur zu einer sehr dezenten Infotafel gekommen.

Weiter ging es durch die Innenstadt, vorbei an einigen der über 60 Stolpersteinen im Dürener Stadtgebiet. Lebhaft berichtete Dowe über die Geschichte der Menschen hinter den Namen, berichtete über Besuche von Hinterbliebenen und Reaktionen der Anwohner. Während die Stolpersteine weitgehend auf positive Resonanz stießen, erfuhr der „Flammenengel“ vor allem aufgrund seines Schöpfers Adolf Wamper eine lebhafte Debatte. Mittlerweile informiert eine Plakette über Wampers NS-Vergangenheit und erinnert daran, dass vor allem die Nazi-Politik zur Bombardierung der Stadt geführt hatte.

Der Rundgang endete an der Rückriem-Stele an der Schützenstraße gegenüber dem Platz, an dem bis zur Reichspogromnacht 1938 die Synagoge gestanden hatte.

Mit einigen Berichten über die jüdische Gemeinde in Düren bis zur Verfolgung beendete Dowe den informativen, anderthalbstündigen Rundgang.

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