Düren - 550 Menschen folgen dem Aufruf der Gewerkschaften

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550 Menschen folgen dem Aufruf der Gewerkschaften

Von: Andreas Bongartz
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„Das ist das Mindeste”: Paul Zimmermann, Karl Panitz und Dagmar Becker (von links) diskutierten bei der traditionellen Maikundgebung des DGB über faire Löhne, gute Arbeit und soziale Sicherheit. Foto: A.Bongartz

Düren. . Wenn es um faire Löhne, gute Arbeit und soziale Sicherheit geht, hat der DGB in Zeiten der Wirtschaftskrise dicke Bretter zu bohren. Zu seiner traditionellen Maikundgebung sah sich der örtliche Gewerkschaftsbund jetzt zudem mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert, fiel der Tag der Arbeit doch in diesem Jahr auf einen Sonntag, den weißen Sonntag, um genau zu sein, der darüber hinaus auch noch letzter Ferientag in der Region war.

Man könnte also meinen, dass die Teilnahme an der Maiveranstaltung unter diesen erschwerten Bedingungen geringer als sonst ausfällt. Doch weit gefehlt, die Beteiligung an Demo und Kundgebung spielte sich in diesem Jahr wieder in der üblichen Größenordnung ab, wie Gewerkschaftssekretär Karl Panitz betonte.

Es ging ja auch um das Mindeste - eben Löhne, die den Menschen ein Leben über dem Existenzminimum sichern, Jobs jenseits prekärer Beschäftigungsverhältnisse und soziale Sicherheit im Rentenalter. Dafür lohnt es sich doch auf die Straße zu gehen.

Leider, so Panitz, würden dies allerdings nicht viele der Betroffenen tun: „Viele haben das Gefühl, dass sie selbst für ihre Lage verantwortlich sind und nicht die gesellschaftlichen Bedingungen. Für ihre eigene Verbesserung gehen diese Leute nicht auf die Straße.”

Dennoch lässt sich die Teilnehmerzahl sehen: So zogen gegen 10 Uhr rund 450 Demonstranten unter dem Motto „Das ist das Mindeste” von der Kuhgasse aus durch die Stadt, lautstark unterstützt von der Trommelgruppe „Manos Rapidos”. Am Ziel des Umzugs, dem Willy-Brandt-Park wuchs die Kundgebung noch einmal um gut weitere 100 Teilnehmer an.

Zusammen mit Paul Zimmermann, dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall Düren, und Dagmar Becker, der Geschäftsführerin der regionalen Armutskonferenz für den Kreis Düren, kritisierte Panitz in einer kleinen Gesprächsrunde die Auswirkungen von Minijobs, Leiharbeit und befristeten Arbeitsverhältnissen. „Ein normales Arbeitsverhältnis, unbefristet und sozialversichert, ist heutzutage die Ausnahme”, so Panitz. Minijobs und Leiharbeit hätten sich zu einem neuen System entwickelt, freie Arbeitsplätze zu besetzen.

Eine Situation die Paul Zimmermann in vielen Betrieben beobachtet hat. „Das ist eine ungesunde Entwicklung in den Betrieben”, meinte Zimmermann. Betroffen seien davon aber nicht nur die Arbeitnehmer, ebenso die Betriebe selbst: „Mit Menschen, die nicht wissen, ob sie morgen noch da sind, ist es schwierig ,Betriebe zukunftsfest zu machen.” Um diesen Entwicklungen Herr zu werden, forderte Zimmermann veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen.

Angeprangert wurde im Willy-Brandt-Park ebenfalls die Rente mit 67. Karl Panitz sieht die Anhebung der Regelaltersgrenze vor dem Hintergrund einer Rentenkürzung, während Zimmermann die neue politische Maßgabe völlig an der betrieblichen Praxis vorbei laufen sieht: „Ältere Beschäftigungsverhältnisse haben nicht zugenommen, wie es die Regierung behauptet.”

Am Existenzminimum

Auch Dagmar Becker sieht die Rente mit 67 problematisch, Altersarmut sei bereits jetzt ein großes Thema: „Die armen Rentner von heute sind die verdeckten Armen. Wir wissen, dass viele, viele Menschen am Existenzminimum leben und sich schämen, an die Öffentlichkeit zu gehen.” Für den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften gibt es also weiterhin dicke Bretter zu bohren.
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