Düren - 33 Kündigungen im Reflex-Werk und dennoch große Zuversicht

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33 Kündigungen im Reflex-Werk und dennoch große Zuversicht

Von: Burkhard Giesen
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Ein Drittel der Belegschaft muss gehen. So will man künftig im Reflex-Werk wieder schwarze Zahlen schreiben können. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Die Gefühlslage bei Dr. Mark Boddenberg klingt eher gemischt. Boddenberg ist seit einer Woche bestellter Insolvenzverwalter für das verschuldete Dürener Unternehmen Reflex Premium Paper AG und hat zügig den Gesundschrumpfungsprozess angestoßen. Von 99 Beschäftigten müssen 33 Mitarbeiter gehen, drei Beschäftigte hatten selbst gekündigt.

„Das war ein unerfreulicher Tag, weil ich viele langjährige und zum Teil auch sehr hoch qualifizierte Mitarbeiter entlassen musste“, erklärt Boddenberg. Vorgegangen ist er in Abstimmung mit dem Betriebsrat „streng nach den Kriterien der Sozialauswahl“. Für die jungen Mitarbeiter, die dem Unternehmen noch nicht so lange angehört haben, sieht Boddenberg allerdings gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt: „Die sind hoch qualifiziert. Die haben eine gute Chance.“

Boddenberg hat zudem eine Abfindung ausgehandelt, die allerdings erst dann gezahlt werden kann, wenn das Insolvenzverfahren beendet ist. Die Summen dürften sich im Schnitt aber nur knapp unter dem fünfstelligen Bereich bewegen; anvisiert werden 2,5 Monatsgehälter.

Die positive Nachricht sieht der Anwalt in der nun folgenden Umstrukturierung des Werkes, um es dauerhaft erhalten zu können: „Die wichtigste Botschaft ist: Das Unternehmen ist produktions- und lieferfähig.“ Von „einer hoch motivierten Ausgangslage“ bei den verbliebenen Beschäftigten spricht der Insolvenzverwalter: „Die wollen das schaffen.“ Dabei sind die Eingriffe ins Unternehmen durchaus gravierend.

Quer durch alle Bereiche – von der Verwaltung über die Produktion, Planung und Vertrieb – wurden Kündigungen ausgesprochen. Auch die geplante Abkehr von einem Vier-Schicht- auf ein Drei-Schicht-System wurde bereits in Angriff genommen. Bis letzteres reibungslos in den Prozessabläufen funktioniert „braucht es ein paar Wochen“, schätzt Boddenberg. Problematisch ist das deshalb, weil weniger Personal dennoch volle Auftragsbücher abarbeiten muss, Kunden nicht enttäuscht werden dürfen, damit sie nicht abspringen und Boddenberg parallel noch Preiserhöhungen vorgenommen hat.

Gemischt klingt die Gefühlslage auch beim Betriebsratsvorsitzenden Norbert Werres. „Ich bin jetzt 40 Jahre im Betrieb, ich kenne jeden Mitarbeiter. Das war für alle eine sehr emotionale Situation, als verkündet wurde, wer uns verlassen muss.“ Wie schwer das ist, macht ein anderer Satz von Werres deutlich: „So machtlos, wie man in dieser Insolvenz ist, war ich noch nie.“ Das sagt immerhin jemand, der schon vier Sozialpläne im Unternehmen hinter sich hat. Umgekehrt verspürt auch Werres die Bereitschaft der Kollegen, das Ruder jetzt herum zu reißen: „Jeder einzelne muss jetzt mehr als 100 Prozent leisten, damit wir auch am Ende des Jahres noch unseren Job haben.“

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