290 U 3-Plätze für 2417 Kinder in ganz Düren

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
Gerade mal  290  Plätze für
Gerade mal 290 Plätze für Kinder die jünger als drei Jahre sind gibt es in Düren. - das deckt derzeit zwölf Prozent aller Kinder unter drei Jahren ab. Bis August 2013 muss die Stadt hier deutlich aufstocken. Foto: imago

Düren. Maren S. freut sich. Anfang nächsten Jahres kann die ausgebildete Krankenschwester wieder arbeiten. Ihre Tochter ist anderthalb, ihr Mann ist als Pfleger in einem Altenheim beschäftigt. Die Familie braucht Geld.

Deshalb hat Maren S. auch einen Luftsprung gemacht, als sie den Job bekam. Nun gibt es aber ein Problem. Das Ehepaar braucht einen Kindergartenplatz für das Töchterchen. Und nicht nur einen normalen Kita-Platz, sondern einen für unter Dreijährige.

Davon gibt es noch nicht so viele in Düren. Aber es sollen mehr werden. Ab dem nächsten Kindergartenjahr, also im August 2013, müssen Städte und Gemeinden eine Quote von 32 Prozent erreichen. Das heißt: Ein Drittel aller Kinder, die zwischen 1 und 3 Jahre alt sind, müssten einen Platz bekommen. Darauf haben Eltern einen Rechtsanspruch. Das Land NRW macht diese Vorgaben.

Nur: Können die Kommunen solche Vorgaben einhalten? Schafft Düren diese 32 Prozent? Die Antwort: Vielleicht. Eher nicht. Nicht direkt.

Dazu Zahlen: Derzeit leben in Düren 2417 Kinder unter drei Jahre. Zurzeit gibt es 290 Plätze für sie, das entspricht einer Quote von zwölf Prozent. Wenn die 90.000-Einwohner-Stadt die Quote erreichen wollte, müssten sieben Millionen Euro investiert werden. Kindergärten können nämlich nicht einfach so Jungen und Mädchen betreuen, die unter drei Jahre alt sind. Die Einrichtungen brauchen zusätzliche Schlafräume, Wickel-Möglichkeiten, anderes Spielzeug, spezielle sanitäre Einrichtungen. Das kostet. Viele Kindergärten müssen dazu um- oder ausgebaut werden, teilweise sind Neubauten erforderlich.

„Sieben Millionen Euro können wir nicht aufbringen”, sagt Thomas Floßdorf, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und CDU-Stadtrat. Seit Jahren muss das Dürener Rathaus jeden Cent umdrehen, seit Jahren weist der Haushalt ein Defizit in Millionenhöhe aus.

Zunächst könne die Stadt nur 3,2 Millionen Euro schultern. Die Hälfte davon bringt das Land auf. „Unter diesen Umständen muss man kreativ werden”, sagt Floßdorf. Gesucht wurden Schulen oder andere geeignete Räume in der Nähe von Kitas, in denen Kinder betreut werden können. Das würde Neubaukosten sparen.

„Wo können wir möglichst viel mit möglichst wenig Aufwand erreichen?”, das sei die Frage gewesen, sagt Floßdorf. Und wenn Neubauten nicht zu vermeiden sind, sucht die Stadt nach Partnern. Dabei handelt es sich um stadteigene Gesellschaften, die als Investor auftreten. Das Rathaus mietet dann die Räume und ist erst einmal nicht in der Verdrückung, Millionen aufbringen zu müssen.

Mit diesem Plan will die Stadt eine U 3-Quote von 27 Prozent erreichen. Dass das laut Landesvorgabe nicht reicht, ist Manfred Savelsberg, Leiter des städtischen Jugendamtes, klar.

Theoretisch können Eltern dann klagen. Zu befürchten hat die Stadt aber wohl nur dann etwas, wenn nachzuweisen wäre, sie hätte zu wenig oder nichts getan. Wenn aber alles gut geht, kann Düren in absehbarer Zeit sogar die Quote erfüllen, sagt Savelsberg. Es ist möglich, dass noch einmal 800.000 Euro nachgelegt werden können. Das Land will diese Summe zusätzlich beisteuern. Wenn der Betrag tatsächlich für den U 3-Ausbau aufgewendet werden kann, stehen die Chancen auf eine fast vollständige Erfüllung der Quote nicht schlecht, sagt Manfred Savelsberg. Letztlich entscheidet die Dürener Politik, wie die Mittel eingesetzt werden.

Welche Kindergärten um- oder ausgebaut werden, verrät eine Prioritätenliste, die von den Parteien, Trägern und der Arbeitsgemeinschaft Kindertagesstätten erarbeitet wurden.

Künstler für Lesungen gewonnen

Mit im Boot ist seit einem Jahr der Jugendamtselternbeirat (Jaeb), ein Gremium aus Müttern und Vätern, die sich stadtweit um die Belange der Kitas kümmern. Der Jaeb vertritt die Belange der Eltern gegenüber der Stadt und den Trägern und organisiert darüber hinaus Veranstaltungen in Dürener Kindergärten. So konnte der Gürzenicher Künstler Helmut Rosenzweig für Lesungen aus seinem Geschichtenbuch „Opa Karls Reisen und Abenteuer” gewonnen werden. Für die Tochter von Maren S. dürften die heimatverbundenen Texte etwas zu früh kommen. Sie ist mit anderthalb schlicht noch etwas jung. Aber ihr wäre zunächst damit gedient, wenn sie einen U 3-Platz in einer der Dürener Kitas bekommen würde.

Jugendamtselternbeirat bittet zur Diskussion:

Zum Thema „U 3-Plätze in Düren: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?” initiiert der Jugendamtselternbeirat (Jaeb) in Zusammenarbeit mit den „Dürener Nachrichten” am Donnerstag, 18. Oktober, eine Informationsveranstaltung im „Komm”-Zentrum in Düren, August-Klotz-Straße 21.

Zu allen Fragen rund um die U 3-Betreuung beziehen der Leiter des Dürener Jugendamtes Manfred Savelsberg, Thomas Floßdorf, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, Ulrich Lennartz, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kindertagesstätten und Ruth Tempelaars als Trägervertreterin für die katholischen Kindertagesstätten in Düren Stellung,

Die Eltern können aber auch selbstverständlich Fragen zu allen anderen Belangen der Dürener Kitas stellen. Der Eintritt zu der Diskussionsveranstaltung am 18. Oktober ist frei.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert