20-jähriges Bestehen: „Huddel un Brassel“ ganz ohne Noten

Von: Jörg Abels
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Historische Feuerwehruniformen, weiße Hosen und nicht auf jeden Kopf passende Pickelhauben sind seit nunmehr 20 Jahren die Erkennungsmerkmale der 17-köpfigen Oberzierer Kapelle „Hubra“, die in der laufenden Session ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Oberzier. An die 500 Auftritte zwischen Aachen, Düsseldorf und Köln, rund 320 angespielte und in der Regel in Medleys präsentierte Karnevals- und Stimmungslieder: Dass es einmal soweit kommen würde, hätten Erich Cremer und seine Mistreiter Willi Zehnpfennig, Hermann-Josef Wassermann, Walter Wangerooge, Arnold Cremer und der Hambacher Andreas Schiffers im Traum nicht gedacht.

Als sie am Veilchendienstag des Jahres 1991 et Trömmelche auspackten und in einem wilden Umzug – der organisierte Straßenkarneval war seinerzeit bekanntlich aufgrund des Golfkriegs abgesagt worden – durch die Oberzierer Straßen zum Festsaal zogen.

Auch wenn bis zum ersten offiziellen Auftritt noch zwei Jahre ins Land ziehen sollten, war die spontane Aktion rückblickend die Geburtsstunde der Kapelle „Hubra“, die in der laufenden Session 2012/2013 ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Geburtshelfer und Namensgeber

Geburtshelfer war Regionalverbandspräsident Rolf-Peter Hohn, damals noch Präsident der KG „Frohsinn“, der Cremer & Co. zum Auftritt auf der Oberzierer Kappensitzung überredete, Namensgeber Franz Müthrath. Der Gastwirt wusste Rat, als die Truppe noch unschlüssig grübelte: „Ihr set doch en Huddel- und Brasselskapelle, also die Kapelle Hubra.“

Und die ist seitdem als Stimmungsmacher nicht nur aus dem Oberzierer Karneval kaum mehr wegzudenken. Zweimal bereits spielte die „Hubra“ im NRW-Landtag. Sogar bis in die Domstadt ist die Truppe in ihren historischen Feuerwehruniformen und mit den nicht immer auf jeden Kopf passenden Pickelhauben vorgedrungen. „Im Rahmen der Kölner Lichter haben wir 2007 beim Traditionscorps Jan von Werth vor rund 2000 Menschen gespielt“, erinnert sich Erich Cremer an einen Höhepunkt der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Auch wenn im Laufe der Jahre der eine oder andere gestandene Musiker aus anderen Vereinen zu der heute 17-köpfigen Truppe – 16 Männer und eine Frau – gestoßen ist, hat sich die „Hubra“ ihre professionelle Unprofessionalität behalten. „Wir spielen bis heute komplett ohne Noten“, freut sich Cremer, dass auch die Neuen den „Huddel un Brassel“ mitmachen. Bei den wöchentlichen Proben ab Oktober ist es zumeist der Sänger, der ein neues Lied anstimmt, dessen Melodie die Musiker dann aufnehmen, bis der Klang passt. „Wir brauchen vor dem ersten Auftritt etwa sechs Wochen Vorlauf“, erklärt Cremer weiter. Gepasst hat das noch immer.

Und noch eins ist den Musikern wichtig: Kameradschaft wird großgeschrieben. „Die Truppe trifft sich mit wachsender Begeisterung während der Session und wächst förmlich zusammen“, berichtet Cremer nicht ohne stolz. Trotzdem ist Aschermittwoch regelmäßig Schluss, von einzelnen Auftritten im Sommer wie beim Rheinischen Abend im Rahmen der Annakirmes einmal abgesehen.

Maximal drei Auftritte pro Abend spielt die „Hubra“ in der Session, schließlich ist die Musik komplett handgemacht, verzichtet die Kapelle auf akustische Verstärker. Beinahe hätte es die Kapelle sogar einmal bis in die „Närrische Hitparade“ geschafft. Das eigens von Willi Wilden von den „Drei Colonias“ komponierte Lied hatte die „Hubra“ bereits im Tonstudio aufgenommen, als der WDR die Sendung 2008 überraschend einstellte. Die Oberzierer nahmen es mit Humor, CDs mit dem eigenen Lied aber gibt es noch heute. „Das war eine tolle Erfahrung“, erinnert sich Thomas Klein gerne an die Studioaufnahmen zurück.

„Solang et jeiht“ und das Publikum es will, wollen die Musiker weitermachen. Denn eines ist ihnen seit der ersten Stunde gemein: Wenn et Trömmelche jeiht, dann stonn se all parat – womit gleichzeitig auch die Frage nach dem Lieblingslied beantwortet wäre. Und einen Traum hat die Truppe noch: „Einmal in Köln im Gürzenich, Sartory oder Maritim auftreten dürfen“, spricht Thomas Klein von einem Ziel, das die Hubra mit vielen Karnevalisten aus dem Kölner Umland gemein hat.

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