Zwischen Online-Ich und wahrem Selbst

Von: Grit Schorn
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Aachen. Starkes Thema, starker Auftritt: Fünf Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren rüsten sich für ihre Aufführung im Theater 99 und in der Schulaula. Beim Stück „spiel´ oder lebe” handele es nicht um ein sozialprädagogisches, sondern um ein kulturpädagogisches Projekt, berichtet Susanne Bücken, die als Sozialarbeiterin und Kunsttherapeutin an der Martin-Luther-King-Schule das Ganze begleitet.

Das Stück geht direkt ans „Eingemachte”, in die Lebenswelten der Jugendlichen und ebenso die Welt im Internet. Vier Online-Spieler werden für ein Reality-Format - ähnlich wie bei „Big Brother” - gecastet.

Unter Beobachtung der Internetcommunity werden die virtuellen Charaktere auf die Probe gestellt. Jeder will gewinnen, jeder möchte der Beste sein. Doch in dieser Zerreißprobe begegnen die Protagonisten ihrem wahren Selbst und müssen Entscheidungen für sich treffen. Als fünfte Person tritt noch ein „Orakel” auf.

Die Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (Sekundarstufe I) ist eine besondere Hauptschule. Besonders aber vor allem - Susanne Bücken strahlt - weil hier „kaum geschwänzt” wird und die Schüler gerne in das weiträumige Gelände an der Talbotstraße kommen.

Denn hier bieten sich viele Chancen für Kids, die häufig nicht mehr im Elternhaus leben (können) und bereits in betreuenden Einrichtungen untergebracht sind oder waren. So hat Benjamin (16) nach seinem guten Hauptschulabschluss gute Aussichten auf die Aufnahme in einer Fachoberschule, ebenso wie Ruben (16), der bei der Probe offen sagt, wie er den Leiter und „Regisseur” Zakaria Benhamza findet: „Echt korrekt!”

Der ehrliche Jugendjargon trifft es ziemlich genau, denn Benhamza und seine Kollegin Katja Kuhlmann sind beide erfolgreiche Absolventen der Theaterschule Aachen und somit vom Fach. Aber auch ihre ebenso klare wie herzliche Art hat ihnen die Anerkennung der Gruppe eingebracht.

Kuhlmann und Benhamza sind auch Hauptbeteiligte bei der Entstehung des Stücks. Zunächst war das Interesse an dem tollen Projekt sehr groß: „20 Leute waren wir erst, auch Mädels waren dabei” erzählt Ayus (14) und feixt: „Aber die kamen bald nicht mehr.”

Jörg (14) gefällt, dass er als „Orakel” und „Entscheidungsträger” mit dabei ist. Und André (14) zeigt bei der Probe, dass er immer mehr in die Rolle des „Shooters” hineinwächst. Wichtig für die Gruppe ist aber auch der Zusammenhalt, die Teamarbeit und eben „Kernkompetenzen wie Disziplin und Ausdauer”, erzählt Susanne Bücken. „Aber zoffen tun wir uns auch”, schmunzelnÊ die Jugendlichen.

„Chillen is´ nich”

in den Weihnachtsferien begann, mit viel Vorarbeit und später einmal in der Woche fünf Stunden Probe, ist jetzt in der heißen Phase. Dreimal in der Woche heißt es „Antritt in der Aula”. Da muss einiges an Unterricht nachgeholt werden: „Chillen is„ nicht”, vermerken die jungen Burschen vergnügt. Auf die Frage, ob einer von ihnen doch so etwas wie „PC-süchtig” sei, kommen klare Antworten: „An dieser Schule ist das eigentlich keiner. Weil hier ganz viel im hauseigenen Computer-Raum gemacht wird.” Und Susanne Bücken ist sich sicher: „Die familiäre Atmosphäre an der Schule bietet allen auch eine mentale Grundversorgung.”

Den jungen „Mimen” ist das anzumerken. Hier können sie wachsen. „Aber auch die Lehrer”, glaubt die Schulsozialarbeiterin, die in der Einübung und dem Bühnenauftritt eine „große Leistung” sieht.
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