Aachen - Zwischen Mensch und Maschine: Neues Stück im Theater Aachen

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Zwischen Mensch und Maschine: Neues Stück im Theater Aachen

Von: Eva Onkels
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Virtuelle Realität auf der Bühne: Marion Schneider-Bast inszeniert das Stück „mensch maschine“von Konstantin Küspert am THeater Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Neuronale Netze, die wie unser Gehirn aus vielen kleinen einzelnen Teilen bestehen, sind spannend zu beobachten – und gleichzeitig beängstigend. Wie nahe können Maschinen uns Menschen kommen – und wie nahe kommen wir Menschen eigentlich den Maschinen? Dieser Frage widmet sich das letzte Stück des letzten Premierenreigen des Theater Aachen für diese Spielzeit.

Nach „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ auf der großen Bühne und „Der Reservist“ im Mörgens feiert am Freitag, 18. Mai, „mensch maschine“ in der Kammer Premiere.

Geschrieben wurde das Stück von Konstantin Küspert, in der Produktion des Theaters Aachen stammt die Inszenierung von Marion Schneider-Bast, Oliver Held ist verantwortlich für die Dramaturgie. „mensch maschine“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der eines Nachts aus seinem Haus entführt wird. Wissenschaftler entnehmen dem „Probanden“ das Gehirn und schließen es an einen Computer an.

Daraufhin gaukelt der Computer dem Probanden vor, er leben sein Leben weiter, dabei befindet er sich in einer virtuellen Realität. Immer wieder treten „Bugs“ auf, wie Fehler im Computerjargon genannt werden; Personen, die immer wieder am Probanden vorbeigehen oder in der Wand hängen bleiben. Und dann ist da noch die Frau des Probanden, die ebenfalls entführt werden musste.

„mensch maschine“ ist trotz seines ernsten und dramatischen Themas kein klassisches Drama, hebt nicht den moralischen Zeigefinger und wertet nicht. Es balanciert zwischen Krimi, Science-Fiction und Komödie, regt zum Nachdenken über Technologieentwicklung und Wissenschaft ein, ohne direkt eine Antwort geben zu wollen. Denn: wie kann man überhaupt beantworten, was das „wirklich Menschliche“ ist? Und geht es wirklich um die Frage, wie ähnlich uns die Maschinen werden – oder nicht vielmehr darum, wie sehr wir die Menschen als Maschinen betrachten?

Oliver Held zeigt einen interessanten Gedankengang auf: „Wir neigen dazu, alles zu vermenschlichen.“ Das beginnt bei Haustieren, denen wir nicht nur Futter, sondern auch Pullover und spezielle Betten kaufen, und geht bis hin zur Vermenschlichung von Objekten. In Deutschland sieht Held diese insbesondere bei den Autos. Viele Menschen gäben ihren Autos menschliche Namen und behandelten diese besser als ihre Mitmenschen. „mensch maschine“ geht allerdings noch einen Schritt weiter in dem es sich die Frage stellt, was eigentlich Realität ist und ob ein Computer in der Lage ist, diese Realität zu erschaffen. Das erinnert bisweilen sicherlich an die Ausgangsposition im Filmhit „Matrix“ von 1999, verspricht aber mit deutlich weniger Schießereien auszukommen.

Oliver Held betont außerdem, dass sich dieses Stück auch sehr deutlich an die „Nerds“ in Aachen richtet. Insbesondere Computerspieler – wie er selbst einer ist – hätten sicherlich einen Heidenspaß an dem Stück. Es wird viele kleine Details geben, die Computerspieler sofort wiedererkennen würden. Küspert, so Helds Ansicht, müsste da selbst in der Szene unterwegs sein, um so viel Liebe zum Detail erschaffen zu können.

Das soll aber keineswegs bedeuten, dass das Stück für alle anderen uninteressant wäre, im Gegenteil. „mensch maschine“ ist ein zeitgemäßes Werk, dass sich mit einem Thema auseinandersetzt, dass nicht nur Informatiker und Mathematiker begeistert und frösteln lässt, sondern eines dem wir uns alle stellen müssen. Vielleicht wird nämlich auch bei uns bald ein Teil der Pflege alter Menschen von Robotern übernommen. In Japan ist dies schon (fast) normaler Alltag.

 

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