Zweite Sozialkonferenz: Aachen kommt wieder unters Mikroskop

Von: Margot Gasper
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Aachen. Das wird wieder eine ganz große Runde: Mehr als 200 Fachleute aus Politik, Verwaltung und Wohlfahrtsverbänden treffen sich am kommenden Freitag zur zweiten Aachener Sozialkonferenz.

Im Kern geht es um die Frage, ob die Anstrengungen der vergangenen drei Jahre gefruchtet haben. Ob die Schwerpunkte von damals noch stimmen. Oder ob neue Akzente nötig sind. Grundlage der Debatte ist der Sozialentwicklungsplan, der 2009 erstmals vorgelegt wurde.

Mit dieser Datensammlung betrat Aachen damals Neuland. Der erste Sozialentwicklungsplan der Stadt, 160 Seiten stark, hatte den Anspruch, die soziale Wirklichkeit möglichst genau abzubilden - und zwar für jeden einzelnen von mehr als 50 Lebensräumen. „Wir haben diese Stadt unters Mikroskop gelegt”, erinnert Sozialdezernent Manfred Sicking. Erstmals gab es Zahlen darüber, womit die Menschen in den einzelnen Vierteln besonders zu kämpfen haben.

Die erste Aachener Sozialkonferenz im November 2009 erarbeitete auf dieser Basis 150 konkrete Handlungsempfehlungen, fast 40 davon wurden umgesetzt. Nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. „Wir wollen sehen, ob die Prioritäten von damals noch aktuell sind”, erläuterte Sicking im Vorfeld der großen Tagung. Hauptziele des Sozialentwicklungsplans, so der Sozialdezernent, seien auch weiterhin „der Abbau von Ungleichheit und die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe”.

Zentrales Ergebnis der Sozialkonferenz von 2009 war die Erkenntnis, dass Veränderungen in den einzelnen Quartieren ansetzen müssen. In den Sozialräumen, so betont Heinrich Emonts, Leiter des Fachbereich Soziales und Integration, wisse man um die Nöte und Bedürfnisse, aber auch um die Stärken der Menschen im Viertel. „Und genau dort müssen wir die Selbsthilfekräfte wecken.” Bürgerschaftliches Engagement sei unverzichtbar.

Eine Erkenntnis der Fachleute war auch, dass man manche Quartiere noch kleinräumiger betrachten muss. „Forst ist nicht gleich Forst”, nennt der städtische Sozialplaner Gerrit Köster ein Beispiel. Die Situation der Menschen in Alt-Forst sei eine andere als in Schönforst und wieder eine andere als in Driescher Hof. Deshalb ermittelt Köster für die Sozialentwicklungsplanung mittlerweile Daten aus insgesamt 60 Lebensräumen in der Stadt. 58 Indikatoren legt er dafür zugrunde. Arbeitslosigkeit, Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit oder Altersstruktur sind nur einige davon.

Nach der ersten Aachener Sozialkonferenz wurden in Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf Stadtteilkonferenzen installiert. Ein Stadtteilfonds stellt in diesen Quartieren Gelder für Projekte mit Bürgerbeteiligung zur Verfügung, immerhin 70 000 Euro pro Jahr sind im Topf.

Die Sozialkonferenz gab vor drei Jahren auch den Anstoß zum Umbau von Altentagesstätten. An sechs Standorten entstanden Begegnungszentren unter professioneller Leitung, die heute auch eine große Portion Beratungsarbeit im Viertel leisten.

Die Teilnehmer der zweiten Sozialkonferenz am Freitag sollen erfahren, wie sich die Lebensräume in drei Jahren entwickelt haben. Vor allem sollen sie Prioritäten für die Zukunft festlegen. Der Sozialdezernent sieht ein Thema ganz oben auf der Liste. „Das Thema Wohnen muss neu bewertet werden”, kommentiert Manfred Sicking mit Blick auf den großen Mangel an bezahlbaren Wohnungen in Aachen.
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