Aachen - Zwei, die lieber im Hintergrund bleiben

Zwei, die lieber im Hintergrund bleiben

Von: Gerald Eimer
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Sie steuern künftig die Gesch
Sie steuern künftig die Geschäfte der beiden größten Fraktionen im Stadtrat: Caroline Herff (links) für die CDU, Daniela Lucke für die SPD. Den Posten treten sie zeitgleich im Januar an. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Wenn niemand merkt, was wir tun, haben wir es gut gemacht.” Mit dieser eher bescheiden klingenden Parole treten Caroline Herff und Daniela Lucke Anfang Januar zwei bedeutsame und einflussreiche Posten an.

Wie es der Zufall will: Beide kommen frisch von der Uni, beide haben die 30 noch nicht erreicht und beide übernehmen zur gleichen Zeit die Geschäftsführung der beiden größten Aachener Fraktionen. Herff für die CDU, Lucke für die SPD.

Es ist, als würden sich in diesen Personalien die Umbrüche widerspiegeln, die die beiden Fraktionen auf ihrem Weg zu einer deutlichen Verjüngung und auch Modernisierung vollziehen. Dass CDU und SPD zwei so junge Menschen künftig an entscheidender Stelle das politische Geschehen steuern lassen, könnte man als mutig bezeichnen. Sie selbst nennen es selbstbewusst einen „klugen Schritt”.

Nicht besser, aber anders

Frauen sind auf Führungsposten immer noch unterrepräsentiert - in der CDU stärker als in der SPD, die seit langem eine Frauenquote hat. Frauen arbeiten nicht unbedingt besser als Männer, aber anders, sagt Lucke. Davon könne jede Fraktion profitieren. Ab Januar haben dann nur noch die Grünen mit Helmut Ludwig einen Mann als Geschäftsführer, auch FDP und Linke setzen mit Sigrid Moselage und Ellen Begolli auf Frauen.

Angst vor den kommenden großen Aufgaben verspüren Caroline Herff und Daniela Lucke längst nicht mehr. Anfangs, ja, da habe sie lange gezögert, ob sie sich überhaupt bewerben sollte, sagt Herff. Sie ist erst 2008 in die CDU eingetreten, schon ein Jahr später wurde sie zur Kommunalwahl „unverhofft aufgestellt und ebenso unverhofft gewählt”. Seitdem arbeitet sie in der CDU-Fraktion und sichert die guten Kontakte zum grünen Koalitionspartner. Steiler kann eine Karriere kaum sein.

Trotzdem habe sie sich zunächst gefragt, ob sie sich zu viel zumute und die Erwartungen erfüllen könne. Inzwischen ist sie überzeugt, alles richtig gemacht zu haben, und setzt auf die Rückendeckung der Parteifreunde.

Auch Daniela Lucke hat zunächst lange überlegt, ob sie sich wirklich so früh für eine Karriere in der Partei entscheiden soll. „Aber am Ende war die Leidenschaft größer”, sagt sie. Erfahrungen hat sie bereits im Büro der Aachener SPD-Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt sammeln können. „Und man ist ja nicht alleine, hinter uns steht ein ganzes Team.”

Beide verstehen sich als „Dienstleister” für ihre Fraktionen, insbesondere für die Vorsitzenden, aber auch für alle anderen ehrenamtlich tätigen Ratsmitglieder. „Wir bereiten die Anträge und die Entscheidungen vor”, sagt Herff. Dahinter stehe immer die Frage: „Hat man wirklich alles bedacht und bereitgestellt, damit die Kollegen auch eine gute Entscheidung treffen können?” Verantwortung und Einfluss sind groß. Die erste Reihe aber müssen sie den Fraktionschefs und jeweiligen Fachpolitikern überlassen - was zu der eingangs zitierten Erkenntnis führt.

Das persönliche Verhältnis zwischen den beiden lässt sich nur als entspannt bezeichnen. „Wir verstehen uns gut”, versichern sie - trotz aller politischen Konkurrenz. Überhaupt herrsche auf dem Fraktionsflur an der Habsburgerallee ein guter und respektvoller Umgangston. Das unterscheide die Kommunalpolitik von der großen Bundespolitik: In den allermeisten Fällen werde einvernehmlich entschieden.

Geprägt vom Elternhaus

Dass sie sich dennoch in unterschiedlichen politischen Lagern zu Hause fühlen, hat viel mit der familiären Prägung zu tun. Caroline Herffs Vater Hans Herff war über Jahrzehnte hinweg CDU-Ratsherr, Daniela Lucke kommt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus. Sie ist bewusst auf eine Gesamtschule geschickt worden, was sie auch in ihren schulpolitischen Ansichten geprägt hat.

Dass alle die gleichen Chancen erhalten, dass die Zukunft eines Kindes nicht vom Elternhaus abhängt, dass alle die gleichen Rechte haben, ihr Leben zu gestalten - dies seien erstrebenswerte Ziele. „Dieser Solidaritätsgedanke ist mir wichtig, dass nicht jeder für sich alleine steht.”

Auch für Caroline Herff waren die schulpolitischen Diskussionen prägend - mit anderen Schlussfolgerungen: „Ich sehe jeden als Individuum und glaube, dass jeder seine eigene Förderung braucht”, sagt sie und leitet daraus Pluspunkte für das gegliederte Schulsystem ab. Ihre Vorstellungen von der Persönlichkeitsbildung habe sie bei der CDU „gut wiedergefunden”.

Ein „Seelchen” dürfe man in der Position der Geschäftsführerin nicht sein, ist Herff überzeugt. „Man braucht einen gewissen Panzer, denn man arbeitet gegen Widerstände und muss auch Anfeindungen aushalten können.” Gleichwohl: Die Vorfreude auf den Start im Januar überwiegt.

„Ich bin dankbar, dass ich eine gute Vorgängerin habe, die mir ein tolles Büro überlässt und mir alles erklärt und nahebringt”, sagt Daniela Lucke. Sie übernimmt den Posten der langjährigen Geschäftsführerin Angelika Weinkauf. Caroline Herff folgt Franz Plum. „Am Anfang werde ich ihn wohl jeden zweiten Tag anrufen und bin froh, dass ich es kann.”

Wünsche für das neue Jahr

Was man ihnen am besten zum neuen Jahr wünscht? „Eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und nicht gleich die schwersten Themen zum Einstieg”, sagt Caroline Herff. Nicht viel anders formuliert es Daniela Lucke: „Einen guten Start ohne große Probleme und dass der Rückhalt in der Fraktion so bleibt wie er ist.”
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