Bochum/Aachen - Zwei Ausbrecherfreunde im Bochumer Gefängnis wieder vereint

Zwei Ausbrecherfreunde im Bochumer Gefängnis wieder vereint

Von: Wolfgang Schumacher
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Bei seiner Festnahme erleichtert, dass alles vorbei war: Der Aachener JVA-Ausbrecher Michael Heckhoff Foto: Polizei

Bochum/Aachen. Wenn am Mittwoch Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter vor dem Rechtsausschuss des Landtages zur Vollzugssituation in NRW-Gefängnissen berichten wird, ist die Aachener JVA wieder ganz vorne mit dabei.

Die Spitzenplatzierung der Aachener als einem der aktuellen Problemfälle unter den NRW-Anstalten verschafften ihr die Ausbrecher Michael Heckhoff (51) und Peter Paul Michalski (46), die sich Ende November mit Waffen in der Tasche durch die Anstaltspforte aus dem Staub machten.

Das Unglaubliche an der Sache: Der bereits wegen eines spektakulären Ausbruchs mit Geiselnahme und zweifachen Mordversuchs sowie mehrerer brutaler Banküberfälle ebenfalls mit Geiselnahmen 1993 zu lebenslang verurteilte Heckhoff sollte nach einem Beschluss der Kölner Strafvollstreckungskammer in Aachen auf ein künftiges Leben in Freiheit vorbereitet werden. Das ist, wie wir heute wissen, gründlich in die Hose gegangen.

In dem Kölner Beschluss vom 18. März 2008, den damals der Vorsitzende Richter Georg Rehbein begründete, bestätigte die JVA Köln dem Schwerstkriminellen Heckhoff erhebliche Fortschritte. So hieß es: „Wie Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Köln im Rahmen einer Anhörung erklärten, bestünden angesichts zahlreicher Ausführung (in die Freiheit, d. Red.) gezeigten Zuverlässigkeit und Absprachefähigkeit aus Sicherheitsgründen keine Bedenken mehr gegen eine Verlegung.” Schließlich, so geht es weiter, müsse sich der Häftling im Rahmen weiterer „Lockerungsschritt bis hin zu einem möglichen offenen Vollzug bewähren”.

Noch etwa sechs Jahre Haft

Das alles sollte eigentlich in Aachen geschehen, wie Heckhoff-Anwalt Rainer Dietz bereits kurz nach der Flucht seines Mandanten monierte. Denn Heckhoff hatte innerhalb eines Jahres in Aachen schnell erfasst, dass sich hier perspektivisch für ihn rein gar nichts bewegte. Dietz: „Er hatte die Kölner Versprechen im Ohr und es passierte nichts.” In Aachen sollte er noch etwa sechs Jahre sitzen und dann (gut vorbereitet) in Freiheit kommen.

Über den ersten, von brutaler Gewalt geprägten Ausbruch von Heckhoff mit seinem damaligen Kumpanen Kurt Knickmeier titelte kürzlich eine Boulevardzeitung beinahe bewundernd mit der Schlagzeile: „Gefährlicher als Rösner und Degowski - Heckhoff zündete 2 Menschen an.”

Beides stimmt so nicht. Heckhoff war laut späterem Urteil bei dem Ausbruchsversuch am 30. Juni 1992, als er sich mit Knickmeier zum Anstaltszahnarzt führen ließ, mit einer Pistolenattrappe „bewaffnet”, Knickmeier hatte einen Schraubenzieher dabei und selbstgebaute Molotowcocktails aus Spiritusflaschen. Sie nahmen zwei Geiseln und wollten eine Million D-Mark und ihre Freiheit erpressen, ein Fluchtauto stand schon bereit.

Knickmeier zündete Geiseln an

Die Sache lief gegen 23 Uhr nachts schief, als Heckhoff mit einem Schuss durch die Schulter außer Gefecht gesetzt und die Lazaretttüre aufgesprengt wurde. Knickmeier übergoss laut dem Landgerichts Urteil zwei Geiseln mit Spiritus und zündete sie an. Die Opfer überlebten mit schweren Brandverletzungen.

Doch jetzt in der JVA-Bochum sitze er - Anwalt Dietz kann es kaum fassen - bereits wieder mit seinem alten Kumpel Knickmeier in einer Anstalt, denn der wird ebenfalls in Bochum verwahrt. Der Verteidiger beantragte vorsorglich die Verlegung seines Mandanten - dies hauptsächlich aus zwei Gründen. Erstens wegen besagtem Knickmeier und zweitens auch deshalb, „weil mein Mandant viele Drohungen und Mobbing aus dem Bereich des Anstaltspersonals erhält”, sagt Dietz.

Der Heckhoff-Anwalt gibt an, dass im Prozess zum Aachener Ausbruch zunächst der in U-Haft sitzende Aachener JVA-Beamte Michael K., der die Türen aufgeschlossen haben und die Waffen besorgt haben soll, von Heckhoff schwer belastet werden wird. Dazu droht der Gefangene ebenso an, noch weitere illegale Verkaufs- und Verschiebewege in der Aachener JVA im Prozess vor dem Landgericht preisgeben zu wollen - das könnte ein unangenehmer Prozess für die JVA-Verantwortlichen in der Soers werden.

Doch die Bochumer Anstaltsleitung braucht keine Angst vor Konsequenzen zu haben. Dass Heckhoff jetzt in Bochum einsitzt, geschehe „auf Weisung des Justizministeriums”, schreibt die Anstaltsleitung - also auf Weisung von Ministerin Müller-Piepenkötter. Beinahe skurril mutet es dabei schon an, dass Heckhoff in den 90er Jahren bereits in Bochum einsaß - und das genau in derselben Zelle.

„Anlässlich einer Zellenkontrolle”, so schreibt Dietz in seiner jetzt beim Bochumer Landgericht eingereichten Antragsschrift auf Verlegung von Heckhoff, „wurden dort bei ihm eine Waffe und eine Handgranate sichergestellt, ohne dass die Hintergründe seinerzeit aufgeklärt werden konnten” - das gefährliche Possenspiel in den NRW-Gefängnissen schlägt immer neue Kapriolen.
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