Aachen - Zusatzförderung für Schüler an der Aretzstraße

Zusatzförderung für Schüler an der Aretzstraße

Von: Saskia Lößer und Holger Richter
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Aachen. In der Sporthalle der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Aretzstraße ist viel los. 20 Jungs absolvieren unter Anleitung ihrer Lehrer Gökhan Demirci und Karim Djili ihr Fußballtaktik-Training und sind mit Feuereifer bei der Sache. Demirci und Djili sind nämlich nicht nur Lehrer, sondern auch Vorbilder der Jungs.

Und das nicht ohne Grund, denn Demirci, besitzt die Trainer-A-Lizenz und trainiert neben seiner Lehrertätigkeit den Landesligisten Rhenania Richterich. Und Djili hat als Fußballprofi sogar in der zweiten französischen Liga gespielt.

Das Training ist Teil eines neuen Angebots der GHS, nämlich der schuleigenen Fußballschule. „Wir sind meines Wissens die einzige Schule in Aachen, die ein solches Angebot hat“, sagt Bernd-Ulrich Groß, der Sport- und Ganztagskoordinator der Schule. Kein Wunder also, dass der zwölfjährige Eyüp Özen gerne zugibt: „Fußball macht mir mehr Spaß als Mathe.“

Doch damit der Eyüp und seine Mitschüler an dem zweimal 90-minütigen Training pro Woche, das zusätzlich zum Sportunterricht stattfindet, teilnehmen dürfen, müssen eben auch seine Mathe-Noten stimmen. „Denn wenn jemand die Aufgaben seines Wochenplans nicht erfüllt, dann wird er für das Training gesperrt“, erklärt Schulleiterin Dagmar Castillo. „Das haben die Jungs inzwischen gut kapiert.“

Doch Eyüp, dessen Eltern aus der Türkei stammen, muss nicht nur auf seine Mathe- oder Deutschnoten achten, sondern auch auf seine Leistungen im Türkisch-Unterricht. Denn Gökhan Demirci ist nicht nur Eyüps Trainer, sondern auch sein Türkischlehrer. Im fünften Jahr bietet die Hauptschule nämlich schon Türkisch und auch Französisch – die Herkunftssprachen vieler Schüler der GHS Aretzstraße, deren Eltern entweder aus der Türkei oder aus französischsprachigen Ländern Afrikas stammen – als zweite Fremdsprache an.

Damit sei die Aachener Schule die einzige des landesweiten Schulversuchs, an dem sich zehn Schulen beteiligen, die Französisch beziehungsweise zwei Herkunftssprachen gleichzeitig anbietet, betont die Schulleiterin Dagmar Castillo.

„Der Schulversuch ist in den ersten vier Jahren von der Universität Duisburg-Essen begleitet und für gut befunden worden“, erzählt Bernd-Ulrich Groß, der an der GHS Französisch unterrichtet, folglich sei der Schulversuch für vier Jahre verlängert worden. Zurzeit lernen rund 40 Schüler in den Klassen 7, 8, 9 und 10 Französisch als zweite Fremdsprache, Türkisch lernen etwa 20 pro Jahrgang.

Versetzungsrelevant

Das Besondere an den Herkunftssprachen als zweite Fremdsprachen ist, dass die Zeugnisnote versetzungsrelevant sei, betont Dagmar Castillo. „Die Schüler können mit dieser Note etwa eine ,Fünf‘ in einem anderen Fach ausgleichen“, sagt die Schulleiterin. Außerdem erleichtere eine zweite Fremdsprache die Durchlässigkeit innerhalb des Schulverbands Aachen-Ost. „Unsere Schüler, die etwa aufs Geschwister-Scholl-Gymnasium wechseln, haben dann bereits eine zweite Fremdsprache.

Und Schüler, die vielleicht von der Hugo-Junkers-Realschule zu uns wechseln, können hier mit einer zweiten Fremdsprache weitermachen“, erklärt Castillo. Der Schulverband, über dessen Fortbestand der Schulausschuss am kommenden Donnerstag berät, werde ihrer Ansicht nach dadurch gestärkt.

Mittlerweile nehmen am Französisch-Unterricht auch viele Schüler teil, die nicht aus einem französischsprachigen Elternhaus stammen. Laut Bernd-Ulrich Groß sind das sogar etwa 50 Prozent, Türkisch lernten allerdings ausschließlich türkischstämmige Schüler.

„Vor den Kindern ziehe ich den Hut“, sagt Groß, und seine Schulleiterin betont, dass die zweite Fremdsprache eine rein freiwillige Entscheidung sei: „Alles, was die Kinder dafür tun, ist zusätzlich zum regulären Schulstoff.“

Die Schüler könnten sich damit aber auch ein Erfolgserlebnis erarbeiten, da viele von ihnen Schwierigkeiten mit Deutsch oder der ersten Fremdsprache Englisch hätten, so Groß, bei der Muttersprache ihrer Eltern aber hätten sie einen kleinen Vorteil. „Viele sprechen Französisch besser als mancher Abi­turient.“

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