Zur Halbzeit ein Angriff von rechtsaußen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ordner drängen gewaltbereite
Ordner drängen gewaltbereite Fans ab, die beim Heimspiel der Alemannia gegen Erzgebirge Aue in den Block der Aachen Ultras gestürmt sind und sich prügeln wollen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der „Angriff von rechtsaußen” kam kurz vor der Halbzeit beim Spiel der Alemannia gegen Erzgebirge Aue am Sonntag auf dem Tivoli.

Plötzlich versuchten vermutlich rechtsgesinnte Gruppen aus dem S-Block heraus den abgetrennten Bereich der Fangruppierung „Aachen Ultras” zu stürmen, Angriffe und Prügeleien folgten.

Der Ordnerdienst der Alemannia zog sofort seine Kräfte dorthin und konnte Schlimmeres verhindern, mindestens ein Ordner wurde an der Hand verletzt.

Der Hintergrund laut Polizeierkenntnissen: Eine Lesung mit Autor Ronny Blaschke, die das Fanprojekt der Alemannia am vergangenen Donnerstag mit dem Titel „Angriff von rechtsaußen” organisiert hatte, passte rechten Fans wohl nicht ins Weltbild. Sie wollten, so hieß es, die Veranstaltung stören. Sie wurden jedoch an die frische Luft gesetzt.

Die Aachener Ultras haben sich am Tivoli inzwischen deutlich gegen Rechts positioniert. Offenbar auch deswegen bekam die Fan­gruppierung vor der Halbzeitpause den Zorn der gewaltbereiten Rechten im Stadion zu spüren. 20 bis 30 Angreifer rotteten sich am oberen Rand der Tribüne zusammen.

Sie versuchten, den Zaun zu überklettern. Einige, die sich bereits in den Bereich der Ultras eingeschlichen hatten, begannen zu prügeln, andere warfen von der Bitburger-Tribüne Wasserbomben in den gegnerischen Fanblock.

Ein Irrsinn

Alemannia-Geschäftsführer Frith­jof Kraemer war nach dem Spiel sichtlich entsetzt. „Das kann und darf es nicht geben, dass wir Alemannia-Fans vor Alemannia-Fans schützen müssen”, zürnte der ansonsten mit einem völlig ruhigen Temperament ausgestattete Kraemer.

Der Geschäftsführer hatte sich sofort nach dem letzten Spiel des Jahres 2011 auf dem Tivoli - es gab ein Unentschieden - mit den Fanbeauftragten zusammengesetzt und die Lage besprochen.

Der Fanblock der Ultras war mit etwa 80 bis 100 Personen besetzt. „Ich habe blanke Angst in den Gesichtern dort gesehen”, erklärte er geschockt, Kraemer war noch in der Halbzeit sofort dorthin gegangen. Es sei ein Irrsinn, eigene Fangruppen voreinander schützen zu müssen. Alle verfolgen ja eigentlich das Ziel, die Mannschaft nach vorne zu bringen.

Mit den Attacken würden elementare Regeln des Fantums verletzt, meinte der Geschäftsführer. Der Verein Alemannia Aachen werde es nicht dulden, dass durch rechte Schläger, „die Sicherheit unserer Zuschauer gefährdet wird”. Sie sei „unser höchstes Gut”, so Kraemer.

Er werde in der kommenden Woche direkt mit den Vertretern der Fans Kontakt aufnehmen und besprechen, was zu tun sei. Denn es könne nicht sein, „dass jemand ein Heimspiel besucht und Angst um seine Gesundheit haben muss”, erklärte Kraemer.

Die Polizei verstärkte nach den Halbzeit-Attacken bis zum Ende der Begegnung vorsorglich ihre Einsatzkräfte, wie der diensthabende Beamte Helmut Robioneck den „Nachrichten” am Nachmittag bestätigte.

Man hatte Befürchtungen, dass die Auseinandersetzungen eventuell vor dem Stadion weitergehen könnten. Doch das war nicht der Fall. Die Winterpause beginnt am Wochenende, nachdem die Alemannia in Braunschweig angetreten ist.
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