Zumindest die Kräne am Kaiserplatz stehen noch

Von: Holger Richter und Heiner Hautermans
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Sie stehen noch: Den acht Kränen an der Baustelle Aquis Plaza hat der Gewittersturm nichts anhaben können. Foto: Harald Krömer
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Auf dem Westfriedhof hingegen hat der Sturm diesen mächtigen Baum einfach umgerissen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bis zu 72 Meter hoch ragen die acht Kräne an der Baustelle Aquis Plaza in den Aachener Himmel. Und trotz der Orkanböen mit Wingeschwindigkeiten von weit mehr als 120 Stundenkilometern, die am Pfingstwochenende und auch Dienstagmorgen noch über die Stadt gebraust sind, stehen sie alle noch wie eine eins.

„Unsere Kräne sind auch für solche Windgeschwindigkeiten ausgelegt“, berichtet der Projektleiter der Großbaustelle am Kaiserplatz, Jörg Smolny. „Die Kräne drehen sich auch frei im Wind, sie sind nicht arretiert. So hat der Sturm ihnen nichts anhaben können.“ Ohnehin sei Aachens größte Baugrube von Sturmschäden weitestgehend verschont geblieben, so Smolny. „Wir haben lediglich mit den Wassermassen zu kämpfen, weil die Baustelle natürlich noch nicht dicht ist“, erzählt der Angestellte des Hamburger Projektentwicklers ECE. „Also haben wir das Wasser weggepumpt.“ Polizei oder Feuerwehr haben nicht anrücken müssen.

Die hatten auch sonst genug zu tun. So wurden von der Feuerwehr-Leitstelle an der Stolberger Straße bis Dienstagnachmittag 850 Einsätze infolge von Starkregen, Gewitter und Windböen in der Stadt Aachen und der Städteregion gesteuert, alle Löschzüge der Freiwilligen Wehr und der Berufsfeuerwehr waren mit insgesamt 360 Kräften stundenlang und auch Dienstag noch im Einsatz.

Es galt, eine Vielzahl von entwurzelten Bäumen und abgebrochenen Ästen wegzuschaffen, mit Wasser vollgelaufene Keller oder Tiefgaragen leerzupumpen oder überflutete Straßen oder Autobahnstücke zu sichern und entwässern. Zweimal stürzten im Stadtgebiet Bäume auf Hausdächer, an der Ottostraße und am Krautmühlenweg, wo die Wehr einen Kran und die Hubrettungsbühne einsetzen musste, um den Holzbruch zu entfernen. In der Emmastraße stürzte ein Baum gegen ein Gerüst, dabei wurde auch ein Stromverteiler der Stawag beschädigt. Auf der Lütticher Straße stürzten mehrere Bäume auf Pkws. Bei all diesen Einsätzen blieb es jedoch bei Sachschäden. Lagedienstführer Hans-Georg Schümmer: „Bei allen Einsätzen ist kein Verletzter durch die Unwetterlage zu beklagen.“

Die meisten Einsätze am Dienstag wurden in der Innenstadt gefahren: „Dann sieht man, wo noch abgeknickte Äste in den Baumkronen hängen.“ Das war beispielsweise am Seffenter Weg oder am Amsterdamer Ring oder rund um den Hangeweiher der Fall.

Weil für Dienstagabend neue Unwetter erwartet wurden, wurde der Stab außergewöhnliche Ereignisse, dem unter anderem Verbindungsleute der Feurwehr, Polizei und der Forstverwaltung angehören, in Bereitschaft versetzt. Ein Feuerwehrsprecher: „Wir stellen uns darauf ein, dass wieder etwas kommt.“

Bei der Polizei gingen am Montag zwischen 20.30 Uhr und 23 Uhr 497 Notrufe in der Leitstelle ein. Zumeist wurden Sturmschäden an Gebäuden, umgestürzte Bäume, herausgedrückte Gullideckel und überflutete Fahrbahnen gemeldet. Die Gefahrenstellen wurden zumeist durch die Feuerwehr beseitigt, wobei die Polizeikräfte die Stellen entsprechend absperrte. Die Polizei rückte zu 38 Einsätzen aus; darunter zu fünf witterungsbedingten Unfällen. Meist blieb es bei Blechschäden.

Die Höhenströmung ist schuld

Und an allem ist die Höhenströmung ist schuld. Das sagt zumindest Jürgen Laufer. Und er muss es wissen, schließlich ist er der Leiter der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Orsbach. „Die Höhenströmung treibt die Gewitterzellen derzeit relativ schnell voran“, sagt er. Und zwar so schnell, dass „selbst Paris nicht weit weg ist“. Denn dort lauerte am Dienstagmittag die nächste Gewitterfront mit Kurs auf Aachen.

Am Pfingstwochenende hatte diese Höhenströmung der Region vier Gewitterzellen aus Frankreich beschert. „Die erste erreichte uns am Samstagabend“, doch die sei noch haarscharf an Aachen vorbei gezogen, sagt Laufer. In der Nacht von Sonntag auf Montag allerdings landete die Strömung einen Volltreffer. „Innerhalb von nur wenigen Minuten gingen 16 Liter pro Quadratmeter bei uns in Orsbach nieder.“ In der Stadt könne es sogar noch mehr gewesen sein. „Solche Mengen kann weder die Kanalisation noch der Erdboden aufnehmen. Das Wasser läuft dann an der Oberfläche ab und führt zu Stauungen und Überschwemmungen“, erläutert der Wetterfachmann. Die Gewitterzellen drei und vier erreichten am Montagabend und am Dienstagmorgen das Stadtgebiet. „Dabei gingen insgesamt 30 Liter pro Quadratmeter nieder – wieder innerhalb kürzester Zeit“, berichtet Jürgen Laufer. Doch damit nicht genug: „Hinzu kamen Orkanböen mit Windstärke 12, also mehr als 120 Kilometer pro Stunde.“ Die Spitzengeschwindigkeit habe am Dienstagmorgen sogar 230 Kilometer pro Stunde betragen. „Das sind Windgeschwindigkeiten, wie wir sie auch bei Kyrill hatte“, erinnert sich der Leiter der Orsbacher Station, „allerdings dauerten sie jetzt – anders als beim Orkan im Januar 2007 – nur wenige kurze Zeit an“.

Auch dafür ist übrigens die Höhenströmung verantwortlich, denn sie treibt laut Jürgen Laufer die Gewitterzellen auch einigermaßen flott über die Region hinweg.

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