Zum Spatenstich gibt‘s einen neuen Namen

Von: Gerald Eimer
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Symbolischer Spatenstich am sauber aufgehäufelten Sandhügel: Gemeinsam mit Oberbürgermeister Marcel Philipp (2.v.l.) griffen die Spitzen von ECE und Strabag auf der Baustelle an der Adalbertstraße zu den Spaten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Was die Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie? Nein Danke!“ in jahrelangem Kampf nicht geschafft hat, erledigt nun eine Marketingabteilung mit einem Federstrich: Die Kaiserplatzgalerie ist tot – es lebe das „Aquis Plaza Aachen“. Der gestrige Spatenstich für das Megaprojekt, auf den die Stadt so lange gewartet hat, wurde von den Bauherren ECE und Strabag auch für eine überraschende Namensänderung genutzt.

Der neue Name habe in Anlehnung an die römische Bezeichnung Aquis Granum einen starken Bezug zu Aachen, zur Historie der Stadt und sei doch modern, erklärte ECE-Regionaldirektor Klaus Grages bei der Bekanntgabe. Er könne auch grenzüberschreitend kommuniziert werden und werde sicher schnell geläufig werden, glaubt Grages. Eine Sicht der Dinge, die Oberbürgermeister Marcel Philipp beim großangelegten Festakt auf der Baustelle umgehend zurechtrückte: So wie er die Aachener kennt, werden sie auch in zehn Jahren noch von der Kaiserplatzgalerie sprechen...

„Kein Zurück mehr“

Doch die dürfen zunächst erst mal zur Kenntnis nehmen, dass es nach Jahren der Versprechungen und Ankündigungen nun tatsächlich losgeht. „Was gäben wir darum, wenn das heute nicht der Spatenstich, sondern die Eröffnung wäre“, sagte Philipp am Donnerstag. Noch vor einem Jahr war die Zukunft an der Adalbertstraße völlig ungewiss. „Jetzt sind wir froh, den Punkt erreicht zu haben, an dem es kein Zurück mehr gibt.“

Die nächsten zwei Jahren werden „verdammt anstrengend“, blickte der OB nach vorne. Die gegenwärtigen Verkehrsprobleme rund um den Kaiserplatz „sind ja erst der Anfang“. Staub, Dreck, Lärm – all das wird Anwohner und Geschäftsleute im Viertel bis ins Jahr 2015 hinein begleiten.

Der Lohn soll am Ende „ein Magnet für Aachen“ und ein „lebendiger Marktplatz“ sein, „auf dem das ganze Jahr über etwas los ist.“ So drückte es ECE-Geschäftsführer Andreas Mattner aus, der Donnerstagmittag gemeinsam mit dem OB und Strabag-Partner Rainer Maria Schäfer zu den Spaten griffen.

Die Partnerschaft der beiden Branchen-Riesen ECE und Strabag bezeichnen die Chefs selbst als Glücksfall. Selbstbewusst verkünden sie, dass damit in Aachen „die Besten antreten“. Mit 187 Shopping-Centern in 17 Ländern zählt das Hamburger Unternehmen ECE im Besitz der Familie Otto zu den Marktführern in Europa. In allen ECE-Centern zusammen erwirtschaftet das 1965 gegründete Unternehmen derzeit einen Jahresumsatz von 21 Milliarden Euro.

Dem steht Europas fünftgrößter Baukonzern Strabag kaum nach, der seit drei Jahren in Aachen mit am Ball ist und bereits an anderen Standorten mit ECE zusammenaufgetreten ist. Es sind die „professionellsten Partner, die man in dem Bereich haben kann“, lobte  OB Philipp, der sich zugleich über die Zusage von Mattner freute: „Uns werden sie nicht mehr los. Wir sind sehr standorttreu.“

Für rund 290 Millionen Euro soll nun ein gläserner Palast geschaffen werden, dessen markant geschwungene Fassade einem ganzen Straßenzug den Stempel aufdrücken wird. Das für Aachen so bedeutsame „Thema Wasser“, dass sich ab sofort auch im neuen Namen „Aquis Plaza“ ablesen lässt, soll dabei auch architektonisch sowohl an der Fassade als auch im Innern aufgegriffen werden, erläuterte Architekt Peter Thode und verweist auf Form- und Farbgebung. Mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Zudem sollen modernste energieeffiziente Leuchtmittel und zertifizierter Ökostrom zum Einsatz kommen.

Auf drei Ebenen sollen später gut 130 Geschäfte Platz finden, in denen gut 700 Menschen einen Arbeitsplatz finden sollen. Das zweite Obergeschoss soll vor allem dem Lebensmittelbereich mit gastronomischen Angeboten vorbehalten bleiben.

Zu potenziellen Mietinteressenten machten die Verantwortlichen noch keine Angaben. Sorgen, dass Flächen leerstehen könnten, machen sie sich aber ausdrücklich nicht. Es gebe beste Kontakte zu „starken nationalen und internationalen Filialisten“. Aber auch regionalen Einzelhändlern soll durch eine Staffelung der Mieten je nach Leistungsfähigkeit der Einzug ermöglicht werden.

„Gleichgewicht schaffen“

Auf zwei Etagen über der Galerie werden rund 600 Pkw-Stellplätze eingerichtet. „Wir haben einen hohen Anspruch“, betont Mattner, „wir wollen ein Einzugsgebiet von 1,2 Millionen Menschen ansprechen.“ Aachens Position als Einkaufsmetropole in der Dreiländer-Region werde dadurch nachhaltig gestärkt, meinen die Investoren.

Doch unter vielen Geschäftsleuten geht andernorts bekanntlich auch die bange Sorge um, einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb zum Opfer fallen zu können. Aufgabe der Stadt sei es, „ein Gleichgewicht in der Innenstadt“ zu schaffen, betonte Philipp. „Der kleinteilige Einzelhandel in der historischen Innenstadt hat seine Qualität, die wollen wir erhalten.“ Insbesondere der Bereich Markt und Großkölnstraße soll dabei besonders ins Auge gefasst und aufgewertet werden. „Wir hoffen, die Bedenken zerstreuen zu können.“ Er ist überzeugt: „In der Summe werden wir eine attraktivere Innenstadt haben.“

Zweieinhalb Jahre Bauzeit

Je nach Verlauf der derzeit noch laufenden archäologischen Ausgrabungen ist die Eröffnung des neuen Einkaufstempels für Herbst 2015 bis spätestens Frühjahr 2016 geplant. Mark Apelt kommt die Aufgabe zu, als Projektmanager für die Einhaltung des Zeitplans zu sorgen. In den nächsten fünf Monaten müssen zunächst im Bereich der Kirche massiv Leitungen verlegt werden, um die unterirdische Rampenzufahrt herstellen zu können, erläutert Apelt. Parallel dazu laufen weitere Abrissarbeiten und in Kürze auch die ersten Aushubarbeiten auf dem eigentlichen Baufeld. Bis in acht Meter Tiefe werde man sich vorarbeiten, bevor dann voraussichtlich im Januar nächsten Jahres die Bodenplatte gegossen wird und die Hochbauarbeiten beginnen können.

Im Oktober 2014 sollen dann bereits die kompletten Umrisse des neuen Shopping-Centers zu erkennen sein. Anschließend beginnen die Fassadenarbeiten. Die Haupteingangsbereiche werden an der Adalbertskirche und im Bereich Kugelbrunnen liegen

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