Zum Abschluss des Kunstprojekts gibt es eine Film-Weltpremiere

Von: Nina Krüsmann
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Der polnische Videokünstler Artur Żmijewski (vorne knieend) im Kreise einiger der Mitwirkenden an seinem Kunstprojekt, das im Ludwig-Forum zu sehen ist. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Weltpremiere im Ludwig-Forum: Am Freitag präsentierte der polnische Künstler Artur Żmijewski die Uraufführung des Films „Self-portrait“. Der berührende und zugleich komische Film ist im Juni letzten Jahres im Rahmen eines Workshops im Ludwig-Forum entstanden.

Unter der Leitung des Künstlers nahmen Menschen mit Behinderungen aus dem Haus Wiesental der Lebenshilfe Aachen sowie einige Bürger aus der Nachbarschaft des Ludwig-Forums an einem Workshop teil. Sie gestalteten gemeinsam ein Gruppenporträt und ein Skulpturenensemble, das nun im Garten des Museums steht. Besonders aufregend für alle Beteiligten aber waren die Dreharbeiten: Żmijewski hat die Gruppe nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in ganz privaten Situationen mit der Kamera begleitet.

„Das Thema Inklusion ist wichtig für uns. Wir möchten Menschen mit Behinderung oder andren Benachteiligungen kulturell teilhaben lassen und aktiv einbeziehen“, betonte Museumsdirektorin Brigitte Franzen im Vorfeld der Premiere. Genau genommen seien drei Kunstwerke entstanden. Das großformatige Selbstporträt der Teilnehmer hat seinen festen Platz neben dem berühmten Vorbild von Anselm Kiefer gefunden. Und auch die Skulpturen sind vorerst nicht aus dem Park wegzudenken.

Der 1966 in Warschau geborene Artur Żmijewski ist einer der international bekanntesten Künstler Polens. Gerne provoziert er den Bruch gesellschaftlicher Normen und Tabus sowie kontroverse Reaktionen. In mehreren Arbeiten hat er sich damit auseinandergesetzt, wie die Gesellschaft mit behinderten Menschen umgeht.

Das Anderssein akzeptieren

2012 hatte er bei einer Schau im Ludwig-Forum Blinde beim Malen und gehörlose Menschen beim Singen gezeigt. Wie der in Aachen bekannte Künstler Pawel Althammer hat auch Żmijewski bei Bildhauer Gregor Kowalski studiert. „Żmijewski zeigt uns, was es heißt, das Anderssein zu akzeptieren. Er möchte mit seinen Werken eine kritische Auseinandersetzung anstoßen“, erklärt Holger Otten, der das Projekt mit Miriam Lowack kuratiert hat. „Es war nicht einfach, Mitwirkende für den Film zu gewinnen, das zeigt, dass auf dem Gebiet der Inklusion noch einiges zu tun ist“, betont Otten.

Und auch dies ist ein Ziel des Projekts, nämlich die Öffentlichkeit zu erreichen und für den Inklusionsprozess zu gewinnen. Der 15-minütige Film zeigt die acht Protagonisten bei einer ersten Besichtigung im Ludwig-Forum. Unbefangen betrachten sie die Werke, sammeln Ideen und lassen sich von Anselm Kiefers Werk inspirieren. Nach und nach entstehen Selbstporträts, die zu einem großen Gemeinschaftswerk zusammengefasst werden. Im Park werden die Umrisse von drei Personen in Beton gegossen. Ein Kran bringt die fertigen Skulpturen in ihre Position.

Die Premiere des Films mit vielen geladenen Gästen war der krönende Abschluss des Projekts. Das Selbstporträt und die Skulpturen sind unbefristet ausgestellt.

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