Aachen - Zukunft des alten Bolzplatzes ist ungewiss

Zukunft des alten Bolzplatzes ist ungewiss

Von: Werner Breuer
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Der Bolzplatz an der Kleinbahnstraße wird von Kindern und ihren Vätern genutzt. Die Bezirksvertretung will ihn schließen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Stimmt etwas nicht mit dem Brander Wir-Gefühl? Da will die Bezirksvertretung den Bolzplatz an der Kleinbahnstraße aufgeben, weil er angeblich nicht mehr genutzt wird. Und dann steht Marco Bund mit ein paar anderen Vätern und kickenden Kindern auf eben diesem Platz und wundert sich. „Wir sind doch immer hier!“ Da haben die Bezirksvertreter wohl etwas übersehen.

Dafür hat jetzt der Kinder- und Jugendausschuss umso besser aufgepasst und die Vollstreckung des Brander Urteils vom Januar noch einmal ausgesetzt. Vor der endgültigen Schließung empfiehlt er noch einmal einen großen Ratschlag mit Anwohnern und vor allem den jungen Leuten aus dem Viertel.

Marco Bund hätte da einiges zu sagen. Zum Beispiel zum besonderen Reiz des alten Bolzplatzes mitten im Wohngebiet. „Mein Großer fährt mit dem Fahrrad hierher“, berichtet Bund. Auch die anderen Väter sind entspannter, wenn ihre älteren Kindern quasi unter den Augen der Nachbarschaft kicken. „Wenn mal etwas ist, können sie da auch klingeln.“

Zum neu angelegten Gelände am Freunder Heideweg würden sie ihre Sprösslinge schon deshalb nicht einfach ziehen lassen. In dessen Nachbarschaft gibt es nur das Theater Brand, ansonsten Wald und Wiesen. Zudem ist die Platzumfriedung dort gerade mal so hoch wie ein Eckfähnchen. Nach jeder vergeigten Flanke muss folglich einer durch den Zaun krabbeln und den Ball holen.

An der Kleinbahnstraße gibt es hingegen hohe Maschendrahtzäune. Die haben schon bessere Tage gesehen, und seit Marco Bund sich neulich an einer losen Ecke des Geflechts fies den Finger aufgeratscht hat, wünscht er sich für seine Kinder eine bessere Lösung, etwa mit stabileren Gittern. „Aber ein schlechter Zustand ist immer noch besser als gar kein Zustand“, meint er.

Ganz frisch war die Anlage Ende der 1980er Jahre, da wohnten in der Nachbarschaft noch viele Kinder im Alter von 12 oder 13 Jahren. Weil vor Jahren das Gebolze und der damit verbundene Krach die Anwohner nervten, wurde der Platz abgeschlossen. Seither hat Anwohnerin Gabriele Wahlen den Schlüsseldienst übernommen. Bei ihr habe sich niemand mehr gemeldet, hieß es im Januar in der Brander Bezirksvertretung.

Wahlen will das so nicht stehenlassen. „Richtig ist, dass der Bolzplatz bis Ende November 2012 von Kindern und Jugendlichen laufend benutzt wurde“, teilt sie den „Nachrichten“ mit. Danach habe das Bezirksamt sie telefonisch aufgefordert, den Platz nicht mehr zu öffnen, weil er ja doch nicht genutzt werde und es nicht viele Kinder im Viertel gebe. Dennoch zählt Wahlen immerhin zehn Kinder allein in der Kleinbahnstraße und registriert auch reges Interesse an der Bolzerei. Immer wieder sei sie um den Schlüssel gebeten worden, und Anfang April 2013 habe sie nach Rücksprache mit dem Bezirksamt ihren ehrenamtlichen Schließdienst wieder aufgenommen.

Die zwischenzeitliche Ruhe auf dem Platz kann Marco Bund kurz und bündig erklären. „Es war Winter.“ Und was für einer: Eis, Schnee, Frost, aber auch Matsch verdarben für längere Zeit die Lust auf den Kick an der Kleinbahnstraße, aber wohl auch anderswo. Seit das Wetter es wieder etwas besser mit ihnen meint, kommen Bund und die anderen wieder regelmäßig mit dem Ball unter dem Arm. „Eigentlich sind wir fast jedes Wochenende hier“, sagt er, an Werktagen so manchen Nachmittag.

Viele kommen aus der Nachbarschaft. Manche Väter sind in dem Viertel aufgewachsen und nach Zeiten in der Fremde hierher zurückgezogen, haben die Häuser von Eltern und Schwiegereltern umgebaut und sehen nun ihren eigenen Kindern beim Dribbeln und Passen zu. „Das Wohngebiet unterliegt einem Wandel“, meint Bund, und damit steige auch die Zahl der Kinder wieder. Zudem liege für die jungen Familien im Neubaugebiet Gödersfeld der Bolzplatz an der Kleinbahnstraße näher als die Anlage am Freunde Heidweg auf der anderen Seite der stark befahrenen Freunder Landstraße.

Großer Gedankenaustausch

Auf die große Zahl potenzieller Bolzplatznutzer im „Lebensraum Brand“ mit 2800 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 25 Jahren hatte die Verwaltung auch im Kinder- und Jugendausschuss hingewiesen. Sie rät zum großen Gedankenaustausch am Runden Tisch auch deshalb, weil der alte Bolzplatz Bestandsschutz genießt: Ist er einmal weg, kann später dort kein Spielgelände mehr angelegt werden. Bevor es so weit kommt, sollen nun die Brander das noch einmal gemeinsam beratschlagen. Das stärkt auch das Wir-Gefühl.

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