Aachen - Zukunft der Tageszeitungen: RWTH Aachen lädt zur Tagung ein

Zukunft der Tageszeitungen: RWTH Aachen lädt zur Tagung ein

Von: Martina Stöhr
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Aachen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es die Tagespresse, so wie wir sie kennen, nicht mehr geben wird.“ Mit diesen düsteren Worten beschrieb Professor Michele Barricelli vom Historischen Seminar Hannover die Zukunft der Tageszeitungen.

„Wir werden unsere Schüler nicht mehr zu Zeitungslesern machen“, fuhr er fort. Noch Ende der 1920er Jahre sei die Zeitung das schnellste Medium gewesen. Doch der heutige Vorsprung der Neuen Medien sei nicht mehr aufzuholen. Gemeinsam mit einer Reihe von Experten aus ganz Deutschland sind er und interessierte Lehrer auf Einladung der RWTH Aachen der Frage nachgegangen, wie die historische Tagespresse in den Geschichtsunterricht integriert werden kann.

Auf dem Programm der Tagung stand unter dem Titel „Zeitungen von gestern für das Lernen von morgen?“ eine Reihe von Vorträgen verschiedener Referenten aus ganz Deutschland. Zum Auftakt sprach Professor Frank Bösch aus Potsdam über Zeitungen als Quellen der Geschichtswissenschaft und über die Perspektiven der Mediengeschichte. Anschließend wurde die aktuelle Situation ebenso beleuchtet wie das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) in Aachen als Lernort. In seiner abschließenden Tagungsbilanz erinnerte Barricelli an die Hochzeiten des Zeitungswesens. Im Jahre 1927 sei es sicherlich eine Freude gewesen, die liberalen Kommentare der Zeitungen zu lesen, sagte er, warnte aber gleichzeitig davor, das geschriebene Wort immer gleich für bare Münze zu nehmen.

„Die Zeitung ist eine Reduktion von Welt“, sagte er. Und sie sei kein Zufallsprodukt. Es gebe immer jemanden, der ihren Inhalt bestimme. „Die Nachrichten sind gestaltet, und man will uns etwas glauben machen“, betonte er. „Zeitungen sind nicht geschrieben worden, um archiviert zu werden“, stellte er schließlich fest.

Um eine historische Zeitung lesen und verstehen zu können, brauche es viel Vorwissen. Mehr noch, um die manchmal zwischen den Zeilen versteckten Botschaften zu entschlüsseln. Nicht zuletzt deshalb scheint Barricelli die Auseinandersetzung mit der historischen Zeitung durchaus am Herzen zu liegen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit sei eine Möglichkeit, sich der Gegenwart zu erwehren, merkte er dabei an.

Die Tageszeitung in der heutigen Zeit beschrieb Barricelli aber nahezu als Anachronismus. „Wer in der U-Bahn eine Zeitung aufschlägt, der wird doch schon merkwürdig angeschaut“, sagte er. In jedem Fall ist es ihm aber wichtig, den historischen Schatz zu bewahren und zu hüten. Sein Fazit: Die Zeitung gehört zur historischen Bildung und damit auch in den Geschichtsunterricht. Doch Zukunft hat sie in ihrer ursprünglichen Form seiner Meinung nach nicht.

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