Zu viele Theater kann es nicht geben

Von: Gerald Eimer
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Vielfalt in der Theaterszene ist immer gut, findet Uwe Brandt. Im Sommer wechselt der 42-Jährige von seinem Posten im Oberbürgermeister-Büro ins Grenzlandtheater. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Zwei öffentlich subventionierte Theater, drei freie Bühnen mit festen Spielstätten und dazu noch ein kaum zu überblickendes Angebot freier Gruppen - ist das nicht ein bisschen viel für eine Stadt wie Aachen? Keineswegs, meint Uwe Brandt, der Vielfalt in der Theaterszene „immer gut” findet.

Und solange die Stimmung gut ist, komme auch das Publikum, ist er überzeugt.

Im Sommer wird der 42-Jährige den Intendantenposten im Grenzlandtheater übernehmen - einem Haus, das in dem „kulturellen Leitprofil”, an dem die städtische Verwaltung derzeit feilt, erstaunlicherweise nicht vorkommt. Das mag daran liegen, dass die Bühne in der Elisen-Galerie eine Einrichtung des Kreises ist. Dass sie in den „Handlungsstrategien der Stadt” bislang jedoch augenscheinlich keine Rolle spielt, wundert Brandt aber doch ein wenig.

Mit knapp 90000 Besuchern im vergangenen Jahr sei das Grenzlandtheater im Schauspielbereich immerhin „die größte Bühne der Stadt”. Es handelt sich also um eine kulturelle Einrichtung, die über mangelnden Publikumszuspruch nicht klagen kann. Eine Auslastung von 98,6 Prozent hat Noch-Intendant Manfred Langner soeben vermelden können.

„Es bleibt wie es ist, nur anders”, hatte Brandt seine Bewerbung für den Posten betitelt. Die Mischung aus zeitgenössischem Theater, Klassikern, Boulevard, Musikproduktion und Jugendstücken habe sich bewährt, sagt er und betont: „Der wichtigste Auftraggeber ist das Publikum.” Große Brüche will er daher den treuen Abonnenten nicht zumuten. Sein Anspruch: „Ohne Anbiederei den Leuten einen schönen Abend bereiten.” Überraschendes und Nachdenkliches schließe das nicht aus.

Was ihn besonders freut: Er soll nicht nur inszenieren, sondern darf auch selber auftreten. Sein schauspielerisches Handwerk hat Brandt im Das-Da-Theater gelernt, einer freien Einrichtung, mit der er nun um die Besuchergunst ringen muss. „Das ist jetzt wie unter Fußballern: Jeder versucht für seine Mannschaft Tore zu erzielen.” Der Konkurrenzgedanke halte sich aber in Grenzen. „Das Das-Da-Theater ist eine wunderbare Einrichtung, da sind meine Wurzeln.” Im übrigen erfreue sich kein Theatermann an den Misserfolgen der anderen.

Wichtiger Auftrag

Theater sollte aus seiner Sicht ohnehin an möglichst vielen Ecken angeboten werden - dies zu ermöglichen, sei ein wichtiger Auftrag an Politik und Verwaltung. Die lässt sich das durchaus viel kosten: 15 Millionen erhält das Theater Aachen von der Stadt, knapp eine Million überweisen Kreis und Land dem Grenzlandtheater, weitere sechsstellige Summen gehen an freie Gruppen.

In wirtschaftlichen Krisenzeiten wird bekanntlich schnell auf den Kulturetat geschielt. Einsparungen seien in diesem Bereich jedoch ebenso fatal wie bei Angeboten für Kinder und Soziales, meint Brandt. Man könne das Geld natürlich nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilen, zumindest aber müssten auch freie Gruppen verlässliche Zusagen und damit Planungssicherheit erhalten.

Wieviel Theater sich Aachen leisten kann und soll, ist eine der Fragen, die am kommenden Dienstag in einem Bürgerforum diskutiert wird. Kulturschaffende wie Brandt wollen dort mit den Bürgern diskutieren, welche Schwerpunkte die Stadt künftig setzen und wie sie ihr „kulturelles Profil” schärfen soll.

Stadt sucht den Dialog mit den Bürgern

Der Entwurf des kulturellen Leitprofils „Aachen macht Kultur” (abrufbar im Internet: http://www.aachen.de) wird in zwei „Bürgerdialogen” öffentlich diskutiert.

Im ersten Forum am Dienstag, 24. März, um 19 Uhr im Spiegelfoyer des Theaters geht es um die Themen Theater und Musik. Moderiert wird die Veranstaltung von den AN-Redakteuren Achim Kaiser und Gerald Eimer. Gesprächspartner sind unter anderem Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch, der Musiker Heribert Leuchter und Guido Roderburg vom Musikbunker sowie Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, Uwe Brandt, designierter Intendant des Grenzlandtheaters, und Tom Hirtz, Leiter des Das-Da-Theaters.

Interessenten können sich diesen Freitag noch beim Kulturbetrieb anmelden. Fax 0241/4324929, E-Mail: kultur@mail.aachen.de

Das zweite Forum am Montag, 30. März, 19 Uhr, im Ludwig-Forum befasst sich mit den Themen Bildende Kunst, Tanz, Film, Literatur und Crossover-Projekten.
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