Aachen - Zollmuseum in Horbach bangt um seine Sammlung

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Zollmuseum in Horbach bangt um seine Sammlung

Von: gei
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Bilder, Dokumente und Modelle
Bilder, Dokumente und Modelle aus der Geschichte des Zolls werden in Horbach präsentiert. Doch nicht nur der engagierte Pensionär Franz Lohmyer fragt sich jetzt: Wie lange Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Erbschaftsstreitigkeiten machen dem Zollmuseum in Horbach am ehemaligen Grenzübergang Locht zu schaffen. Die Betreiber befürchten, sich von einem Teil der Sammlung trennen zumüssen, um die Erben des Gründers Christian Friedrichs auszahlen zu können.

Die Lage ist vertrackt, weil die Rechtslage unübersichtlich ist und nicht alle Beteiligten handlungsfähig sind. So sieht derzeit auch die Stadt kaum Möglichkeiten, helfend einzugreifen. „Es geht um einen Rechtskonflikt im Privatbereich”, sagt Olaf Müller, Leiter des städtischen Kulturbetriebs, dem das Zollmuseum zugeordnet ist.

2000 Besucher jährlich

Die Immobilie befindet sich im städtischen Besitz, um die Sammlung kümmern sich im Auftrag der Heimatfreunde des Heydener Ländchens hingegen die beiden Pensionäre Franz Lohmeyer und Kurt Cremer. Regelmäßig an zwei Sonntagen im Monat und auf Anfrage bieten sie Führungen durchs Haus an und erinnern unter anderem an die Zeit der Schlagbäume, in der Zöllner noch Jagd auf Schmuggler machten.

Rund 2000 Besucher besichtigen jährlich die Ausstellung, sagt Lohmeyer. Nun allerdings sei die Zukunft unsicher. Denn die von dem ehemaligen Leiter des Hauptzollamtes Aachen-Nord, Christian Friedrichs, hinterlassene Sammlung muss möglicherweise in Teilen verkauft werden.

Hintergrund: Drei Kinder fordern jetzt den Pflichtteil ihres Erbes ein. Nach ersten Schätzungen belaufe sich der Wert der Sammlung laut Lohmeyer auf rund 60.000 Euro - was wiederum bedeutet, dass den Kindern die Hälfte, also rund 30.000 Euro zustünden. Doch woher das Geld nehmen?

Schwierig ist dies nicht nur, weil potenzielle Käufer nicht in Sicht sind. Schwierig ist dies auch, weil die von Friedrichs eingesetzte Alleinerbin schwer erkrankt und einem Verkauf gar nicht zustimmen könnte. So fehlt derzeit eine Handlungsbevollmächtigte.

„Wir wissen nicht, was zu tun ist, um das Museum zu erhalten”, sagt Lohmeyer. „Es gibt keine Klarheit.” Inzwischen ist die SPD den Heimatfreunden beigesprungen. Per Ratsantrag fordert sie eine dauerhafte Absicherung der Sammlung, um den Fortbestand des Museums zu sichern.

Jetzt müsse die Stadt einspringen, der Landtagsabgeordnete und Ratsherr Karl Schult­heis. „Mit dem Museum würde auch ein Teil der geschichtlichen Identität der Menschen, die hier über viele Generationen hinweg tagtäglich mit der Grenze gelebt haben, verloren gehen”, meint Schultheis.

Hände gebunden

Auch Kulturbetriebsleiter Müller sagt: „Wir schätzen sehr den hohen ehrenamtlichen Einsatz, der dort geleistet wird, und würden dieses Kleinod gerne in seinem Bestand erhalten.” Doch so lange die rechtliche Situation ungeklärt sei, könne auch die Stadt nichts machen. Wie eine städtische Unterstützung aussehen kann, lässt er vorerst offen.

Anhand von rund 3000 Exponaten gibt das Zollmuseum, Horbacher Straße 497, einen Einblick in diesen Teil der Geschichte des Grenzlands. Öffentliche Führungen gibt es jeden ersten und dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr und um 14.30 Uhr. Der Eintritt mit Führung ist frei. Weitere Termine können unter 0241/9970615 vereinbart werden.
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