Aachen - Zittern bei Linken, Zufriedenheit bei AfD, Ernüchterung bei Piraten

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Zittern bei Linken, Zufriedenheit bei AfD, Ernüchterung bei Piraten

Von: Werner Breuer
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Zufrieden: AfD-Ratsherr Markus Mohr freut sich über ein „gutes Ergebnis“ seiner Partei, die In den Landtag einzieht. Foto: Harald Krömer
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Zittern um den Einzug ins Landesparlament: Linken-Ratsfrau Ellen Begolli erlebt einen Abend zwischen Hoffen und Bangen. Foto: Michael Jaspers
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Ernüchtert: Piraten-Ratsherr Marc Teuku sieht das Scheitern als „Lernprozess“. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Ich gehe noch mal zum Zittern raus“, sagt Ellen Begolli so gegen sieben Uhr. Da hat die Ratsfrau der Linken schon rund eine Stunde auf die große Leinwand im Krönungssaal gestarrt. Ihre Partei wird da seit den ersten Hochrechnungen kurz nach 18 Uhr bei fünf Prozent geführt.

„Da kann sich noch was tun“, weiß Begolli. Es sind gerade einmal 0,1 Prozentpunkte, die über den Einzug der Linken in den Landtag entscheiden. Die Aachener Linken-Kandidaten Robert Schwedt und Igor Gvodzen hätten dann „viel Arbeit für wenig Lohn“ geleistet, meint Begolli, die für ihre Partei im Krönungssaal an diesem Abend die Stellung hält. Persönlich können die beiden ohnehin keine Ernte einfahren. Auch bei einem Einzug ihrer Partei ins Landesparlament hätten sie keine realistische Chance auf einen Sitz.

„Nur bedingt profitiert“

Das gilt auch für Bernd Reichert und Roger Lebien von der Alternative für Deutschland (AfD), aber ihre Partei muss nicht zittern. Die AfD hat die Fünf-Prozent-Hürde locker genommen. Zum 13. Mal in Folge ziehe seine Partei damit in einen Landtag ein, stellt der Aachener AfD-Ratsherr Markus Mohr fest. „Ein gutes Ergebnis“, meint er und blickt relativ gelassen auf die Leinwand, wo gerade die Ergebnisse der einzelnen Aachener Stimmbezirke einträufeln. Sie werden nichts mehr daran ändern, dass die AfD erstens im Landesparlament vertreten ist und zweitens Reichert und Lebien persönlich in Düsseldorf nicht mit dabei sein werden. „Aber sie haben einen engagierten Wahlkampf gemacht“, attestiert Mohr seinen beiden Parteifreunden. Der habe immerhin dazu geführt, dass die Partei „aus dem Stand“ mit einem Ergebnis von über sieben Prozent den Sprung in den Landtag geschafft habe.

Zuvor hatte Mohr im Land eine „ausgeprägte Wechselstimmung“ ausgemacht, wovon seine Partei allerdings „nur bedingt profitiert“ habe. Nun aber richte sich der Blick nach vorne. Sobald sich die Fraktion in Düsseldorf gebildet habe, werde sie die Prioritäten der politischen Arbeit festlegen, erwartet Mohr. Er geht davon aus, dass dabei das Thema Bildung ganz oben auf der Agenda stehen wird. Derweil zittert Linken-Ratsfrau Begolli zu diesem Zeitpunkt noch immer. Dabei richtet sich ihr Blick weniger auf die Aachener Zahlen, die selbst bei allergrößten Sympathien für die Linken die Partei auf Landesebene nicht über die Hürden wuchten könnten. „Insgesamt aber haben wir erheblich hinzugewonnen“, macht sich Begolli Mut.

Das Thema soziale Gerechtigkeit, das für ihre Partei im Wahlkampf ganz oben gestanden habe, scheine doch viele Menschen bewegt zu haben. Um das zu transportieren, seien ihre Kollegen Schwedt und Gvodzen in den vergangenen Wochen „von einer Veranstaltung zur nächsten gelaufen“. Nun drückt sie die Daumen, dass es – wenn schon nicht für die beiden persönlich – doch zum Einzug der Partei in den Landtag reicht. Doch die Aussichten werden im Laufe des Abends immer düsterer.

„Medienecho verloren“

Dieses Auf und Ab bleibt den Piraten immerhin erspart. Sie müssen nicht mehr hoffen und bangen, sondern können schon kurz nach 18 Uhr nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass es für sie nicht gereicht hat. „Wir haben ja schon im Bundestrend geschwächelt“, konstatiert Marc Teuku, der stellvertretende Vorsitzende der Piraten-Fraktion im Aachener Stadtrat. Seine Parteifreunde Udo Pütz und Stefan Kuklik hätten einen „guten Wahlkampf“ gemacht, auch die Ratsarbeit könne sich sehen lassen. Doch die große Welle, auf der die Piraten einst segelten, ist offenbar ausgelaufen.

„Irgendwann haben wir auch das Medienecho verloren“, glaubt Teuku, die Kameras hätten sich mehr auf andere Parteien gerichtet. So sei mehr über die AfD berichtet worden, „obwohl die gar nicht im Landtag war“. Den Piraten sei es selbst nicht gelungen, ihre Themen zu transportieren. „Dabei sind die ganzen Netzthemen noch da“, meint Teuku. Die politische Konkurrenz habe sie teilweise aufgegriffen, „aber sich nicht in der Weise damit auseinandergesetzt, wie wir es getan hätten“.

Blick auf Kommunalpolitik

Der Piraten-Ratsherr verbucht das allerdings auch als Lernprozess. „Wir sind vom System gefressen worden“, sagt er, Allzu naiv habe man geglaubt, mit den eigenen Ideen auch die anderen Parteien überzeugen zu können. Doch nun richte sich der Blick nach vorne. „Es gab die Piraten vor der Landtagswahl“, sagt Teuku, „und nach der Landtagswahl wird es sie auch geben.“ Die Partei sei in vielen Kommunalparlamenten vertreten und leiste dort gute Arbeit.

Aber Kommunalpolitik ist halt etwas anderes. Das erfährt die bangende Linken-Ratsfrau Begolli an diesem Abend, als ihr FDP-Vertreter viel Glück wünschen. Dabei würde ein Einzug der Linken in den Landtag die Option einer schwarz-gelben Koalition gefährden. Im Aachener Rathaus komme man aber gut miteinander aus, sagen die Liberalen. Vielleicht ein Trost für Ellen Begolli, obwohl es an diesem Abend für ihre Partei immer düsterer wird.

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