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Zensus 2011: Es geht zu wie am Goldtresor

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Harald Riese (links) und Gerd Salemink, Leiter der Erhebungs- und der Statistikstelle, beim Packen: Alle 450 Helfer beim Zensus 2011 erhalten zwei Pappkartons mit Fragebögen und Unterlagen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zurzeit ähnelt das erste Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes in der Habsburgerallee einem Hochsicherheitstrakt, mindestens aber dem Haupttresor von Fort Knox.

Unbefugten ist der Zutritt grundsätzlich verboten, über alle - angemeldeten - Besucher wird ein Vermerk im Kontrollbuch angelegt, nicht einmal die Kollegen aus den umliegenden Amtsstuben dürfen reinkommen. Niedergelassen hat sich auf dem Flur die „Erhebungsstelle” für den Zensus 2011, die ihre Arbeit zuvörderst unter folgenden Aspekten betreiben muss: Verschwiegenheit, Geheimhaltung, Datenschutz. Ab Mitte Mai werden in der Habsburgerallee die Ergebnisse dieser Volkszählung en miniature einlaufen, an der sich in der Städteregion immerhin 9000 Haushalte mit 41.000 Personen beteiligen müssen.

Das mit dem „müssen” ist wörtlich zu nehmen, denn wer eine Teilnahme verweigert, riskiert beträchtlichen Ärger mit der Obrigkeit. Allerdings gibt es bislang keine Hinweise, dass die Erhebung des Jahres 2011 auf dieselbe Skepsis und Abwehr trifft wie vor 24 Jahren, als in deutschen Landen zum letzten Mal die Häupter der Lieben gezählt und viele andere Informationen ermittelt wurden.

Auch in Aachen gab es damals massiven Widerstand bis hin zu Sabotageaufrufen, diesmal ist davon keine Rede: Flächendeckend hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass solche Aktionen kein Teufelszeug sind, sondern notwendige Grundlage, um über Zukunftsstrategien nachzudenken - von den Auswirkungen des demografischen Wandels bis zum Zuschnitt der Wahlkreise.

Doch vor der Auswertung der Fragebögen steht die Kleinarbeit: Bis zum Stichtag 9. Mai, wenn die Interviewer ausschwärmen, müssen unter anderem Hunderte von Pappkartons per Hand zusammengebaut und mit den Fragebögen und sonstigen Unterlagen gefüllt werden. Etwa 450 Freiwillige werden benötigt, um die - per Zufallsgenerator - ausgewählten Haushalte aufzusuchen und die ausgefüllten Papiere wieder mitzunehmen. Anders als früher gibt es beim Zensus 2011 zudem die Möglichkeit, den Fragebogen hinterher selbst in die Erhebungsstelle zu tragen oder auch per Internet mitzumachen.

Direkt unterm OB

Damit auch da nichts anbrennen kann, sind die Rechner der Erhebungsstelle vollkommen abgeschottet worden vom Rest der Stadtverwaltung, gearbeitet wird mit ganz speziellen Programmen. Die augenblicklich elf Mitarbeiter umfassende Abteilung ist, ebenfalls aus Sicherheitsgründen, dem OB direkt unterstellt worden - doch nicht einmal das Stadtoberhaupt kann ohne Anmeldung einfach so reinspazieren. Soviel Kontrolle dürfte es selten gegeben haben bei der Verwaltung.

Großer Wert wird auch auf die Schulung der Interviewer gelegt, die jeweils einen feststehenden „Arbeitsbereich” zugewiesen bekommen, der aus einem bestimmten Stück Städteregion besteht. Pro Person, die Rede und Antwort steht, gibt es 7,50 Euro; 2,50 Euro werden fällig, wenn der Bürger den Fragebogen selbst in Richtung Erhebungsstelle auf den Weg bringt - aber auch dann, wenn der Interviewer an zwei verschiedenen Tagen geklingelt, dennoch niemand geöffnet hat.

Die Schulungen beginnen in den nächsten Tagen. Harald Riese, Chef der Erhebungsstelle, und Gerd Salemink, Leiter der Statistikstelle, werden bei diesen Gelegenheiten mit allem Nachdruck darauf hinweisen, dass es ganz bestimmte Spielregeln gibt: Jeder Helfer muss sich schriftlich verpflichten, die Geheimhaltungsvorschriften einzuhalten, bei Zuwiderhandlung ist eine Strafe fällig. Und geduldet wird auch nicht, wenn der Interviewer den Interviewten mit sachfremden Themen behelligt, „wenn etwa jemand versucht, gleichzeitig eine Versicherung zu verkaufen” (Riese).

Das gilt natürlich auch und gerade für eine politische Instrumentalisierung der Hausbesuche. Angeblich haben rechtsradikale Gruppierungen ihre Mitglieder aufgefordert, sich als Zensus-Helfer zu bewerben, um Reklame für ihre Ideen zu machen. Bis dato hat man an der Habsburgerallee keine Anhaltspunkte dafür, dass dies auch in Aachen und Umgebung der Fall ist.

Insgesamt muss beim Zensus 2011 rund ein Drittel der Bevölkerung Auskunft geben, denn neben der oben geschilderten Haushaltsbefragung, der rund zehn Prozent der Bevölkerung unterzogen werden, gibt es die flächendeckende Gebäude- und Wohnungszählung; alle 17,5 Millionen Eigentümer erhalten dazu einen Bogen per Post.

Ende Juli soll die ganze Aktion abgeschlossen sein.
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