Aachen - Zehn Jahre OGS: „Wir fühlen uns vom Land allein gelassen“

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Zehn Jahre OGS: „Wir fühlen uns vom Land allein gelassen“

Von: Martina Stöhr
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Aachen. Die Offene Ganztagsschule (OGS) ist ein Erfolgsmodell. Davon sind Stefanie Koszucki, Geschäftsführerin des Vereins Betreute Grundschulen Aachen Stadt, und Frank Lohse, Fachberater Betreute Schule Aachen Land, überzeugt. Doch trotz eines positiven Resümees nach zehn Jahren Erfahrung in der nachmittäglichen Betreuung von Kindern, sehen sie Handlungsbedarf in einer ganzen Reihe von Punkten.

„Wir fühlen uns vom Land allein gelassen“, sagt Koszucki. Denn obwohl die OGS eine wichtige Aufgabe erfülle, hapere es an der Finanzierung. Die OGS brauche qualifiziertes Fachpersonal und das koste Geld. Geld, das nicht immer aufgebracht werde.

Wenn die Offene Ganztagsschule dennoch so hervorragend funktioniere, liege das in erster Linie am engagierten Einsatz ihrer Mitarbeiter. „Die haben mit viel Herzblut daran gearbeitet“, so Koszucki.

Sorgenkind Inklusion

Das Fachpersonal sorgt dafür, dass sich die Kinder in der OGS nachmittags in einer Art „erweiterten Lernlandschaft“ aufhalten. Die Aktivitäten am Nachmittag seien zunehmend mit den Lerninhalten des Vormittags verzahnt, führt Lohse aus.

Wenn im Unterricht beispielsweise das Mittelalter auf dem Programm steht, wird das Thema in den Nachmittag übernommen. In der OGS werden dann Burgen gebaut und Ritterspiele organisiert. Diese Verzahnung erfordere eine gute Kooperation von Lehrern und dem Fachpersonal am Nachmittag. Die funktioniere zwar sehr gut, werde bislang aber nicht entsprechend honoriert.

Überhaupt fehle es an Ressourcen: Vor allem mit Blick auf das Thema Inklusion. Niemand spreche von den OGS, wenn es darum gehe, Kinder mit Behinderungen in den herkömmlichen Schulbetrieb aufzunehmen, meint Lohse.

Doch auch die OGS brauche entsprechendes Fachpersonal, um der Situation gewachsen zu sein. Dass die Anmeldezahlen der OGS stetig steigen, zeige, dass es sich dabei um ein Erfolgsmodell handele. Ein Erfolgsmodell, das aber nicht die politische Aufmerksamkeit erhalte, die es verdiene.

Immerhin eigneten sie die Kinder nachmittags beim Spiel Kernkompetenzen wie Geduld und Ausdauer an, von denen dann auch die Lehrer im Unterricht profitieren würden.

Sei in den Anfängen befürchtet worden, die Kinder würden in der OGS nicht mehr als verwahrt, habe die Praxis gezeigt, dass die OGS weitaus mehr leisten kann, so Lohse.

Für die Zukunft wünscht er sich gemeinsam mit seiner Kollegin Stefanie Koszucki, dass auch mehr Männer als Fachkräfte für die OGS gewonnen werden können. Um das zu erreichen, müsse man natürlich auch mehr Geld in die Hand nehmen.

Wünschenswert sei außerdem ein weiterer Ausbau der Kooperation zwischen Lehrern und dem Fachpersonal am Nachmittag. Teamarbeit sei das Fundament einer gut funktionierenden OGS. Nur so könne eine ganzheitliche Förderung erreicht werden.

Ungerechte Finanzierung

Insgesamt schauen die Ganztagsexperten mit Stolz auf das, was sie in zehn Jahren geleistet haben. Für die Zukunft wünschen sie sich vor allem mehr Ressourcen. Das derzeitige Finanzierungskonzept der OGS sei ungerecht und führe dazu, dass die unterschiedlichen Einrichtungen je nach Ort ganz unterschiedlich bezuschusst würden.

„Es ist frustrierend zu sehen, welche Potenziale wir auf der Straße liegen lassen, weil wir nicht das Geld haben, sie zu fördern“, klagt Lohse. Und wünscht sich gemeinsam mit Stefanie Koszucki mehr Unterstützung für die Zukunft.

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