Zeelink-Verfechter sollen die Brander Stiere kennenlernen

Von: Gerald Eimer
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Naturschutzgebiet in Gefahr? Die Gegner der geplanten Trassenführung für das Pipeline-Projekt Zeelink sorgen sich auch um das Indetal. Für Montag kündigen sie Protest an. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es wird hoch hergehen am kommenden Montag im Pfarrzentrum Brand. Das prophezeien Vertreter einer frisch formierten Bürgerinitiative und Politiker, die die kürzlich vorgelegten Trassenpläne für die neue Gaspipeline Zeelink unter allen Umständen verhindern wollen. „Wir werden präsent sein und Gegenwind ankündigen“, sagt Paul Goebbels, Sprecher von Aachens jüngster Bürgerinitiative.

Der Pfarrsaal, vermutet er, werde wohl kaum Platz genug für den sogenannten Dialogmarkt bieten, den Zeelink ausrichtet und auf dem das Pipeline-Projekt näher vorgestellt werden soll.

„Die haben die Brander Stiere noch nicht erlebt“, warnt auch FDP-Ratsherr Peter Blum die Zeelink-Verantwortlichen vor, „die sollten sich warm anziehen.“ Unter den politischen Parteien sind die Liberalen die ersten, die am Mittwoch öffentlich gegen Zeelink vom Leder gezogen haben. Doch der Widerstand gegen die Ferngasleitung, die von Lichtenbusch nach Ahaus führen und bereits in vier Jahren in Betrieb genommen werden soll, ist parteiübergreifend. Und auch die Stadtverwaltung will den nun geplanten Verlauf nicht widerspruchslos akzeptieren, wie vergangene Woche im Planungsausschuss bekräftigt wurde.

Denn anders als von der Stadt favorisiert, will Zeelink die Pipeline nicht entlang der Autobahn A 44 verbuddeln, sondern etwas weiter südlich. Betroffen wären damit unter anderem auch die geschützten Gebiete Indetal und Brander Wald. Man könne doch nicht „das größte Naturschutzgebiet, das wir haben, einer Pipeline opfern“, wetterte Blum am Mittwoch. Es drohe wichtiger Lebensraum für seltene Tiere wie den Eisvogel, die Gelbbauchunke oder den Schwarzmilan gestört zu werden. Auch bei einer kurzen Baumaßnahme seien die Tiere erstmal weg. Und übrig bleibe am Ende eine 30 Meter breite Schneise, auf der später bestenfalls noch Gestrüpp wachsen dürfe.

Überhaupt präsentierte sich die FDP am Mittwoch „grüner als die Grünen“, wie es neben Blum auch Gretel Opitz und Eckart Mueller umschrieben. Nie hätten sie es für möglich gehalten, dass „unter Rot-Grün mal zigtausende Bäume gefällt und Naturschutzgebiete plattgemacht werden“, erklärten sie, womit sie nicht nur auf die geplante Pipeline anspielten, sondern auch auf die Baumfällungen im Münsterwald, mit denen dort der Bau von sieben Windkraftanlagen vorbereitet werden soll.

„Da stirbt die Natur für die Umwelt“, kritisiert die FDP, die von Anbeginn an gegen die Windkraftpläne im Münsterwald war und sich frühzeitig auf die Seite einer dort aktiven Bürgerinitiative geschlagen hat. Und wie jene wirft auch FDP-Mann Mueller Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) Wortbruch vor.

Denn Philipp habe einst versprochen, keine Fakten schaffen zu wollen, bevor die Lage nicht rechtlich einwandfrei geklärt sei. Dass nun schon riesige Schneisen in den Wald geschlagen worden sind, bevor das Oberverwaltungsgericht zu einem Urteil gekommen ist, nennt Gretel Opitz „Frevel“. Und auch Mueller, der die Windkraftpläne dort weder für ökologisch sinnvoll noch für wirtschaftlich hält, ist nach wie vor empört. „Was ist, wenn die Anlagen nicht kommen? Der Wald ist ja nun schon mal weg.“ Mindestens 30 Jahre benötigen die Bäume – allesamt bedeutende CO2-Speicher – zum Nachwachsen.

Und während sich die Aufregung im Aachener Süden über die Baumfällungen nicht legen will, hofft die FDP nun zugleich den Schwung für den Protest gegen Zeelink nutzen zu können. „Der Widerstand muss aus der Bevölkerung kommen“, sagt Peter Blum in bester Sponti-Manier. Er ist jedenfalls überzeugt, dass das letzte Wort über die Trassenführung noch nicht gesprochen ist.

So sieht es offenbar auch die Bürgerinitiative, die nun auf die Rückendeckung aus der ganzen Stadt hofft. Noch sei intern einiges zu koordinieren, auch soll die Runde der Beteiligten noch deutlich wachsen. Doch schon beim ersten großen Auftritt am kommenden Montag, 20. März, ab 19 Uhr im Pfarrzentrum Brand, Hochstraße 16, soll klargestellt werden, dass Zeelink mit den aktuellen Trassenplänen in Aachen kein leichtes Spiel haben wird.

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