Whatsapp Freisteller

Zahl der Verurteilungen ist an einer Hand abzuzählen

Von: jpm
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Fünf Jahre ist es her, dass eine junge Frau, die unter Einfluss von K.-o.-Tropfen vergewaltigt worden war, bei Monika Bulin und Agnes Zilligen Hilfe suchte.

„Das erste Mal, dass wir mit dieser hinterhältigen Art von Verbrechen konfrontiert wurden”, erinnern sich die beiden Mitarbeiterinnen vom Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen.

Leider nicht das letzte Mal. Wegen vermehrt auftretender Fälle wurde 2006 die Präventionskampagne „K.o.cktail - Fiese Droge im Glas” ins Leben gerufen, die bis heute läuft.

Und am Samstag luden Bulin und Zilligen zur Fachtagung „Neuland: Therapeutischer Umgang mit Opfern von K.o.-Tropfen” ein. Aus ganz Nordrhein-Westfalen reisten Gäste an und untermauerten damit die Vorreiterrolle, in der der Aachener Frauennotruf sich sieht.

Berichtet wurde von stets nach demselben Schema verlaufenden Fällen. Das Opfer fühlt sich zunächst stark alkoholisiert, es folgt ein Zustand der Willenlosigkeit. Schließlich reißt die Erinnerung ab, Körperfunktionen setzen aus.

„Das war heute die Grundlage für eine landesweite Vernetzung”, so Agnes Zilligen nach der Tagung. Und somit der Beginn eines gebündelten Vorgehens gegen die Täter und die Folgen von Vergewaltigung unter K.-o.-Tropfen. Denn dieses ist in jeder Hinsicht äußerst schwierig - aus physischen, therapeutischen und juristischen Gründen gleichermaßen.

„Im Urin ist der Wirkstoff zwölf Stunden nachweisbar, im Blut sogar nur sechs Stunden”, weiß Monika Bulin. Da selbst Sanitäter und Ärzte die außer Gefecht gesetzten Opfer häufig schlicht für Schnapsleichen halten, bleibt es später meist beim Verdachtsmoment. Grundsätzlich sollte in solchen Fällen daher vorsorglich eine Blutprobe genommen werden, so eine Empfehlung der Tagung.

Therapeutisch ist die Aufarbeitung gerade durch fehlende oder zumindest bruchstückhafte Erinnerung schwierig. Monika Bulin: „Neben sehr häufig mit Sexualverbrechen einhergehenden Schuld- und Schamgefühlen bleiben Verunsicherung, Irritation und Zweifel. Das Geschehene kann nicht logisch eingeordnet werden.” Ferner ist durch den „Filmriss” von einer enormen Dunkelziffer auszugehen.

Nur ein Verstoß

An einer Hand abzählen können Monika Bulin und Agnes Zilligen dagegen die ihnen bekannten Fälle, bei denen es später zu einer Verurteilung kam. Denn selbst wenn die Chemikalie - etwa bei einer Routinekontrolle - zum Vorschein kommt, liegt zunächst nur ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. So wird auch eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei angestrebt.

Zumindest was die Zielgruppe ihrer Präventionsarbeit - vor allem Frauen im Teenager- oder frühen Erwachsenenalter - betrifft, kann Monika Bulin Positives berichten: „Obwohl Frauen gerade in diesem Alter Männer kennenlernen möchten, sind die meisten zurückhaltend, wenn ein offenes Getränk spendiert wird.”

Das Angebot der Beratungsstelle richtet sich an Frauen und Mädchen ab 15 Jahren, die sexuelle Übergriffe erlebt haben oder noch erleben. Kontakt: Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V., Kurbrunnenstraße 48 (Nähe Normaluhr), Telefon: 54 22 20, info@frauennotruf-aachen.de

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert