Zahl der Baustellen nimmt eher noch zu

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
gise-bu
Liegt in der Hitliste der Baustellen mit der größten Streuwirkung weit vorne: der Abschnitt Boxgraben/Lagerhausstraße, der zwischen Mozartstraße und Zollamtsstraße bis Dezember 2011 erneuert wird. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Baustellen und kein Ende in Sicht. Die Frage, ob die subjektive Meinung vieler Autofahrer zutreffe, dass es immer mehr Baustellen auf Aachens Straßen gebe, konnte am Donnerstag in einer großen Pressekonferenz von Stadt und Versorgungsunternehmen nicht abschließend geklärt werden. Klar wurde aber: Es werden nicht weniger, sondern eher mehr.

Die einleuchtende Erklärung dafür lieferten Beigeordnete Gisela Nacken: „Straßen verbrauchen sich, und es ist nicht abzusehen, dass das aufhört.” Asphaltdecken haben in Abhängigkeit von Verkehrsbelastung, Klima und Untergrund eine maximale Lebensdauer von 30 Jahren. Um die Infrastruktur zu erhalten, sind kontinuierliche Sanierungsarbeiten erforderlich.

Das gilt genauso für das Kanalnetz in Aachen. Stawag-Vorstand Dr. Peter Asmuth: „Die Stadt ist nach dem Krieg in den 50er, 60er und 70er Jahren sehr schnell gewachsen. Da die technische Nutzungsdauer etwa von Kanälen oder Stromleitungen 50 bis 70 Jahre beträgt, „haben wir hohen Erneuerungsbedarf”. Alternativen gebe es nicht, sonst würden die Störungen zunehmen: „Es will doch keiner, dass Straßen unterspült werden.” 25 Millionen geben allein die Stadtwerke jedes Jahr aus, es könnte sogar noch mehr sein angesichts eines Streckennetzes von 2000 Kilometer. Die Kanäle in der Innenstadt sind in großen Bereichen sogar mehr als 100 Jahre alt.

Wichtig sei, so die Verantwortlichen, dass die Bürger frühzeitig informiert würden und die Arbeiten untereinander gut koordiniert werden. Abgesprochen nicht nur zwischen Stadt und Stawag, sondern auch mit Polizei und Verkehrsbetrieben. Man habe aus der Vergangenheit gelernt und startete deshalb am Donnerstag eine Informationsoffensive, was sich in den Monaten März bis Juni auf den Straßen tut.

So stehen für das Frühjahr mehr als 30 kleinere oder größere Baumaßnahmen an, etwa die Erneuerung des Mühlentals in Burtscheid, der Bau der Brücke am Tivoli und Sanierungsarbeiten auf dem Adalbertsteinweg. Die längste Baustelle ist auf der Trierer Straße (4,35 Millionen Euro Gesamtkosten), deren letzte Ausbaustufe im Mai vollendet sein soll, die prominenteste der Katschhof mit der Sanierung von Kanal- und Versorgungsleitungen sowie dem Anlegen einer Freitreppe, die größten Behinderungen werden an der Römerstraße (Sanierung des Kanals von Normaluhr und Vereinsstraße) und weiterhin beim Ausbau des Boxgrabens (Fertigstellung im Dezember 2011) erwartet.

Nicht zu vermeiden

Denn: „Wir können nicht zaubern, setzen ein Harry-Potter-Zelt drauf und die Straße ist in Ordnung. Beschränkungen wird es immer geben”, spricht Baudezernentin Gisela Nacken deutliche Worte. Und da man durch den strengen Winter zwei Monate verloren habe, werde es sich in diesem Quartal etwa knubbeln. Und im nächsten werde es nicht viel anders sein, der Termin für die dann stattfindende Pressekonferenz steht schon fest.

Archäologische Funde, die beispielsweise auf den Katschhof zu erwarten sind, erleichtern die Arbeit der Straßen- und Kanalbauer nicht gerade, außerdem sind bestimmte Zeiten des Jahres tabu, etwa während des Weihnachtsmarkts oder die Wochen um die Karlspreisverleihung.

Deshalb könne man gar nicht anders, als an mehreren Stellen gleichzeitig zu buddeln. Bis zu 20 Baustellen gleichzeitig hält Abteilungsleiterin Regina Poth für notwendig, um die Netze zu erhalten. 15 Millionen gibt die Stadt in diesem Jahr für Straßenbaumaßnahmen aus, hinzu addieren rund zwei Millionen für den Unterhalt von Straßen und Brücken, ergänzt Abteilungsleiterin Gisela Weiß. Die reichen allerdings nur für die notwendigsten Reparaturen, etwa von Winterschäden, brauchen könnte sie nach Berechnungen von Wissenschaftlern durchaus sieben bis acht Millionen. So bleibt es trotz des vielen Geldes oft nur bei Flickschusterei und den notwendigsten Ausbesserungen: „Ich würde jeden Euro mehr gerne nehmen.”

Ein weiterer Partner ist im Boot, der ebenfalls für Absperrungen auf Aachens Straßen sorgt, allerdings mehr auf den Bürgersteigen: Net Aachen. Zehn Kilometer Glasfaserkabel hat man im letzten Jahr vorwiegend in der Innenstadt verlegt, 15 sollen es in diesem Jahr werden, vor allem im Osten und Westen des Kerns. Dafür werden acht Millionen Euro in die Hand genommen. 4000 Haushalte liegen an den bisherigen Trassen, 500 davon haben sich anschließen lassen.

Warum kein Arbeiter mehr zu sehen ist

Viele Menschen wundern sich, dass es bei großen Baustellen anfangs schnell vorangeht, später aber langsam. Dies liege daran, dass zunächst die großen Kanalrohre verlegt werden, anschließend gehe es jedoch an die Hausanschlüsse, sagt Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenplanung. „Das ist ein sehr kleinteiliges Geschäft und zieht die Baumaßnahmen in die Länge.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert