Aachen - Wohnungssuche muss kein Alptraum sein

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Wohnungssuche muss kein Alptraum sein

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Rainer Janssen, Thomas Hübner, Rolf Frankenberg, Hans-Dieter Collinet und Reinhard Gerlach tauschen sich im Haus Löwenstein über den Wohnungsmarkt in Aachen aus (v. l.). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Stark steigende Grundstückspreise, explodierende Baukosten: Die Situation im Wohnungsbau in den Städten ist angespannt. Bauen im Spannungsfeld zwischen öffentlich gefördertem und „normalem“ Wohnungsbau war in dieser Woche das Kernthema einer Abendveranstaltung des Vereins Aachen Fenster im Haus Löwenstein, der Titel „Wohnen für alle in der Stadt, ein Wunschtraum?“, eröffnet von Vereinssprecher Hans-Dieter Collinet.

Nein, es muss kein Wunschtraum bleiben. Das war den Vorträgen von Fachleuten aus Verwaltungen des Landes und der Stadt, der Gewoge sowie aus dem Architektenbereich zu entnehmen. Alle warnten vor Panikmache, stellten dem Aachener Wohnungsmarkt sogar ein ganz gutes Zeugnis aus. In einem Bereich herrsche echter tatsächlicher Mangel: Es gibt zu wenig Baugrund in Aachen, sowohl für private Bauvorhaben als auch für Gewerbeansiedlungen.

Der Vertreter des Landesbauministeriums, Rainer Janssen, gab einen Überblick über die Landesförderungen im Wohnungsbau. Öffentlich geförderter Wohnungsbau sei kein Merkmal mehr für Wohnbau in schlechter Qualität, betonte er. Im Gegenteil seien Wohneinheiten, die man nur mit einem Wohnberechtigungsschein mieten kann, bei Mieten zwischen 5,75 bis 6,75 Euro pro Quadratmeter oft Unterkünfte in reizvollen Wohnanlagen.

Immer wieder kam auch bei weiteren Vortragenden eine von der Gewoge, der städtischen Wohnungsgesellschaft, eine Anlage zur Sprache: Die jüngst fertiggestellte Anlage an der Stolberger Straße heimste viel Lob ein. Die Anlage erhielt 2017 den Architektur-Preis des Landes NRW.

Mieten im „roten Bereich“

Das mochte Gewoge-Vorstand Thomas Hübner gerne hören. Er bestätigte, dass die Anlage an der Stolberger Straße eine tolle Wohnanlage sei, jedoch als Invest „so gerade auf Kante genäht“ fertiggestellt wurde. Das müsse nicht immer so sein, meinte Hübner, und verwies auf das Gewoge-Projekt am Prager Ring, das für die Bewohner ebenso gelungen, aber wesentlich billiger gebaut wurde.

Janssen gestand ein, dass auch in Aachen die Miete „im roten Bereich“ liege. Mit einer Entwarnung sei auch nicht so schnell zu rechnen. Er wies auf die Möglichkeit sogenannter Tilgungsnachlässe im öffentlich geförderten Bereich hin, die für private Bauherren hohe Nachlässe erbringen können.

Allerdings falle immer mehr geförderter Wohnungsbau aus der sogenannten „Bindung“, also aus der Pflicht, auch weiterhin zu günstigen Preisen vermietet zu werden, wie auch Rolf Frankenberger erklärte. Der Ersatz hinke trotz der städtischerseits praktizierten Quotenauflage von 20 bis 40 Prozent bei Neubauten hinterher.

Der Vertreter der Architekten, Reinhard Gerlach (pbs-architekten), beklagte die fehlende Bodenpolitik in der Stadt. Bislang auf den Weg gebrachte Neubauprojekte wie die erwähnte Anlage an der Stolberger Straße, der Gute Hirte in Süsterfeld oder die Bebauung der Fläche der ehemaligen Tuchfabrik Becker in Brand seien vorzeigbar, hier gebe es immer einen großen Anteil von Wohnungen mit öffentlicher Förderung.

Man müsse wissen, dass manche Mietwohnungen im Privatbereich oft trotz niedriger Mieten schlecht vermietbar seien. Und viele wüssten gar nicht, klärte Hübner auf, dass bis zu 50 Prozent der Aachener durchaus einen Wohnberechtigungsschein beantragen können.

Die Crux in Aachen, das betonte der ehemalige Ministerialdirigent und Landes-Städteplaner Collinet, sei die „mangelhafte Bodenvorratspolitik“ der Stadt und die heute noch an den Stadtgrenzen Halt machende Baupolitik: „Wir brauchen Pläne, die in den Altkreis reichen. Dass der städtebauliche Masterplan an der Stadtgrenze endet, ist ein Anachronismus.“

 

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