Aachen - Wohnungsnot: Studieren mit Camping-Atmosphäre

Wohnungsnot: Studieren mit Camping-Atmosphäre

Von: Gerald Eimer
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In München stehen bereits stu
In München stehen bereits studentische Wohncontainer, wie sie bald auch in Aachen aufgestellt werden könnten. Sie sollen die erwartete Wohnungsnot abmildern. Foto: Studentenwerk München

Aachen. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Ideen: Stadt und Hochschule denken derzeit verstärkt über den Bau eines Containerdorfs für Studenten nach. „Wohncontainer wären aus meiner Sicht eine Ideallösung”, sagt Elke Ariëns, Hochschulbeauftragte der Stadt. Ideal, weil sie schnell aufzustellen sind und damit die in den nächsten Jahren erwartete Wohnungsnot abmildern könnten.

Insbesondere die Doppeljahrgänge durch die verkürzte Schulzeit werden die Studentenzahlen bekanntlich vorübergehend in die Höhe treiben und alle Hochschulstädte vor enorme Probleme stellen. Ariëns erwartet für Aachen bis zum Wintersemester 2014/15 einen Anstieg der Studentenzahlen um gut 20 Prozent auf dann bis zu 50.000 Studierende. Danach würden die Zahlen langsam wieder absinken und sich bei rund 40 000 einpendeln.

Wie viele Neueinschreiber wirklich auf den Aachener Wohnungsmarkt drängen, kann niemand genau vorhersagen. „Die Bereitschaft zum Pendeln ist schwer einzuschätzen”, sagt Ariëns. Dennoch rechnet die Stadt schon jetzt mit einem zusätzlichen Bedarf von mindestens 4000 Studentenunterkünften. Das Problem: Nur 1500 werden bis zum Scheitelpunkt im Jahr 2014 fertiggestellt sein.

So ist der Aufbau sogenannter Wohnwürfel längst mehr als eine Gedankenspielerei. Nach Auftragserteilung könnten sie schon in zwei bis drei Monaten bezugsfertig sein, meint Ariëns. Sie hätten fließend Wasser, Strom und könnten beheizt werden. Und sie bieten so etwas wie Campingplatz-Atmosphäre.

Zu besichtigen sind solche Wohncontainer in Deutschland bislang einzig in München, wo sie 2005 aufgestellt wurden, um den knappen Wohnraum etwas zu erweitern. Heute seien sie eigentlich nicht mehr nötig, heißt es im dortigen Studentenwerk. „Weil sie aber so beliebt sind, lassen wir sie trotzdem stehen”, sagt Julia Eggs aus der Presseabteilung.

Auf engstem Raum sind Bad, Bett, Küchenzeile, Arbeitsplatz, Schrank und Regale untergebracht. Entworfen hat sie der Münchener Professor für Gebäudelehre Richard Horden. Die Kosten lagen damals bei 100 000 Euro pro Würfel.

In Aachen rechnet man damit, die Container deutlich preiswerter beschaffen zu können. Samt Aufbau und Anschluss sind 50 000 Euro pro Stück veranschlagt. Zu den üblichen Wohnheimkosten des Studentenwerks könnten sie dann voraussichtlich vermietet werden - etwa ab 160 Euro im Monat. Weil sie sehr variabel seien, könnten die Container auch gestapelt werden, sie seien miteinander zu verbinden und dann sogar WG-tauglich, meint Ariëns.

Aktuell liebäugelt die Hochschulbeauftragte mit zwei Flächen, wo solche Wohnwürfel installiert werden könnten: An der Burggrafenstraße unweit des Europaplatzes sowie auf dem Campus Melaten. Es müssten einzig Versorgungsleitungen gelegt, ein tragfähiger Untergrund geschaffen und Straßenabindungen gebaut werden. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern könnten etwa 80 Personen wohnen.

Die Sorge, dass die jetzt geplanten neuen Studentenwohnungen eigentlich erst fertig werden, wenn sie gar nicht mehr gebraucht werden, wäre die Stadt damit los: Sobald die Studentenzahlen sinken, könnten auch die Container wieder verschwinden.
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