Wo wohnen die Campus-Beschäftigten?

Von: Werner Breuer
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Großes Interesse: Das Thema „Wohnen und Einkaufen” lockte viele Besucher ins Super C. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Hans Hoorn hat die Zauberformel. Der Stadtentwickler - einst in Maastricht tätig und inzwischen europaweit gefragt - kann wunderschön und humorvoll erklären, wie man Städte attraktiv macht.

Aber seine Zauberformel ist einigermaßen kompliziert, passt nicht unbedingt zu den Gewohnheiten von Kommunalpolitik und Verwaltung und besteht aus einer ganzen Reihe von Maßnahmen. Hoorn erklärte sie wortreich bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Campus.

Die Gesprächsrunde - Teil einer ganzen Reihe und veranstaltet von der Initiative Aachen, der RWTH Aachen Campus GmbH und dem Zeitungsverlag - widmete sich diesmal dem Thema „Wohnen und Einkaufen” und lockte rund 400 Zuhörer ins Super C am Templergraben. Sie hatten sichtlich ihren Spaß an den klaren Worten des Niederländers. Hoorn kann zum Beispiel „nicht verstehen, warum man einen Campus baut ohne Wohnen”.

Nicht so einfach

Harald Heinz vom Architektenbeirat der Stadt berichtete immerhin von „Bemühungen, Wohnen und Einkaufen in die Campus-Pläne zu integrieren”. Zwar sei die Hochschule in die Stadt integriert, „bei den Clustern auf dem Campus wird das aber nicht so einfach”. Am Westbahnhof sieht Heinz durchaus die Chance, dass dort ein „neuer Stadtteil” entstehen könnte, „daran müssen wir arbeiten”.

Auch im Campus Melaten hält er beiderseits der Erschließungsachse „verschiedene Nutzungen” für angebracht. „Geschäfte sind wohl nicht das Problem”, meint Heinz. Und als Wohngebiet wäre der Bereich sicher auch attraktiv. Allerdings müsse auch die Lärmbelästigung bedacht werden.

Das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten sei schließlich nicht unproblematisch, meint auch Lars Klatte, der bei der Campus GmbH für die Wohnbebauung zuständig ist. Wo aber werden die vielen tausend Menschen wohnen, die dereinst in den beiden Campus-Gebieten arbeiten sollen?

Nicht für alle Platz

„Nicht für alle, die dort arbeiten, ist auch Wohnraum in dem Gebiet verfügbar”, meint Klatte. Die konkrete Nachfrage von Moderator Robert Esser, ob die Stadt denn dort lieber mehr Wohnungen hätte als die Campus GmbH, beschied Klatte mit einem klaren Ja.

So müssen sich die Menschen, die in den künftigen Forschungs-Clustern ihre Brötchen verdienen, wohl anderweitig nach Wohnraum umsehen. Die Nachfrage in den zentralen Lagen der Stadt werde wohl steigen, meint Werner Wingenfeld. Der frühere Leiter des Aachener Planungsamtes und heutige Stadtbaurat in Bonn kann sich durchaus vorstellen, dass ehemals gewerblich genutzte Gebäude zu Wohnzwecken umgebaut werden.

„Das bringt aber nicht die Menge”, glaubt Wingenfeld. Harald Heinz hält „hochwertigen Wohnungsbau durch Verdichtung im zentralen Bereich” für möglich. Zudem hat er im Aachener Norden „verborgene Qualitäten” ausgemacht.

Nicht begeistert

Denkbar wäre aber auch die Vision des Hans Hoorn: Wenn die niederländische Nachbarstadt Heerlen über entsprechenden Wohnraum und zudem eine schnelle Verbindung zu den Campus-Gebieten verfüge, könne sie die Wohnungssuchenden aus Aachen abziehen. Die gute Erreichbarkeit ist auch beim Einkauf ein „wichtiges Thema”, meint Rolf Pangels vom Handelsverband Deutschland. Er räumte ein, dass die „wohnungsnahe Versorgung” in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Nach Ansicht von Hans Hoorn rangiert die Erreichbarkeit bei Stadt-Besuchern allerdings viel weiter hinten. Wichtiger seien ihnen andere Faktoren wie etwa auch die Aufenthaltsqualität. Da spiele auch die Architektur eine Rolle, und schlechte Architektur könne man einfach abreißen - „Sie haben doch hier so einen Bushof...”

Ebenso klare Worte fand der Niederländer für die Campus-Bebauung: „Ich habe die Pläne gesehen”, so Hoorn, „und mir gesagt: Ich möchte hier nicht tot gefunden werden.”
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