Aachen - Wo Aachen am ärmsten ist

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Wo Aachen am ärmsten ist

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Werk ist 160 Seiten stark, bietet neben viel Text auch eine Menge Tabellen und Grafiken und dazu die immer gleiche Karte in unterschiedlichen Farbschattierungen.

Mal ist die Innenstadt blassgelb und die südlichen Stadtbezirke sind dunkelgrün, mal ist der Süden rot und der Norden weiß. Abgebildet würden auf diese Weise alle Aspekte der sozialen Wirklichkeit der Stadt, meint Oberbürgermeister Jürgen Linden.

„Wir betreten damit Neuland”, sagte Linden jetzt bei der Vorstellung des ersten Sozialentwicklungsplans. Der soll für Politik und Verwaltung klar erkennbar machen, wo in Aachen „der Baum brennt”, wie es Personaldezernent Heinz Lindgens formulierte.

Dafür hat die Verwaltung haufenweise Daten zusammengetragen, die Aufschluss geben über Arbeit und Einkommen der Aachener, ihre Wohnverhältnisse und ihren Bildungsgrad, ihre Gesundheitsvorsorge und ihr ehrenamtliches Engagement, die Altersstruktur oder den Migrationshintergrund.

Datenschutz gesichert

Nachzulesen sei nunmehr, „wo die meisten Chinesen leben und wo die ältesten Leute”, erklärte Günter Schabram, der Leiter der Fachbereichs Soziales und Ausländerwesen. Bei der ganzen Zahlensammlung sei der Datenschutz gewährleistet, betont Dezernent Lindgens. Dennoch gibt der Sozialentwicklungsplan Auskunft darüber, wo die meisten jugendlichen Straftatverdächtigen wohnen oder wo sich Fälle von Kindeswohlgefährdung oder Gewalt gegen Frauen häufen.

Ebenso sind die von Arbeitslosigkeit am meisten betroffenen Stadtbezirke auf der Karte markiert. Rot leuchtet es im Ostviertel, am Kaiserplatz und im Rehmviertel, aber auch am Kronenberg und im Preuswald, wenn es um die Verteilung von Hartz-IV-Beziehern geht. Interessant findet Schabram daneben die statistischen Offenbarungen über das ehrenamtliche Engagement, das vor allem in den ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Stadtbezirken gepflegt wird. Andernorts hingegen ist das Interesse an Mitmensch und Umfeld nicht so groß. Für Schabram ergeben die Erkenntnisse über Langzeitarbeitslose und bildungsferne Schichten und ihre geringe Wahlbeteiligung ein klares Bild. „Diese Leute verabschieden sich von unserem Gemeinwesen.”

Das soll nicht zuletzt durch den Sozialentwicklungsplan verhindert werden. Für OB Linden gilt es, ein „Auseinanderdriften der sozialen Schichten in unserer Stadt” zu verhindern. Die Daten des Sozialentwicklungsplans seien da wichtig, um mit den Maßnahmen an der richtigen Stelle anzusetzen.

Konkretes wollen Fachleute aus Verwaltung, Politik und von den freien Trägern bei einer großen Sozialkonferenz am 13. November bereden, zuvor soll der Sozialentwicklungsplan in diversen Gremien -Êvom Migrationsrat über den Planungsausschuss bis hin zur Bezirksvertretung Brand - beraten werden. SPD und Grüne, auf deren Antrag vor rund zwei Jahren hin der Sozialentwicklungsplan erstellt wurde, begrüßen das nun fertige Werk als „wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung der Stadt”.

Sein Autor Gerrit Köster weiß derweil auch etwas Tröstliches zu berichten. Rund 71 Prozent der Aachener Bevölkerung leben in Bereichen, die als stabil gelten, so der Projektleiter des Sozialentwicklungsplans. In den rot markierten Bereichen seien es nur neun Prozent.
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