Aachen - Wirte stöhnen über Terrassengebühr

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Wirte stöhnen über Terrassengebühr

Von: Georg Dünnwald
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Der Sommer hat lange auf sich warten lassen. Doch jetzt zeigt er sich von seiner schönen Seite und auch die Wirte können sich endlich über gutbesetzte Außenterrassen freuen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die hohen Gebühren, die die Gastwirte für ihre Außengas­tronomie bezahlen müssen. „Die enormen Gebühren zeigen, dass die Terrassengebühr in einigen Kommunen zur Sanierung des Haushalts beitragen soll“, meint Heinz Wirz, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW.

Auch Aachen ist laut Steuerzahlerbund teuer. Im Vergleich der Großstädte erreicht Aachen immerhin Platz 8 unter 29 Städten in Nordrhein-Westfalen. Durchschnittlich müssen die Gastwirte hier sechs Euro pro Quadratmeter monatlich bezahlen – egal ob es regnet oder die Sonne scheint. Münster liegt einen Euro darüber, den Vogel schießt Bonn mit zehn Euro je Quadratmeter ab. Bottrop ist da mit 1,70 Euro je Quadratmeter geradezu ein Billigheimer.

Die vom Bund der Steuerzahler angegebenen Beträge sind nach Auskunft des städtischen Presseamts lediglich Durchschnittsgebühren. In den Aachener Außenbezirken würden nur 4,80 Euro pro Qua­dratmeter berechnet. In der Innenstadt, am Markt beispielsweise, langt die Stadt allerdings richtig zu. Da sind etwa neun Euro fällig, teilt das Presseamt mit.

Nach den verregneten und kalten Tagen in den vergangenen Monaten können Aachens Wirte jetzt aufatmen. Für alle, die über ein paar Tische vor der Tür verfügen, zeigt sich der Sommer von seiner besten Seite. „Jetzt können wir wenigstens draußen Umsatz machen“, freut sich Gastwirt Dieter Becker (Goldenes Einhorn am Markt). Becker, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verbands (Dehoga) im Bezirk Aachen-Düren und Vorsitzender des Dehoga-Ressorts „Gastronomie“, beklagt: „Seit dem Rauchverbot bleibt unser Schankraum auch ziemlich leer. Bis Ende April ging‘s manchmal noch bis zwei, drei Uhr morgens an der Theke, jetzt ist um halb zwölf abends meistens Feierabend. Die Gäste wollen nicht jedes Mal vor die Tür, wenn sie eine Zigarette rauchen wollen.“ Gerade bei Regen blieben Gäste fern. Immerhin könne er mit seiner Außengastronomie „bei schönem Wetter wenigstens die Steuern verdienen“, die die Stadt von ihm als Wirt verlange – „obwohl die Terrassengebühr ziemlich happig ist“.

Aachens Dehoga-Chef Dirk Deutz (Altes Zollhaus) bläst ins gleiche Horn: „Für die Wirte wird’s immer schwerer.“ Die Außengas­tronomie habe in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. „Auch an Ecken und Straßen, an die man vorher nie gedacht hatte, werden nun Tische und Bänke oder Stühle aufgebaut“, weiß Deutz. Er zählt auf: „Rauchverbot, Terrassenmiete, anstehende Bettensteuer für die Hoteliers – ich frage mich, wie lange das so mancher Kollege finanziell noch aushält.“ Die Stadt säge an dem Ast, auf dem sie sitze, glaubt er. „Wenn immer mehr Kollegen aufgeben müssen, wird auch Aachen trister.“

Deutz schlägt vor, dass die Gebühren für die Benutzung von öffentlichem Straßenraum nach Öffnungszeiten gestaffelt werden. „Ein Gastronom, der nur fünf Stunden draußen bedient, sollte weniger bezahlen müssen als derjenige, der zwölf Stunden draußen an einer attraktiven Ecke servieren kann.“ Und auch das Wetter könnte in die Berechnung Eingang finden. Deutz merkt an: „Die Wirte müssen ja sogar für feststehende Ascheimer, die vor der Tür wegen des sogenannten Nichtraucherschutzgesetzes aufgestellt werden, einen Mietpreis an die Stadt zahlen. Das ist doch Unsinn.“ Deutz und Becker sind einig mit dem Steuerzahlerbund: Alles, was über einen Durchschnitt von 5,25 Euro pro Quadratmeter liegt, diene nur der „Kosmetik des Haushalts zu Lasten der Gastronomen und Kunden“ und müsse nach unten korrigiert werden.

Die Stadt hält hingegen die Tarife für angemessen. „In den Gebühren spiegelt sich die besondere Attraktivität Aachens mit seiner historischen Innenstadt wider“, sagt Axel Costard vom städtischen Presseamt. „Die Nachfrage nach weiteren Flächen ist sehr hoch, daher gehen wir davon aus, dass sich der Preis für die Gastronomen rechnet.“

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