Aachen - „Wir sind Aachen“: 1000 Menschen setzen ein Zeichen

CHIO-Header

„Wir sind Aachen“: 1000 Menschen setzen ein Zeichen

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
7444953.jpg
Massenprotest am Elisenbrunnen: Rund 1000 Aachener stemmten sich entschieden gegen Rechtsextremisten. Mitten in der Menge: Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Wir wollen Respekt, wir wollen Vielfalt!“ Deutlich waren die Worte des Oberbürgermeisters. Marcel Philipp rief am Samstagabend in die rund 1000-köpfige Menge, die sich aus Protest gegen Neonazis am Elisenbrunnen versammelt hatte: „Rassismus und Antisemitismus sind mit unseren humanitären Werten nicht in Einklang zu bringen.“

Der OB zitierte mit engagierter Stimme das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Seine Worte brachten ihm donnernden Applaus ein.

Philipp weiter: „Wir feiern heute die Unterschiede der in Aachen lebenden Menschen, wir bieten hier am Elisenbrunnen heute ein Fest der Kultur und der Musik gegen die Rechtsextremisten.“ Er erinnerte daran, dass rund 150 Tote, die durch die Hand von Neonazis ums Leben kamen, in Deutschland zu betrauern seien.

Eigentlich war nur der Oberbürgermeister als Redner vorgesehen, aber unmittelbar nach ihm ergriff der alte Gewerkschafter Hein Kolberg (92) das Wort. Er warnte: „Ich habe die Nazizeit miterlebt. Ich habe mit ansehen müssen, wie die SA-Truppen die jungen Männer, die in der SPD oder der KPD waren, aus ihren Wohnungen zerrten, um sie zu zwingen, die Nazifahne zu grüßen. Das war unmittelbar nach dem 30. Januar 1933.“ Manch einer hatte Tränen der Rührung in den Augen, als Kolberg aufrief: „Nie wieder Krieg, nie wieder eine Nazi-Gewaltherrschaft!“

Schon eine halbe Stunde, bevor OB Philipp und Hein Kolberg redeten, hatte das Kulturprogramm begonnen. Der Aachener DGB-Chef Ralf Woelk kündigte es als „eine volle Pulle Kultur“ an. Und er hatte recht. Was die Aachener Kulturszene da auf die Beine gestellt hatte, konnte sich sehen und hören lassen. Comedian Khalid Bounouar besorgte die Moderation und schmetterte sofort ein „Wir sind Aachen...“ ins Publikum, worauf dieses lauthals erwiderte: „Nazis sind es nicht.“ Der Rapper Khaveh vertrat die erkrankte Fahra Rieli und machte deutlich: „Wir sind ein Teil von Aachen.“

Mehr und mehr Gegendemonstranten fanden sich am Elisenbrunnen ein. SPD und Grüne, Gewerkschafter und Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt hatten Fahnen und Plakate mitgebracht, die sie stolz und trotzig in die Höhe hielten. Alles, was in der Aachener Politik Rang und Namen hat – von den Linken über die Grünen, die SPD, die FDP, die Piraten und die CDU ließ sich sehen. Vertreter beider großen Kirchen waren vertreten, genauso wie Abdurrahman Kol, der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Yunus Emre aus dem Ostviertel.

Währenddessen schob sich ein etwa 80 Leute starker Zug vermummter Gegendemonstranten durch die Hartmannstraße und hinein in die Elisabethstraße, begleitet von vielen Polizisten. Die meisten Zuhörer am Elisenbrunnen bemerkten sie nicht. Auf der Bühne feierte Lizusha Kostyek, eine aus Moskau stammende Komödiantin, mit ihrem Programm Erfolge. Die Gruppe Salimou begeisterte mit afrikanischer Musik, Nic Knatterton und Johanna setzten Hip-Hop gegen Rechts ein. Stand­up-Comedy bot Rebell-Comedy. Ein starkes Schlusslicht zündete die Gruppe „Lagerfeuer“ an.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert