Eschweiler - Winnens legendäres Wohnzimmer: Kreishandwerksmeister tritt nicht mehr an

Winnens legendäres Wohnzimmer: Kreishandwerksmeister tritt nicht mehr an

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
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Hans Winnen löste Probleme im Wohnzimmer.

Eschweiler. Das Wohnzimmer von Hans Winnen ist schon legendär. Dort hat er sein 25-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert. Dort hat ihn Ende der 80er Jahre der damalige Kreishandwerksmeister Matthias Josephs gefragt, ob er sein Stellvertreter werden wolle.

Und dort hat Winnen, nachdem er 1990 zum Chef der jetzt über 5500 Mitgliedsbetriebe zählenden Unternehmerorganisation des Handwerks in der heutigen Städteregion gewählt worden war, 20 Mal am Silvestermorgen Gäste aus allen gesellschaftlichen Gruppen miteinander ins Gespräch gebracht. Damit ist nun Schluss: Bei der Vollversammlung der Kreishandwerkerschaft am kommenden Montag stellt sich Winnen nicht mehr zur Wahl.

„Mit 70 sollte man Jüngeren Platz machen”, sagt er. Wehmut verspürt Winnen nicht. Langeweile wird er auch ohne dieses Amt nicht haben. Als Obermeister der Elektroinnung bleibt er noch drei Jahre im Amt, und zahlreiche andere Ehrenämter - ob bei der Arbeitsagentur, der Innungskrankenkasse oder als Richter am Landesarbeitsgericht Köln - laufen ebenfalls noch. Und auch in seinem Betrieb hat er als Geschäftsführer viel zu tun.

Das Unternehmen hat er 1964, zwei Monate nach seiner Meisterprüfung, gegründet. Und dem damals 23-Jährigen war klar: Er braucht fachliche Informationen. Also ist er der Elektro-Innung beigetreten. „Und da kommt man schnell zu Posten”, sagt er schmunzelnd. Den ersten, im Rechnungsprüfungsausschuss, bekam er 1966. Vier Jahre später wählten ihn seine Kollegen zum Obermeister der Innung Aachen-Land. Das Amt behielt er auch nach der Fusion mit der Aachener Innung und übt es bis heute aus. Eine Fülle weiterer Posten kam geradezu zwangsläufig dazu.

Keine Last

Als Last hat Winnen das nie empfunden. „Ich wollte immer etwas bewegen”, sagt er. So wie er für seinen Betrieb immer nach Nischen gesucht hat, um sich im Wettbewerb zu behaupten („Es kommt darauf an, frühzeitig am Markt zu sein mit neuen Technologien”), so hat er versucht, das Handwerk in der Städteregion nach vorn zu bringen. Etwa dadurch, dass er in seiner Innung Betriebe zu Kooperationen motiviert hat, um gemeinsam an Großaufträge zu kommen wie Ende der 80er Jahre, als flächendeckend die Verkabelung fürs Fernsehen anstand. Weitere Stichworte sind Kampf gegen Schwarzarbeit, Fortbildung („Das Handwerk hat sich enorm verändert. Wer sich nicht ständig weiterbildet, verliert den Anschluss”), neue Ausbildungsgänge in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule („Wir brauchen die Besten im Handwerk”) oder die zügige Etablierung neuer Technologien wie jetzt beim Thema „energieeffiziente Beleuchtung”.

An Ideen hat es Winnen nie gemangelt, an Durchsetzungswillen auch nicht. Probleme, etwa die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand, müssen eben gelöst werden, sagt er. Und häufig ist ihm das gelungen - in Gesprächen mit allen Beteiligten zu Hause in seinem Wohnzimmer.
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