Windräder: Es wird stürmisch

Von: Alfred Stoffels
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Aachen. Trotz aller Turbulenzen um einen möglichen Windpark an der Himmelsleiter will die Stadt Aachen Kurs halten. Beim städtischen Umweltamt hieß es am Mittwoch, man werde den von der Politik erhaltenen Prüfauftrag „systematisch abarbeiten” und dabei den Münsterwald als potenziellen Standort genauso intensiv unter die Lupe nehmen wie die drei anderen Möglichkeiten im Aachener Norden.

Die letzte Entscheidung liegt dann beim Stadtrat - bis dato sind sich die schwarz-grüne Mehrheit und die größte Oppositionspartei SPD darin einig, Windräder im Wald eher unproblematisch zu finden.

Doch vor Ort wächst der Widerstand. Insbesondere aus Roetgen schlägt einem etwaigen Windpark hart an der Gemeindegrenze massiver Protest entgegen, aber auch in Walheim, Aachens südlichstem Stadtteil, kommt es zu ersten Unmutsbekundungen: Die örtliche CDU begegnet dem Projekt, anders als die Aachener Mutterpartei, mit erkennbarer Distanz. Einen förmlichen Anti-Beschluss der Walheimer Christdemokraten in Sachen Windpark gibt es noch nicht, trotz „großer Bedenken” in der ganzen Sache, wie es Bezirksbürgermeister Eberhard Büchel formuliert hat.

Nach Roetgen soll nun auch in Schmithof eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen werden (am Dienstag, 22. Februar, um 19 Uhr im Pfarrheim Schmithof). Ziel ist es, so Gründungsmitglied Volker Rubach, das ganze Projekt zu verhindern. Der Eingriff in die Landschaft sei so massiv, dass es mit ein paar Korrekturen nicht getan sei. Der pensionierte Lehrer (71) hofft auf Zuspruch auch in Venwegen und Walheim, überhaupt im Aachener Süden, und spricht von einer „längerfristigen Perspektive” für die Bürgerinitiative, „ein paar kleine Aktionen sind sinnlos”.

Entgegen anderslautender Horrorszenarien beharrt die Stadt Aachen darauf, dass dem Münsterwald keine große Gewalt angetan werden müsse, um die Windanlage zu installieren. Tatsache sei, dass das vorhandene Wegesystem für alle Transporte genutzt werden könne, größere Rodungsarbeiten seien unnötig. Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt: „Die Behauptung, der halbe Wald werde abgesägt, ist Quatsch. Wir sprechen über eine Fläche, die zwei bis drei Prozent dieses Waldstücks ausmacht.”

Im übrigen werde die Tauglichkeit aller vier zur Auswahl stehenden Standorte auf Herz und Nieren geprüft, nach Recht und Gesetz sowieso. Im Mittelpunkt stünden die Auswirkungen auf den Menschen in Form von Lärm, Schlagschatten oder anderer Emissionen, dann gehe es um die Belange des Naturschutzes, schließlich um das Landschaftsbild. Wobei zu sagen sei: In Deutschland gebe es inzwischen 20.000 Windkraftanlagen, ein Vorgang, vor dem man die Augen nicht verschließen könne.

Meiners kann nachvollziehen, dass es in unmittelbarer Umgebung des Münsterwaldes („nun wirklich kein klassisches Naherholungsgebiet”) zu Abwehrreaktionen kommt, zitiert aber auch aus einer Umfrage anlässlich der jüngsten Kommunalwahl: Da hätten sich 64 Prozent der befragten Aachener für den Ausbau erneuerbarer Energien ausgesprochen, nur 16 Prozent dagegen. Was ziemlich eindeutig sei.

Ohne den politischen Entscheidungen vorgreifen zu wollen, weist der Umweltexperte darauf hin, dass ein Windpark im Münsterwald den größten Abstand von jedweder Wohnbebauung erlaube. Meiners: „Die Roetgener sollen mir doch, wenn es um das Schutzgut Mensch geht, einen besser geeigneten Standort in Aachen nennen.”

Als „Öko-Terrorismus” hat CDU-Fraktionschef Michael Seidel im Roetgener Gemeinderat das Vorgehen der Aachener Umweltdezernentin Gisela Nacken (Grüne) bezeichnet. Bei der Sitzung am Dienstagabend sprach sich eine große Mehrheit gegen die Pläne an der Himmelsleiter aus, lediglich die Grünen und der SPD-Fraktionschef sahen die Dinge anders und warnten vor „Hysterie”. Die Kritiker der Windparkpläne an der Himmelsleiter deuteten an, im Aachener Rathaus lägen bereits fertige Pläne in der Schublade.
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